1. Bundesliga 17/18
| 21.33 Uhr

BVB trennt sich von Tuchel
Ein seltsames Ende

Tuchels Abgang: Reaktionen der Dortmunder
Meinung | Düsseldorf. Die Trennung des BVB von Trainer Thomas Tuchel kam mit Ansage, das Zerwürfnis war nicht mehr zu kitten. Über die wahren Hintergründe der tiefen Störung kann nur spekuliert werden. Von Robert Peters

Thomas Tuchel ist nicht mehr Trainer von Borussia Dortmund. Das ist alles andere als eine unerwartete Nachricht. Der BVB hat schließlich über Wochen öffentlich deutlich gemacht, dass das Verhältnis zwischen Vereinsführung, Mitarbeitern, großen Teilen der Mannschaft auf der einen und dem Trainer auf der anderen Seite nachhaltig gestört ist.

Twitter-Reaktionen: "Da muss der BVB erst mal einen besseren finden!"

Dieses Zerwürfnis war offenbar nicht mehr zu kitten – nicht mal durch sportliche Erfolge, die Tuchel nicht abzusprechen sind. Er führte die Mannschaft zum zweiten Mal in Folge in die Champions League, in dieser Saison sogar nach einem personellen Aderlass, der anderswo Anlass zu einem wahren Schreckensszenario gewesen wäre. Dortmund verlor gleich drei Stars von internationaler Klasse - Ilkay Gündogan, Mats Hummels und Henrikh Mkhitaryan. Zur Krönung der Saison gewann Tuchel mit dem BVB sogar noch den DFB-Pokal, es ist seit 2012 der erste Titel für den zweitgrößten deutschen Klub.

Dennoch geht es nicht weiter. Die Trennung ist nicht leicht zu vermitteln, weil es der Dortmunder Vereinsführung erst sehr spät gelang, die Deutungshoheit in der Öffentlichkeit zu gewinnen. Im Winter, als die Kontroverse zwischen großen Teilen der Mannschaft und ihrem Coach längst offensichtlich war, blieb Watzke still. Erst als Tuchel nach dem Attentat auf den Mannschaftsbus den Geschäftsführer wie einen kaltherzigen Uefa-Adjutanten aussehen ließ und sich selbst in den Rang eines Menschen- und Spielerfreundes beförderte, reagierte der Geschäftsführer.

Tuchel und Watzke – Chronik einer Entfremdung

Er muss froh sein, dass ihm in Berlin beim Pokalfinale wichtige Spieler beisprangen. Kapitän Marcel Schmelzer und Vizekapitän Marco Reus kritisierten die Ausbootung von Nuri Sahin. Sie widersprachen damit öffentlich der Darstellung Tuchels, der von einem großen Vertrauensverhältnis zur Mannschaft geschwärmt hatte.

Über die wahren Hintergründe der tiefen Störung im Verhältnis BVB-Tuchel wird vermutlich nur noch spekuliert werden. Tuchel, der die Trennung vor dem BVB über sein neues Twitter-Profil verkündete, lässt sich sein Schweigen durch eine stolze Abfindung von fast drei Millionen Euro erkaufen. Die Klubführung wird sich ebenfalls zu Stillschweigen verpflichtet haben. Es bleibt ein seltsames Ende.

 
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