1. Bundesliga 16/17
| 08.01 Uhr

Niederlage im Pokalfinale
BVB: Zeit für den Neuanfang

Fotos: Dortmunder kehren mit langen Gesichtern zurück
Fotos: Dortmunder kehren mit langen Gesichtern zurück FOTO: dpa, bt nic
Berlin. Das Pokalfinale ist für Borussia Dortmund ein Spiegel der Saison. Die 1:3-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg machte Fähigkeiten und Probleme des Teams deutlich. Thomas Tuchel steht als Nachfolger Jürgen Klopps vor einer großen Aufgabe. Von Robert Peters

Die große Triumphfahrt auf dem Lastwagen um den Borsigplatz ist ausgefallen. Borussia Dortmund hat das Berliner DFB-Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg mit 1:3 verloren, und der Wunsch des scheidenden Trainers Jürgen Klopp bleibt unerfüllt. Sein vorläufig letztes Spiel als Dortmunder Coach endet mit einer Niederlage, aber gefeiert wird trotzdem. Schließlich sind die gut 40.000 Dortmunder Fans deshalb ins Olympiastadion gekommen. In der Arena ist Klopp die Hauptperson. Die Fans rufen seinen Namen, er bedankt sich in der Kurve. Und er muss vor Rührung tüchtig schlucken.

Die letzte Rede von Jürgen Klopp FOTO: dpa, so so axs mr

Das ist nicht das letzte Mal in dieser anbrechenden kühlen Berliner Nacht Ende Mai. Eine Stunde nach dem Spiel gesteht er, "dass jetzt der Abschiedsschmerz kommt, es tut wahnsinnig weh". Und während der Abschiedsparty im ehemaligen Berliner Kraftwerk an der Köpenicker Straße, die als rauschende Pokalfeier gedacht war, fließen die Tränen. Das passt zu diesem emotionalen Trainer, zum Gefühlsmenschen Klopp. Auch dafür lieben ihn die Fans, deshalb haben sie ihm in sieben Jahren bedingungslos die Treue gehalten. Ganz bestimmt lieben sie den Mann, der auch noch mit 47 Jahren als ein großer Junge daher kommt, für seine Klappe. Dass er ARD-Moderator Gerhard Delling bei seinem persönlichen Finale noch einen mitgibt ("Sie glauben doch nicht, dass Sie in fünf Minuten irgendwie noch ein bisschen Mitleid mit uns haben" und "Sie könnten auch noch ein bisschen dazulernen") und Schiedsrichter Felix Brych für seine Selbstgefälligkeit kritisiert ("Er ist so zufrieden mit seiner Leistung, das ist Wahnsinn. Wie soll man sich da weiterentwickeln?"), passt zu "Kloppo".

"Wir sind zusammengewachsen", sagt Klopp über die Fans, die Mannschaft und über sich, "etwas Großes ist entstanden". Das Große endet nicht auf dem Höhepunkt. Den hatten der BVB und Klopp vor drei Jahren erreicht, als sie im Anschluss an die zweite Meisterschaft in der Ära Klopp die Bayern in Berlin im Pokalfinale regelrecht zerlegten. Danach ging es ganz langsam bergab, diese Saison wurde erst auf der Zielgeraden mit Mühe gerettet. Als es nochmal besser wurde, hatte Klopp bereits seinen Abschied eingereicht. Vielleicht trug die Ankündigung dazu bei, dass sich sein Team aufraffte und gelegentlich an die großen Zeiten erinnerte.

"Keine hohe Messlatte" für Tuchel

In Berlin gelingt es ihm nicht, die Saison nachträglich zu vergolden. Sie endet mit einer Europa-League-Qualifikation und Platz zwei im Pokal. "Wir haben keine hohe Messlatte gelegt", urteilt Klopp. Das sportliche Erbe muss sein Nachfolger Thomas Tuchel verwalten.

Pressestimmen zum Wolfsburger Pokalsieg FOTO: qvist /Shutterstock.com/Retusche RPO

Das Berliner Finale ist der Spiegel einer ganzen Saison. Noch einmal werden Dortmunder Talent und Dortmunder Probleme sichtbar. Sie beschreiben Tuchels künftige Arbeitsgebiete sehr genau. Der BVB startet ins Endspiel, als wolle er sich selbst und dem Trainer beweisen, dass die besten Zeiten nicht vorbei sind. Das Passspiel hat eine Schärfe und Schnelligkeit, auf die Wolfsburg zunächst keine Antwort findet. Früh geht Dortmund durch einen Treffer von Pierre-Emerick Aubameyang in Führung, und Marco Reus muss bei einer hochkarätigen Chance das 2:0 erzielen. "Als er übers Tor schoss, wusste ich, dass wir zurückkommen können", sagt Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking.

Auch Klopp beschleichen solche, in seinem Fall böse Ahnungen. Wolfsburg wendet das Spiel innerhalb einer guten Viertelstunde. Es zeigt all seine Qualitäten: professionelle Kälte bei Torchancen, klares, druckvolles Spiel über die Außenpositionen und perfektes Zweikampfverhalten. Dortmund hilft bei allen Toren mit. Die Außenverteidiger Erik Durm und Marcel Schmelzer assistieren durch Untätigkeit, in der Mitte kümmert sich niemand entschieden um den kopfballstarken holländischen Riesen Bas Dost, und Torwart Mitch Langerak sieht bei zwei Treffern nicht gerade wie ein Meister aus. Klopp will von Torwartfehlern nichts wissen, Hecking glaubt, dass der Abklatscher vor dem Ausgleich nicht die große Kunst war. "Das erste Tor war vielleicht haltbar", sagt er.

Dortmund findet nicht mehr in den Rhythmus - wie so oft wird das Team mit einem Rückschlag nicht fertig. Die Kombinationen laufen nicht mehr selbstverständlich, aus dem Mittelfeld mit dem enttäuschenden Ilkay Gündogan kommen keine Impulse. Und Marco Reus wird unsichtbar - in den wichtigen Spielen scheint das zur Regel zu werden.

Fotos: Wolfsburg feiert seine Pokalhelden FOTO: afp, dg

Tuchel muss Reus das Selbstvertrauen zurückgeben, er muss Gündogan in die Spur bringen, er muss das Team neu entwickeln. Eine Menge Arbeit für den Anfang. Dass er auf den ins Übergroße stilisierten Volkstribunen Klopp folgt, macht das nicht leichter. Präsident Reinhard Rauball weiß das: "Wir sollten Thomas Tuchel die Rückendeckung geben, die man jemanden geben muss, der in ein solch großes Paar Schuhe schlüpfen muss."

Der Traum vom Happy End mit einer Fahrt rund um den Borsigplatz ging für Klopp nicht in Erfüllung. Nach der Landung auf dem heimischen Flughafen standen nur wenige Schaulustige dort, um einen Blick auf denTrainer zu werfen.

Quelle: RP
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