1. Bundesliga 16/17
| 09.57 Uhr

Supercup am Sonntag
Zurück in die Zukunft

Dortmund. Am Samstag trifft Borussia Dortmund im Supercup auf den FC Bayern München. Im Fokus stehen dabei vor allem die beiden Rückkehrer Mario Götze und Mats Hummels. Von Robert Peters

Drei Jahre hat Mario Götze bei Bayern München viel Zeit im Kraftraum verbracht. Das sieht man. Trainer Pep Guardiola war nicht unbedingt ein erklärter Anhänger seiner Fähigkeiten als Fußballer. Über die Rolle eines fürstlich entlohnten Ergänzungsspielers kam Götze darum nicht hinaus. Nun macht der 24-Jährige einen Neuanfang.

In Dortmund, wo er zum Wunderkind des deutschen Fußballs heranwuchs, wo ihn die Funktionäre immer noch verehren, wo ihm allerdings auch ein Teil der Anhängerschaft den Abstecher zu den Bayern krumm nimmt. Es gehört zu den schönen Zufällen des Geschäfts, dass Götze den Weg zurück in die eigene Zukunft im Supercup-Spiel in Dortmund gegen den FC Bayern (Sonntag, 20.30 Uhr/Live-Ticker) antritt.

So richtig wohl ist ihm dabei nicht. "Natürlich macht man sich seine Gedanken", sagt Götze, "aber ich hoffe, dass alles positiv abläuft. Und zwar so, dass wir das Spiel gewinnen." Wenn er dazu entscheidende Beiträge leistet, wird das sogar jene Gruppen auf der berühmten Südtribüne besänftigen, die ihn bei zurückliegenden Auftritten im Bayern-Trikot mit einem Pfeifkonzert bedachten, das leicht gesundheitsgefährdende Folgen hätte haben können.

Führende Vertreter im Fußball-Management glauben, dass der Unmut in Teilen des BVB-Anhangs über die Rückholaktion ohnehin nur eine vorübergehende Erscheinung ist. "Wenn er die ersten Tore erzielt oder vorbereitet hat, ist das alles kein Thema mehr", hat Bayer Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler beim Fußballgipfel unserer Zeitung gesagt. Völler ist übrigens auch überzeugt davon, dass der BVB alles richtig gemacht hat, als er Götze zur Rückkehr bewegte. Der Spieler selbst hat inzwischen verstanden, dass er wohl auf jeden Fall zu früh die ganz große Herausforderung und das ganz große Geld bei den Bayern suchte. "Ich würde diese Entscheidung heute nicht mehr so treffen", beteuert er.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, ein erklärter Fürsprecher Götzes, argwöhnt unterdessen öffentlich, Bayern habe den damaligen Dortmunder Senkrechtstarter mit falschen Versprechungen nach München gelockt. Das ist nicht mehr zu klären und kann sich sicher nicht auf die Vorspiegelung falscher Zahlen beziehen. Das Honorar wird im Vertragswerk enthalten gewesen sein. Eine Aufstellungs-Garantie wohl nicht und eine ausdrückliche fußballerische Liebeserklärung von Trainer Guardiola auch nicht. Inzwischen haben sich alle Parteien, Dortmund, Bayern und Götze, zumindest darauf geeinigt, dass die drei Jahre München ein allgemeines Missverständnis waren.

Hummels geht den anderen Weg

Götze ist nicht der einzige Spieler, der den Seitenwechsel vollzogen hat. Mats Hummels ging den anderen Weg. Nach achteinhalb Jahren beim BVB kehrte er zurück zu dem Verein, bei dem er in der Jugend spielte und der ihn in der Erwachsenenwelt nicht mehr gut genug fand. Auch das war ein grobes Missverständnis. Der FC Bayern korrigierte es mit einer fürstlichen Ablösesumme. Er überwies 38 Millionen Euro für einen der besten Innenverteidiger Europas. Gut angelegtes Geld, wie die meisten Experten finden – auch wenn der Vertrag des 27-Jährigen in Dortmund nur noch bis 2017 Geltung hatte. Die Bayern haben mit der Verpflichtung von Hummels die einzige Schwachstelle in ihrer Mannschaft beseitigt. Wenn Jerome Boateng seine Verletzung aus dem EM-Halbfinale gegen Frankreich auskuriert hat, werden die Bayern mit der Innenverteidigung antreten, die 2014 die Weltmeisterschaft gewann. Übermorgen in Dortmund wird Javi Martínez an der Seite von Hummels verteidigen – auch kein unbedingt schwaches Paar.

Schonung für die Großen wird es auf keiner der beiden Seiten geben. Schließlich geht es zwar nicht um den wichtigsten Titel der Saison, aber doch um einen Titel. Und namentlich die Bayern wird es doch in ihrem Selbstverständnis treffen, dass sie die zurückliegenden drei Spiele um den Supercup verloren. Deshalb sagt der neue Trainer Carlo Ancelotti: "Es ist der erste Wettbewerb der Saison, ein wichtiges Spiel." Sein Kollege Thomas Tuchel hat nicht nur Hummels, sondern auch Henrikh Mkhitaryan und Ilkay Gündogan abgeben müssen. Er stapelt daher tief. "Es gab schon bessere Ausgangslagen", erklärt er. Immerhin aber ist es ein Heimspiel.

Quelle: RP
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