1. Bundesliga 17/18
| 18.02 Uhr

Wunschtrainer
BVB würde für Favre bis zu zehn Millionen zahlen

Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer
Fotos: Favre – akribischer Arbeiter und Ex-Gladbach-Trainer FOTO: AP
Exklusiv | Dortmund. Borussia Dortmund ist wohl bereit, deutlich mehr für den Wunschtrainer zu zahlen, als bisher bekannt – die Rede ist sogar von einem zweistelligen Millionenbetrag. Hohe Ablösesummen für Trainer in der Bundesliga sind bislang selten. Von Gianni Costa

Der OGC Nizza hat das nächste Signal im Verhandlungsmarathon mit Borussia Dortmund gesendet. Aus der Führungsetage der Franzosen verlautete, man sei nicht bereit, Lucien Favre als Trainer abzugeben. Der BVB sei einfach zu spät mit seiner Anfrage gekommen berichtet "L'Equipe". Der Trainingsstart in Nizza sei bereits am 19. Juni, bis zur Qualifikation für die Champions League Ende Juli (25./26.) sei die Zeit zu kurz, um einen adäquaten Ersatz für den Schweizer Fußballlehrer zu finden. Bislang wird von diversen Medien kolportiert, die Westfalen hätten dem Konkurrenten fünf Millionen Euro geboten, um sich die Dienste des ehemaligen Gladbach-Coaches zu sichern. Die Absage von Nizza heißt aktuell nichts anderes als: Das Angebot ist noch deutlich zu niedrig.

Nach Informationen unserer Redaktion ist die finanzielle Schmerzgrenze für den BVB auch tatsächlich noch nicht erreicht. Aus Kreisen des Aufsichtsrats verlautete jedenfalls, man sei notfalls bereit, sogar bis zu zehn Millionen Euro für den Wunschtrainer zu zahlen. Favre hat OGC in der vergangenen Saison in der Ligue 1 auf Tabellenplatz drei hinter Meister AS Monaco und Paris St. Germain geführt. Angeblich ist sich Favre mit dem BVB schon einig, fehlt eben nur noch die Freigabe durch seinen bisherigen Arbeitgeber.

Sollten die Verhandlungen mit Favre trotz Aufstockung des Angebots nicht zum Erfolg führen, gibt es noch ein paar andere Kandidaten auf der Liste des BVB: Ex-Spieler Paulo Sousa hat starke Fürsprecher im Verein. Und er hat einen weiteren Vorteil: Er käme ablösefrei – Sousa hatte seinen Vertrag beim italienischen Erstligisten AC Florenz nicht verlängert.

Und wenn auf Spielerseite der Franzose Paul Pogba für die Rekordsumme von 105 Millionen Euro von Juventus Turin zu Manchester United gewechselt ist – für begehrte Trainer ist es bislang indes unüblich, Unsummen auszuzugeben. Doch auch dieser Markt entwickelt sich langsam, nach dem einige Vereine zur nicht ganz so überraschenden Erkenntnis gekommen sind, nicht einen großen Namen zu verpflichten, sondern denjenigen zu suchen, der am ehesten dem Anforderungsprofil entspricht. Im Fall von Favre hält man beim BVB wohl das Risiko für kalkulierbar, sich nach Tuchel erneut einen schwierigen Charakter einzukaufen. In Berlin und auch Gladbach hatte der 59-jährige Favre die jeweilige Vereinsführung immer wieder zur Verzweiflung gebracht, mit Ankündigungen, er wolle die Brocken hinschmeißen. Favres Vertrag in Nizza hat noch eine Laufzeit bis 30. Juni 2019 – der Poker wird wohl noch etwas weitergehen.

Für diese Trainer gab es Ablösezahlungen FOTO: dpa, mb

Ein Geschacher, wie es noch selten ist in der Bundesliga. Auch wenn es immerhin ein paar Beispiele gibt, bei den Klubs für einen Trainer bereit waren, tief in die Tasche zu greifen:

Markus Weinzierl Drei Millionen Euro hat der FC Schalke 04 an den FC Augsburg im Sommer 2016 überwiesen, um Weinzierl direkt als Cheftrainer zu verpflichten. Bei entsprechenden sportlichen Erfolgen von Champions-League-Quali über Pokalsiege bis zur Meisterschaft oder gar einem Sieg in der Königsklasse kann sich diese Summe bis Ende der Vertragslaufzeit auf bis zu fünf Millionen erhöhen. Davon ist aktuell nicht auszugehen – Weinzierl konnte die Erwartungen bislang nicht erfüllen. Sportvorstand Christian Heidel hat Weinzierl öffentlich bereits angezählt und von ihm bessere Ergebnisse gefordert.

Roger Schmidt Bayer Leverkusen zahlte 1,5 Millionen Euro 2014 an Red Bull Salzburg, um Schmidt zu bekommen. Das Vertrauen in ihn hatte allerdings enge Grenzen – der Werksklub war schließlich nur bereit, ihm zunächst einen Zweijahresvertrag zu geben. Die Erfolge blieben überschaubar. Zudem sorgte Schmidt immer wieder mit Eskapaden für Aufsehen. Am 5. März wurde er schließlich von seinen Aufgaben entbunden.

Peter Stöger Jörg Schmadtke hat einen guten Riecher für ertragreiche Investitionen. Im Sommer 2013 holte er Peter Stöger von Austria Wien zum 1. FC Köln. Schmadtke war da selbst offiziell noch nicht im Amt, zog aber im Hintergrund wohl die Fäden. Dafür musste Köln 700.000 Euro für den Österreicher zahlen – der hat den Effzeh in dieser Saison erstmals wieder ins internationale Geschäft geführt. Stöger, so wurden Gerüchte gestreut, sei auch ein Kandidat als Trainer beim BVB. Doch sowohl Schmadtke als auch Stöger dementierten sofort und energisch.

Willi Reimann Der Hamburger SV zahlte 1987 dem Stadtkonkurrenten FC St. Pauli stolze 600.000 D-Mark (rund 300.000 Euro) als Ablöse für dem Cheftrainer. Reimann trainierte drei Jahre den HSV, für den er als Spieler 175 Mal aufgelaufen war.

Holger Stanislawski Der gebürtige Hamburger erarbeitete sich beim FC St. Pauli den Titel "Kult-Trainer" – 1899 Hoffenheim wollte gerne etwas von dem Kult abhaben und kaufte Stanislawski 2011 für 300.000 Euro aus seinem Vertrag frei. Kultig wurde es allerdings nicht – bereits im darauffolgenden Februar war schon wieder Schluss.

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