1. Bundesliga 16/17
| 15.19 Uhr

Spitzenspiel Dortmund gegen Bayern
Klopp baut den neuen BVB

Porträt: Jürgen Klopp: Kult-Trainer und Meister-Macher
Porträt: Jürgen Klopp: Kult-Trainer und Meister-Macher FOTO: dpa, gh
Dortmund. Um die Saison zu retten, käme ein Sieg gegen den FC Bayern München gerade recht. "Wir sind nicht chancenlos", sagt Jürgen Klopp, Trainer von Borussia Dortmund. Von Robert Peters

Heute kann sich das wahrscheinlich niemand mehr vorstellen. Aber es gab mal eine Zeit, da diskutierte kein Fußball-Stammtisch über Pressing und Gegenpressing, falsche Neuner, Neuneinhalber, abkippende Sechser und Achter. Da hielt es die Mehrheit mit Adi Preißler, der mit diesem Spruch Unsterblichkeit erlangte: "Grau is' alle Theorie, entscheidend is' auf'm Platz." Borussia Dortmunds Trainer Jürgen Klopp scheint in diesen Tagen zum großen Fan des BVB-Kapitäns der 1950er Jahre zu werden. Er erklärt vor dem Spiel gegen Bayern München (heute, 18.30 Uhr): "Wir sollten nicht viel quatschen, sondern versuchen, ein gutes Spiel zu machen."

Dabei ist Klopp ein äußerst begabter Quatscher. Das hat er dem TV-Publikum als einst wichtigster Fernsehtrainer der Republik zwischen 2005 und 2008 bewiesen. Er war maßgeblich dafür verantwortlich, dass der Stammtisch etwas über Sechser und Pressing lernte. Und die Menschheit konnte sich nun vorstellen, wie ein derart talentierter Lehrer seinen Schülern das ganz große Fußball-Einmaleins beibringt. In Mainz hat er das eindrucksvoll hinbekommen, und auch seine Dortmunder Zeit wurde zu einer Erfolgsgeschichte.

Bis zu dieser Saison. Da gab es die ersten großen Rückschläge, das Modell Klopp-BVB funktioniert nicht mehr wie in den ersten seiner nun schon sieben Dortmunder Jahre. Das liegt am spielenden Personal, an auffälligen Fehlern auf dem Transfermarkt und vielleicht auch an Abnutzungserscheinungen im Innenverhältnis zwischen Trainer und Mannschaft.

Bilder: Denkwürdige Duelle zwischen Bayern und Dortmund FOTO: Screenshot Youtube

Männerfreundschaft hält auch in schlechten Zeiten

Andernorts ist das ein Signal, über die Befähigung von Trainern nachzudenken oder zumindest über deren weitere Haltbarkeit im Verein. Nicht so in Dortmund. Dort hält die innige Männerfreundschaft zwischen den Kumpels Kloppo, Aki (Watzke) und Susi (Zorc) auch in schlechteren Zeiten. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat Klopp längst eine Jobgarantie ausgestellt, zusammen mit Sportdirektor Michael Zorc soll er im Sommer einen neuen BVB basteln, ein Team, das den Ereignisfußball spielt, mit dem Dortmund noch 2013 ganz Europa begeisterte.

Das wird wohl dazu führen, dass sich der BVB, der ein paar Jahre lang der natürliche Konkurrent der Bayern zu sein schien, wieder ein bisschen weiter hinten anstellen muss. Der nächste Herausforderer für den Branchenführer aus München wächst gerade in Wolfsburg heran, das durch die unerbittliche Unterstützung von VW den Dortmundern davonziehen könnte. Zumal weil Wolfsburg die Teilnahme an der Champions League fast sicher buchen kann, während der BVB nur bei ziemlich positivem Verlauf der Saisonendphase allenfalls in der Europa League spielen wird. Dort wird entschieden weniger verdient. Und deswegen werden die Dortmunder bei ihren Ausgaben sparen müssen.

BVB - Bayern: Die letzten Duelle FOTO: afp, CHRISTOF STACHE

Das geht am besten beim Personal. Seit 2011 hat der BVB rund 150 Millionen Euro auf dem Transfermarkt investiert, eingenommen wurden 54 Millionen Euro weniger. Die Personalkosten stiegen von 61 auf 107 Millionen Euro. Fast vergessen sind die Zeiten, in denen Schnäppchen wie Shinji Kagawa gelangen, der für 350 000 Euro kam und so gut wurde, dass ihn Manchester United holte.

Viel Geld für wenig Leistung

Im Zweikampf mit den Bayern um die Spitze in Deutschland verloren die Dortmunder nicht nur Mario Götze und Robert Lewandowski an den Konkurrenten, sie warfen auch viel Geld für Spieler heraus, die ihnen ganz offensichtlich nicht weiterhelfen können. Henrikh Mkhitaryan (26 Millionen Euro Ablöse) und Ciro Immobile (18,5 Millionen) haben nicht mal annähernd mit fußballerischen Leistungen zurückgezahlt.

Deshalb hören die Dortmunder nicht ungern vom Interesse europäischer Klubs. Es wird sich niemand wundern, wenn Mkhitaryan im Sommer bei Paris St. Germain spielt und Immobile beim SSC Neapel landet. Möglicherweise verlässt jedoch auch die nächste Galionsfigur den BVB. Kapitän Mats Hummels hat laut darüber nachgedacht, dass ein Wechsel ins Ausland eine sehr reizvolle Geschichte wäre. Dem "Kicker" hat er dazu diese schönen Sätze gesagt: "Stand der Dinge ist, dass ich mir natürlich immer Gedanken mache, was gut für mich ist. Jeder weiß, wie sehr es mir in Dortmund gefällt, aber dass ich auch möchte, dass wir eine schlagkräftige Truppe und eine schlagkräftige Herangehensweise haben." Es ist zumindest vorstellbar, dass Weltmeister Hummels eine zu heftige Rückbesinnung auf Talentausbildung für nicht so schlagkräftig hält. Vereinschef Watzke versichert daher eilig: "Es wird keinen Radikalumbruch geben." Er spricht von einer "Neujustierung".

Ein Erfolg über die Bayern würde dabei helfen, denn der würde den Traum von der Europa League erhalten. Vom Wettlauf mit den Münchnern haben sich die Dortmunder allerdings verabschiedet. "Natürlich sind wir nicht auf Augenhöhe", sagt Klopp, "aber wir sind nicht chancenlos." So ähnlich hätte das Adi Preißler auch gesehen. Entscheidend is' schließlich immer noch auf'm Platz.

Quelle: RP
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