1. Bundesliga 16/17
| 21.37 Uhr

Watzke von Pfiffen enttäuscht
Fall Hummels spaltet BVB-Fans

Fotos: Pfiffe und Plakate gegen Hummels
Fotos: Pfiffe und Plakate gegen Hummels FOTO: dpa, bt hpl
Dortmund. Kopfschüttelnd und mit dem Zeigefinger Richtung Haupttribüne gestikulierend, verließ Mats Hummels das Spielfeld. Kurz zuvor war er beim Warmschießen vor der Südtribüne im ausverkauften Westfalenstadion an der Reihe. Begleitet wurde sein Versuch von einem gellenden Pfeifkonzert enttäuschter Dortmunder Anhänger. Viele verzeihen ihrem Spielführer nicht, dass er einen Wechsel zum FC Bayern München, dem Klassenfeind in der Fußball-Bundesliga, forciert. Von Patrick Scherer

Das nahm Hummels sichtlich mit. Beim 5:1 gegen den VfL Wolfsburg am drittletzten Spieltag gab es für den 27-Jährigen aber auch Beifall. "Mats ist ein astreiner Bursche, ein ganz großartiger Junge. Wer den beleidigt, hat eigentlich das Recht verspielt, zu uns zu gehören, weil das ist nicht Borussia Dortmund", fand BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke deutliche Worte für persönliche Anfeindungen unter der Gürtellinie. Hummels erklärte nach dem Spiel: "Ich glaube, ich bin der erste Spieler, der ausgepfiffen wird, obwohl er noch nicht mal gewechselt ist." Auch zum Stand der Verhandlungen äußerte sich Hummels: "Wir müssen das jetzt nicht schon wieder anheizen. Es ist der Wunsch, dass es zeitnah eine Entscheidung gibt. Bisher gibt es aber wirklich nichts, das man verkünden könnte. Es gibt nur eine eventuelle Möglichkeit des Wechsels, mehr nicht."

Mit der gewohnten Inbrunst intonierte das Stadion am Samstagnachmittag vor der Begegnung "You'll never walk alone". Die Hymne ist Sinnbild für die ewige Verbundenheit eines jeden Fans zum Verein. In einer für Romantiker idealen Fußballwelt sollte diese Treue auch für die Spieler seines Herzensvereins gelten.

Twitter-Reaktionen : Legendenstatus einfach mal über Bord geworfen

Mats Hummels ist für sie somit ein Betrüger. Deshalb pfiffen viele Anhänger. Beim Warmschießen, beim Verlesen der Mannschaftsaufstellung, als die Nummer 15 an der Reihe war, und bei jedem Ballkontakt. Die Dortmunder Ultras legten ihre Meinung per Spruchband dar: "Der Kapitän geht als Erster von Bord – am besten sofort!" Für Marcel Schmelzer, der am Montag seinen Vertrag in Dortmund bis 2021 verlängert hatte, gab es hingegen lautstarke Sprechchöre.

Stadion teilte sich in Pfeifer und Klatscher

Die Pfiffe bei jedem Ballkontakt von Hummels variierten in Lautstärke und Intensität. Auch, weil sich im Laufe der ersten Halbzeit eine Gegenbewegung zur Anti-Hummels-Fraktion bildete. Fortan teilte sich das Stadion bei Ballkontakten Hummels' in Pfeifer und Klatscher. Es war merkwürdig. Aber wohl passend zum ambivalenten Verhältnis, das Hummels nach eigener Aussage bezüglich des Wechsels in sich trägt. Hummels bedankte sich beim Gang in die Kabine zur Halbzeit bei seinen Fürsprechern und spendete Applaus Richtung Haupttribüne zurück. Im zweiten Durchgang nahmen die Pfiffe stark ab.

