1. Bundesliga 16/17
| 13.03 Uhr

Bundesligisten auf Marketing-Tour
BVB-Profis gefeiert wie Pop-Stars

Japanische Fans feiern BVB in Tokio
Japanische Fans feiern BVB in Tokio FOTO: dpa
Auslandsreisen sind nicht nur für die Klubs, sondern auch für die Präsentation der Bundesliga von großer Bedeutung. Als Beispiel dient die aktuelle Asien-Tour von Borussia Dortmund.

Mehr als 30 Stunden werden die Profis von Borussia Dortmund auf ihrer siebentägigen Asien-Reise im Flugzeug sitzen, rund 25.000 Kilometer zurücklegen, dazu zwei Spiele bestreiten. Doch die Strapazen werden sich nicht nur für den Klub in Yen und Euro auszahlen. "Für das Format Bundesliga oder für den Fußball 'Made in Germany' ist das allemal von großer Bedeutung", wurde BVB-Marketingchef Carsten Cramer jüngst im kicker zitiert.

Doch in erster Linie stehen Marketing und Imagepflege für den Verein im Vordergrund. "Wir erlösen aus der Asien-Tour einen beachtlichen siebenstelligen Betrag", erklärte Cramer. Immerhin ist der BVB erst seit einem dreiviertel Jahr mit einem Büro in Singapur vertreten, um den asiatischen Markt zu beackern.

Im Fokus steht Japan. Dort ist der BVB durch die Verpflichtung von Publikumsliebling Shinji Kagawa und das Weltpokal-Finale 1997 bereits recht bekannt. Rund sechs Millionen BVB-Fans werden in Japan geschätzt. Nirgendwo anders im Ausland verkaufen die Borussen schon jetzt so viele Fanartikel.

BVB gewinnt ersten Test der Asienreise FOTO: ap

Entsprechend enthusiastisch wurden Marco Reus und Co. bei ihrer Ankunft in Tokio empfangen. Die Profis präsentierten sich als Stars zum Anfassen, schrieben nonstop Autogramme. Für das erste Spiel am Dienstag gegen Kawasaki Frontale (6:0) waren die 25.000 Tickets innerhalb von 48 Stunden vergriffen.

Was für die Spitzenklubs der englischen Premier League, der italienischen Serie A und Spaniens Primera Division längst einen festen Platz im Rahmenkalender hat, ist in der Bundesliga noch immer die Ausnahme. "Ich habe ein bisschen die Sorge, dass unsere Kollegen in Deutschland das sehr schleppend angehen. Wenn wir in dem Wettbewerb bestehen wollen, müssen wir raus. Nicht nur Bayern München, sondern auch die anderen Großen. Das ist ein Muss, um der Liga die notwendige Unterstützung zu geben", forderte Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender von Bayern München, schon vor einem Jahr anlässlich der USA-Reise des deutschen Meisters.

Der Rekordmeister wird am 16. Juli zu seiner neuntägigen China-Reise mit den Stationen Shanghai, Peking und Guangzhou aufbrechen. Von der Asien-Reise verspricht sich Vorstandsmitglied Jörg Wacker, der bei den Münchnern die Bereiche Internationalisierung und Strategie verantwortet, weitere wirtschaftliche Zuwächse: "Wir sehen ein riesiges Potenzial, vor allem auch im Fanartikelverkauf."

Fotos: Erstes BVB-Training in Japan vor 5000 Fans FOTO: afp, ty/FL

Im vergangenen Jahr zeigten sich bereits der Hamburger SV und Werder Bremen in China, auch Pokalsieger VfL Wolfsburg. Doch stand hier wohl die Präsentation des Hauptsponsors VW im Vordergrund. Dazu verpflichteten die Niedersachsen den chinesischen Mittelfeldspieler Xizhe Zhang für zweieinhalb Jahre. Bis zu 40 Millionen Chinesen verfolgten in Zhangs Heimat den ersten Auftritt ihres Landsmann beim VfL in einem Testspiel am TV. In der Liga kam der 24-Jährige bisher nicht zum Einsatz.

Natürlich verneinte Sportdirektor Klaus Allofs die Frage, ob Zhangs Transfer eine PR-Gag gewesen sei. Anschließend verkündete der VfL eine Sponsoring-Partnerschaft mit einem der größten Reifen-Hersteller Chinas. Zumindest zeigte sich Wolfsburg auch als Repräsentant der Bundesliga, wie auch Bayer Leverkusen im vergangenen Jahr in Südkorea. Im WM-Co-Gastgeberland von 2002 ist auch Bayers Hauptsponsor (LG) beheimatet.

Doch bei der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist man sich einig: Das kann nur der Anfang sein. Langer Atem ist gefragt, um den Vorsprung der anderen Topligen zu verringern. Dortmunds Marketing-Direktor Cramer setzt für die Aufwertung der Marke Bundesliga auf ein Gesamtpaket: "Hinfliegen, spielen, zweimal in die Kameras lächeln und dann denken, der Markt ist meiner - das kann nicht funktionieren."

(sid)
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