1. Bundesliga 17/18
| 11.14 Uhr

Fan-Reaktionen im Stadion
Schockstarre nach dem Anschlag

Fotos: So war die Situation im Stadion
Fotos: So war die Situation im Stadion FOTO: dpa, vge
Dortmund. Vor dem Champions-League-Spiel zwischen Borussia Dortmund und AS Monaco ist ein Anschlag auf den Mannschaftsbus des BVB verübt worden. Das Spiel wurde abgesagt. Unter den Fans im Stadion sorgte die Nachricht für Unruhe – und Solidarität. Von Robert Peters, Dortmund

Es beginnt wie jeder Europapokal-Abend. Staus bei der Anreise, leises Kribbeln liegt über der Arena, es herrscht Vorfreude. Doch eine Stunde vor dem Anpfiff des Viertelfinal-Hinspiels in der Champions League zwischen Borussia Dortmund und AS Monaco brodelt es bereits in den sozialen Netzwerken. Der BVB verbreitet über Twitter die Nachricht: "Es hat einen Vorfall am Mannschaftsbus gegeben, eine Person wurde verletzt. Weitere Informationen folgen."

Die Nachricht sorgt für Unruhe. Es spricht sich schnell herum, dass es offenbar einen Anschlag auf den Bus der Dortmunder gegeben hat. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke bestätigt, "dass unmittelbar bei der Abfahrt des Busses vom Mannschaftshotel an der Wittbräucker Straße drei Sprengkörper ausgelöst wurden".

Explosionen am BVB-Mannschaftsbus

Dabei sind Scheiben am Bus geborsten, Dortmunds spanischer Verteidiger Marc Bartra wird am Arm verletzt und ins Krankenhaus gefahren. Sein Ex-Klub FC Barcelona, der selbst an diesem Abend in Turin im Einsatz ist, twittert auf Deutsch: "Unsere ganze Unterstützung für @MarcBartra, @BVB und alle seine Fans."

Was die meisten im Stadion, die sich über die Netzwerke informieren, lange nicht wissen: Das Team ist im Hotel geblieben, und es steht fest, dass die Begegnung abgesagt wird. Eine knappe halbe Stunde vor dem geplanten Anstoßtermin wird bekannt, dass die Partie einen Tag später um 18.45 Uhr ausgetragen wird.

Fans von Monaco zeigen Größe

Die Reaktionen im Stadion sind, abgesehen von ein paar Pfiffen, verständnisvoll. Der ehemalige Dortmunder Trainer Ottmar Hitzfeld sagt im Studio des Senders Sky: "Kein Spieler ist in der Lage, sich auf ein Champions-League-Spiel zu konzentrieren, wenn er kurz vorher erleben muss, wie Sprengsätze neben ihm hochgehen." Die Fans des AS Monaco zeigen Größe, sie rufen nach der Absage minutenlang "Dortmund, Dortmund".

Pressestimmen zum Anschlag auf BVB-Bus FOTO: rtr, gb/KV

Der Dortmunder Präsident Reinhard Rauball bedankt sich ausdrücklich in der Kabine der Gäste. Geschäftsführer Watzke lobt die "sehr gute Zusammenarbeit zwischen Polizei, Uefa-Verantwortlichen und unseren Gästen aus Monaco".

Eine halbe Stunde, bevor das Spiel eigentlich angepfiffen werden soll, schickt Stadionsprecher Norbert Dickel die Fans auf den Heimweg. Die Ränge leeren sich ziemlich geräuschlos. Watzke schaut den Fans nachdenklich hinterher. "Ich hoffe, dass es uns gelingt, die Mannschaft morgen einigermaßen wettbewerbsfähig auf den Platz zu stellen", sagt er.

Watzke und Rauball haben Kontakt zum Team. Watzkes Einschätzung: "Die Mannschaft steckt in einer Schockstarre." In den sozialen Medien gehen gute Wünsche von Kollegen ein, Jerome Boateng von Bayern München ist dabei, ehemalige Mitspieler von Bartra. Ob sie das Team erreichen?

Zumindest spricht sich herum, dass offenbar im Bereich des Stadions zu keiner Zeit Gefahr bestanden hat. Norbert Dickel versichert über das Stadionmikrofon: "Es war ein gravierender Zwischenfall am Bus, aber im Stadion besteht überhaupt kein Anlass zur Panik." So richtig beruhigt geht freilich niemand nach Hause.

Auf dem Heimweg diskutieren die Menschen über die Anfälligkeit von Großveranstaltungen. Viele finden es bemerkenswert, dass selbst die gewöhnlich sehr gut geschützten Hauptdarsteller in diesem Geschäft verletzbar sind. Es ist eine neue Dimension, auch wenn zunächst niemand über die Kraft der Sprengsätze informiert. Die Polizei bittet bei Twitter darum, keine Halbwahrheiten oder Gerüchte zu verbreiten. Sie kann es aber nicht verhindern.

Die Durchsage im Dortmunder Stadion

Erneut geht ein Stück Unbeschwertheit verloren

Unter Zuschauern und Journalisten sind einige, die bei den Anschlägen von Paris in der Arena waren oder die das wegen Terrorverdachts abgesagte Länderspiel in Hannover erlebt haben. Auch wenn vorerst nichts dafür spricht, dass Dortmund in derartige Kategorien einsortiert werden muss, geht erneut ein Stück Unbeschwertheit verloren. An die Fortsetzung des Unterhaltungsgeschäfts Fußball unter noch massiveren Sicherheitsvorkehrungen, an Sport im Hochsicherheitstrakt mag lieber niemand denken. Vielleicht kommt der Fußball aber nicht daran vorbei.

Auch das bewegt die Menschen beim Weg aus dem Stadion: Dort trainieren die Profis des AS Monaco wenig später, weil, so die Begründung, die Spieler sich bewegen sollen. 

Bei einer Pressekonferenz am Abend gibt die Polizei bekannt, sie gehe von einem gezielten Anschlag auf den BVB-Bus aus. Auch der Dortmunder Pressesprecher Sascha Fligge ist bei der PK anwesend. Sichtlich angeschlagen berichtet er vor einem Gespräch mit Mannschaftskapitän Marcel Schmelzer. Das Spiel am nächsten Tag sei dabei überhaupt kein Thema gewesen. "Die BVB-Familie muss eng zusammenstehen. Auch für Marc", sagt Fligge. Erst jetzt wird bekannt, dass Spieler Marc Bartra schwerer verletzt wurde, als zunächst angenommen. Wegen einer gebrochenen Speiche im rechten Arm wird er noch in der Nacht operiert.

AS Monaco trainiert im leeren BVB-Stadion FOTO: afp
Quelle: RP
 
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