1. Bundesliga 16/17
| 08.11 Uhr

Hans-Joachim Watzke
"Wir haben das Titel-Gen"

Hans-Joachim Watzke: "Borussia Dortmund hat das Titel-Gen"
FOTO: Bernd Schaller
Düsseldorf. Hans-Joachim Watzke gefällt es bei der Rheinischen Post. Begeistert ist Borussia Dortmunds Geschäftsführer vor allem von der Farbgestaltung im Newsroom – Schwarz-Gelb ist die vorherrschende Kombination. Im Gespräch blickt er mit gesundem Selbstbewusstsein in die Saison eins nach Jürgen Klopp.

Haben Sie Kontakt zu Uli Hoeneß?

Hans-Joachim Watzke Natürlich, aber über unsere Gespräche habe ich noch nie etwas gesagt und mach das auch hier sicher nicht. Grundsätzlich habe ich mich mit ihm immer gut in der Sache streiten können. Das war für viele womöglich sehr unterhaltsam. Aber wir sind uns immer mit Respekt und offenem Visier begegnet.

Was fehlt Borussia Dortmund im Vergleich zu den Bayern?

Watzke Dortmund ist keine Metropole. In Bayern gibt es doch nur den FC Bayern. Das ist so, als ob es Nordrhein und Westfalen gäbe und Dortmund die Hauptstadt von Westfalen wäre. So ist es aber nicht. Außerdem haben wir in Nordrhein-Westfalen noch eine Reihe anderer ernstzunehmender Klubs, Mönchengladbach, Schalke, Leverkusen, Köln. Um nur einige zu nennen. Und zu guter Letzt ist Bayern ein reiches Bundesland - anders als NRW.

Das ist Hans-Joachim Watzke FOTO: dpa

Trainer Jürgen Klopp hat den Klub nach sieben Jahren verlassen. Lässt man im Laufe der Zeit einfach nach?

Watzke Im Laufe von sieben Jahren gibt es selbstverständlich Wiederholungen, das geht gar nicht anders. Sieben Jahre sind eine unheimlich lange Zeit. Wäre es anders, würden ja viel mehr Trainer sieben Jahre bei einem Klub bleiben. Thomas Tuchel hat nun natürlich neue Trainingsformen eingeführt, das ergibt bei den Spielern automatisch so ein Hallo-Wach-Erlebnis. Jürgen Klopp wiederum hat eine Ära geprägt wie kaum ein Trainer vor ihm.

Was macht Tuchel denn anders?

Watzke Gar nicht so viel. Er ist dabei, unser Spiel weiterzuentwickeln. Das wäre auch bei Jürgen Klopp so gewesen. Wir haben ja gesehen, dass wir mehr Ballbesitz haben, weil die Gegner gegen uns tiefer stehen.

Tuchel ändert nicht nur die Spielweise, sondern auch die Ernährung.

Fotos: Watzke umarmt Klopp bei der Pressekonferenz FOTO: dpa, frg nic

Watzke Da wird medial vieles übertrieben. Viele tun ja so, als hätten wir uns früher nur von McDonald's ernährt. Bei uns gibt es weiterhin Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst, Nudeln, Kartoffeln, Nachtisch.

Vielleicht wirkt bei Tuchel alles ein wenig freudloser.

Watzke Freudlos war's bei uns beim letzten Weihnachtsfest. Da waren wir Tabellenvorletzter, viel freudloser geht es ja nicht.

Dennoch ist Tuchel wohl nicht der Typ, dem die Fans "echte Liebe" wie in Ihrem Klubslogan entgegenbringen.

Watzke Das führt auch in die Irre. Der BVB hatte in seiner Geschichte zwei Trainer, die alles überstrahlen, Ottmar Hitzfeld und Jürgen Klopp. Beide sind ganz unterschiedliche Typen, aber beide werden für ihre Arbeit verehrt. Das ist im Ruhrgebiet so, die Arbeit zählt. Dass Klopp ein begnadeter Entertainer ist, spielt am Ende des Tages nicht die wesentliche Rolle. Carlo Ancelotti hat dreimal die Champions League gewonnen, aber ein Entertainer ist er nicht.

Übersicht: Die Kapitäne der Bundesliga-Klubs FOTO: dpa, fve

Der Abschied von Klopp ist Ihnen menschlich sehr nah gegangen.