Wechsel zwischen Dortmund und München FOTO: dpa, geb kno

Die Fans auf der Südtribüne besannen sich zunächst auf die Realität im kommerzialisierten Fußball und intonierten: "Spieler kommen und gehen, Borussia bleibt bestehen". Nach Abpfiff wurde das Klima aber wieder rauer. Bei den Feierlichkeiten vor der Gelben Wand musste sich Hummels von einem kleinen Teil der Fans üble Beschimpfungen gefallen lassen. "Es gibt einen Unterschied zwischen Pfiffen und Schmähgesängen, die auch vom Inhalt so nicht in Ordnung sind", sagte Trainer Thomas Tuchel. Hummels selbst sagte: "Das waren keine 80.000, nicht mal 8000, sondern deutlich weniger. Es ist natürlich alles sehr emotional. Das ist es auch für mich, aber das muss man auf dem Platz ausblenden. Das habe ich auch getan."

Rummenigge schlichtet im Fall Hummels

Für Ärger und Verstimmung sorgte zudem eine Äußerung von Uli Hoeneß aus München am Freitag: "Ich meine: Wenn einer an die Tür klopft, dann wird der FC Bayern schlecht beraten sein, die Tür nicht aufzumachen", hatte Hoeneß im Bezug auf den anstehenden Hummels-Wechsel gesagt. Sowohl BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke als auch Hummels selbst distanzierten sich von dieser Aussage. "Mal ganz im Ernst: Ich habe mich nirgends angeboten. Das ist der größte Humbug, den ich je gehört habe. Das muss ich ganz klar sagen. Das habe ich nicht nötig", sagte Hummels.

"Wir lassen uns nicht von Leuten außerhalb dieses Vereins auseinanderdividieren. Eigentlich wollte ich das nicht kommentieren, er hat ja keine Funktion, er ist ja mehr oder weniger jetzt gerade Edelfan des FC Bayern. Deswegen will ich auch nichts weiter dazu sagen. Mein Ansprechpartner ist in dem Punkt Kalle Rummenigge und der hat sich bis jetzt absolut korrekt verhalten und geäußert." 

Initiative ging vom Verein aus

Nach dem 1:1 der Münchener gegen Borussia Mönchengladbach bemühte sich der Bayern-Chef Aussagen von Uli Hoeneß zu Hummels Wechselabsichten klarzustellen. "Uli hat vielleicht was falsch verstanden", sagte Rummenigge und nahm dabei Bezug auf die umstrittenen Aussagen von Ex-Präsident Hoeneß: "Angeklopft hat Bayern München, nicht Mats Hummels. Mats ist nicht offensiv auf uns zugegangen, wir haben gefragt, ob er sich einen Wechsel vorstellen könnte.

Rummenigge geht davon aus, dass sich beide Vereine noch vor dem Aufeinandertreffen im DFB-Pokalfinale über einen Wechsel von Hummels verständigen werden. "Ich glaube nicht, dass man so lange warten wird. Beide Klubs haben kein Interesse, dass die Geschichte gezogen wird. Beide wollen da vorher Klarheit schaffen", sagte Rummenigge.

Dortmund eine Nummer zu groß für Wolfsburg

Ach ja, Fußball wurde auch noch gespielt: Auch ohne Ilkay Gündogan, Pierre-Emerick Aubameyang, Nuri Sahin und Sokratis, die Trainer Thomas Tuchel auf der Bank platzierte, war Dortmund eine Nummer zu groß für Wolfsburg. Shinji Kagawa wirbelte die Abwehr der Niedersachsen in den ersten Minuten mächtig durcheinander. Der Japaner erzielte die Führung (7.) und bereitete das 2:0 durch Adrian Ramos (9.) vor. Mit dem 2:0 im Rücken ließ es der BVB zunächst etwas ruhiger angehen, blieb stets gefährlich, hatte bei einem Lattenschuss von Daniel Caligiuri (19.) aber Glück. Nach der Pause sorgten Marco Reus (59.) und der eingewechselte Aubameyang (77./79.) für die Entscheidung. Die Gäste fielen völlig auseinander. Am Ende hätte der Sieg noch höher ausfallen müssen. Gonzalo Castro, Henrikh Mchitarjan und Aubameyang vergaben beste Chancen. André Schürrle (86.) verkürzte noch kurz vor Abpfiff.

Wolfsburg verspielte mit der Niederlage die letzte Chance auf die Teilnahme an der Europa League in der kommenden Spielzeit. Dortmund präsentierte sich in guter Frühform für das Pokalfinale am 21. Mai gegen Bayern München – Hummels' designierten, neuem Arbeitgeber.

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