1. Bundesliga 16/17
| 13.59 Uhr

Die Entdeckung der BVB-Saison
Mit Raphael Guerreiro ist "immer Karneval"

Borussia Dortmund: Raphael Guerreiro ist die Entdeckung der Saison
Lieblingsposition: überall. Nicht nur Thomas Tuchel hat Gefallen gefunden an Dortmunds neuer Allzweckwaffe Raphael Guerreiro. FOTO: ap, SO
Dortmund. Raphael Guerreiro ist die Entdeckung der BVB-Saison. Für den jungen Portugiesen geht es seit Jahren steil aufwärts, aber er droht nie die Bodenhaftung zu verlieren.

Raphael Guerreiro war 19 und sah aus wie 15, sie nannten ihn "die Batterie", als er sicherheitshalber die Formulare ausfüllte. Fernando Santos war bei seinem Vater vorstellig geworden, der portugiesische Nationaltrainer stellte in einem Telefonat seine baldige Berufung in Aussicht. Und Raphael Guerreiro, der sein Leben lang in Frankreich gewohnt hat, der kein Portugiesisch sprach, wurde mal eben Portugiese. Wie sein Vater.

"Eigentlich war es logisch, meine ganze Familie hatte schon längst die doppelte Staatsbürgerschaft", sagte er damals in einem Interview. Es war die goldrichtige Entscheidung. Denn drei Jahre später ist Raphael Guerreiro Europameister, er spielt auch nicht mehr bei SM Caen in der zweiten französischen Liga, sondern mit Borussia Dortmund in der Champions League.

Ronaldo ist Teamkollege und Gegner

Dort darf er es am Dienstag sehr wahrscheinlich mit Cristiano Ronaldo aufnehmen. Das wäre vor drei Jahren noch etwas Besonderes gewesen - aber seitdem ist Guerreiro ja zum Nationalspieler aufgestiegen, er spielte bei der EM Seite an Seite mit dem Weltstar von Real Madrid, den er früher so bewundert hat.

Viele Menschen sprechen über Raphael Guerreiro, was bisweilen ganz praktisch ist, denn: Raphael Guerreiro spricht sehr selten über sich. Wer lange wühlt, findet heraus, dass er gerne Videospiele spielt, auch, dass er blonde Frauen den Brünetten vorzieht, jedoch Angelina Jolie hübscher findet als Scarlett Johanssion. Dann wird es schon schwierig.

Fakt ist: Raphael Guerreiro war stets fußballbesessen. Schon früher, als er noch für Blanc-Mesnil spielte, in einem Zentrum der Unruhen in Paris 2005. Sein Vater Celso schob Nachtschichten in einer Orangina-Fabrik, seine Mutter Claudine, eine Französin, fuhr ihren Sohn im Peugeot 104 zum Training. "Mit ihm war auf dem Platz immer Karneval", sagt sein früherer Trainer Philippe Lemaitre: "Man musste ihn nie motivieren oder ermahnen."

Das Privatleben bleibt Privatsache

In einem Porträt von damals steht: "Man wird kaum eine Chance haben, ihn später in Nachtklubs zu treffen." Auch heute nicht. Wie auch? Guerreiro ist 22 und hat zwei Kinder, die kleine Ana kam Mitte August zur Welt. Es war eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen Guerreiro seine Fans via Instagram an seinem Privatleben teilnehmen ließ. Ein Mobile verdeckte das Gesicht seiner Tochter in der Wiege - das war sicherlich Absicht.

Raphaël Adelino José Guerreiro ist kein Großmaul. Er ist immer ganz froh, wenn er nicht interviewt wird, und wenn er doch muss, dann ist er ganz froh, wenn es um Fußball geht. Dazu hat er reichlich Gelegenheit - er ist die Entdeckung der jungen BVB-Saison. Er hat in sechs Pflichtspielen zwei Tore erzielt und vier vorbereitet. Seine Standards sind immer gefährlich. Er läuft viel. Die Batterie.

Guerreiro kann das Spiel gestalten, er kann links defensiv und offensiv spielen. Trainer Thomas Tuchel sagt: "Er ist viel zu gut, um auf eine Position festgelegt zu werden. Er ist auf dem besten Weg zum Trainerliebling."

(sid)
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