Watzke Das stimmt, aber es hatte keinen Einfluss auf die fachliche Entscheidung. Wir waren uns gemeinsam mit Jürgen einig, dass es der richtige Zeitpunkt ist.

Für einen Wechsel zum mehr wissenschaftlichen Trainer?

Watzke Das war Klopp doch auch. Er ist Sportwissenschaftler. Glauben Sie doch nicht, dass er in der Kabine nur rumgetanzt wäre. Das nimmt ein Spieler beim zweiten Mal doch nicht mehr ernst.

Klopp macht Pause. Könnten Sie sich Klopp bei Bayern vorstellen?

Watzke Jürgen ist für jeden Topverein ein Kandidat. Klopp und Bayern, das würde zu 100 Prozent gut gehen. Bei Bayern kannst du ja auch nicht so viel falsch machen. Meister werden die sowieso. Unsere Freundschaft würde darunter überhaupt nicht leiden.

Und wo steht der BVB?

WAtzke Idealerweise direkt dahinter. Wir wollen da sein, wenn die Bayern mal schwächeln. Aber wir haben andere Voraussetzungen als sie. Die Bayern können mehr als doppelt so viel für Gehälter ausgeben, fast 100 Millionen Euro mehr, das sind zehn Ribéry. Und das haben sie sich hart erarbeitet, über jahrzehntelange gute Arbeit.

Dann wäre Wolfsburg der logische Verfolger.

Watzke Wolfsburg hat Geld ohne Ende. Wenn es stimmt, dass Manchester City 80 Millionen Euro für De Bruyne bietet, dann muss man sich erst mal trauen, das abzulehnen. Wolfsburg hat nicht nur Geld, sondern in Manager Allofs und Trainer Hecking auch richtig gute Leute.

Was spricht da für Dortmund?

WAtzke Borussia Dortmund hat das Titel-Gen. Wir haben in fast jedem Jahrzehnt Titel gewonnen. Und wir haben in der Mannschaft und im Verein immer Leute, die sich an den letzten zurückliegenden Titel noch gut erinnern können. Das gibt Selbstbewusstsein, da zu sein, wenn es passt. Andere haben das nicht.

Andere haben auch nicht den Rückhalt an Fans.

watzke Da sind wir auch im Ausland die Nummer zwei hinter den Bayern. Allein in Deutschland sind es zehn Millionen. Das kann ganz schön pushen. Wenn der Verein ins Rollen kommt, entwickelt er eine unfassbare Stärke.

Das ist also ein Selbstläufer?

Watzke Nein, das muss man intensiv pflegen, das ist keine Selbstverständlichkeit. Nehmen Sie mal Inter Mailand. 2010 hat der Klub noch die Champions League gewonnen - und wo steht er jetzt? Am Ende des Tages musst du dauerhaft Erfolge haben. Da reicht die Vergangenheit nicht und auch nicht die regionale Bindung der Fans.

Vor allem junge Fans schauen sehr auf einzelne Spieler. Überall laufen Kinder im Trikot von Ronaldo und Ibrahimovic herum.

Watzke Es ist ganz wichtig, dass du Gesichter hast. Deshalb sind für uns Hummels, Reus und Aubameyang so wichtig. Gerade in der Auslandsvermarktung. Wenn Sie erlebt hätten, was für ein Hype um Marco Reus bei unserer Asienreise herrschte, das war unfassbar.

Bei Ihren Fans kommen Spieler wie Weidenfeller und Großkreutz an. Vielleicht spielen die aber keine große Rolle mehr.

Watzke Über die Aufstellungen entscheidet ausschließlich der Trainer. Aber ich bin dagegen, das Leistungsprinzip aufgrund vergangener Verdienste außer Kraft zu setzen. Anerkennung für Verdienste muss es trotzdem immer geben. Und die gibt es bei uns definitiv.

Haben Sie mal über eine Zukunft außerhalb des Fußballs nachgedacht?

Watzke Der BVB wird immer mein Leben sein. Zunächst mal habe ich einen Vertrag bis 2019, dann bin ich 60 und möchte mein eigenes Unternehmen noch in die Zukunft führen. Aber solange ich transportfähig bin, gehe ich ins Stadion.

DAS GESPRÄCH FÜHRTEN MARTIN BEILS, MICHAEL BRÖCKER UND ROBERT PETERS

Quelle: RP
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