1. Bundesliga 16/17
| 11.25 Uhr

BVB-Kapitän kritisierte Götze-Wechsel
Fans haben Hummels' Aussagen nicht vergessen

Twitter-Reaktionen : Legendenstatus einfach mal über Bord geworfen
Twitter-Reaktionen : Legendenstatus einfach mal über Bord geworfen
Düsseldorf. Als Mario Götze 2013 von Borussia Dortmund zum FC Bayern München wechselte, gab es viel Kritik. Auch sein damaliger Teamkollege Mats Hummels fand deutliche Worte, die ihm jetzt um die Ohren fliegen.  Von Phillip Oldenburg

Hummels hat lange Zeit ein Geheimnis um seine Zukunft gemacht – auch weil er die Reaktionen wohl kommen sah. "Es ist eine sehr schwierige Entscheidung. Wenn ich sie irgendwann getroffen habe, dann werden alle verstehen, warum es so schwierig für mich ist", sagte der BVB-Kapitän vor wenigen Wochen über die Entscheidungsfindung über seine Zukunft.

Offiziell: Mats Hummels will zum FC Bayern

Diese ist nun abgeschlossen. Am Donnerstag verkündete der BVB es offiziell: Mats Hummels will zum FC Bayern München wechseln. Der Kapitän der Borussia liebäugelt ganz offen mit einem Abschied aus dem Ruhrpott. Hummels wäre nach Götze (2013) und Robert Lewandowski (2014) der dritte Star des BVB, der in den letzten drei Jahren an die Isar wechselt.

Vor allem beim Wechsel von Götze gab es viel Kritik – auch Hummels äußerte sein Unverständnis über die Entscheidung von Götze. "Ich glaube einfach, dass es sportlich wenig bis keine Gründe gibt oder gab, uns zu verlassen", sagte Hummels damals. 

Hummels ärgerte sich über Götze-Wechsel

Hummels argumentierte seinerzeit mit dem Entwicklungspotenzial der Mannschaft, die von Trainer Jürgen Klopp binnen weniger Jahre zu einem Topteam geformt worden war. "Man konnte sehen, wie sich unser Team entwickelt hat, und Mario hat sich mit vielen super verstanden. Deshalb hat es mich auch so geärgert, dass er der Meinung war, so früh weggehen zu müssen", sagte Hummels.

Götzes Transfer wurde einen Tag vor dem Halbfinal-Hinspiel der Champions League gegen Real Madrid publik. In der Liga allerdings hatte Dortmund satte 25 Punkte Rückstand auf die Bayern, gewann davor aber auch zweimal in Folge die Meisterschaft und einmal den Pokal. Seit Götzes Wechsel sind die Münchener drei Mal in Folge Meister geworden, stehen unmittelbar vor dem vierten Titel in Folge und könnten das Triple von 2013 wiederholen. 

"Ich muss nicht unbedingt in der besten Mannschaft der Welt spielen, nur um eine relative Garantie auf Titel zu haben", so Hummels damalige Meinung, die den Nerv der BVB-Fans traf, "ich würde einen Champions-League-Titel mit dem BVB sechs mit einem anderen Verein vorziehen." 

Bitte um Freigabe schockiert und enttäuscht BVB-Fans

Aussagen, die die BVB-Fans nicht vergessen haben. Die Fanseele ist verletzt und der Zorn auf Hummels scheint genauso groß zu sein wie damals, als Götze dem Lockruf der Bayern erlegen war. "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?", fragt Twitter-User ‎@El_Schock. Armin Weiß hätte Hummels gar den Legenden-Status zuerkannt – wenn er denn bleiben würde. "Legenden-Status einfach mal über  Bord geworfen. Schade eigentlich. Trotzdem Danke für alles". 

"Für jeden Fußballromantiker ist das ein Stich in den geliebten Lederball", schreibt User ‎@gabrielmaton. Viele Fans ärgert aber nicht der Wechsel an sich, sondern nur das mögliche Ziel des Weltmeisters. Hummels war jahrelang das Gesicht des BVB. Ein Wechsel zum Rivalen aus München wird ihm daher schwer angelastet. "Allein der zukünftige Verein ärgert mich – hätte ihn lieber im Ausland gesehen", schreibt Userin @Monella09. Sie steht damit nicht alleine da: "Wenn der Kapitän und Kopf der Mannschaft zur Konkurrenz wechseln möchte. Menschlich einfach enttäuschend", so Twitter-User @Ballspiel09.

Doch er ist eben auch in München aufgewachsen, in der Jugend des FC Bayern ausgebildet und später weggeschickt und verkauft worden. Ottmar Hitzfeld und danach Jürgen Klinsmann setzten auf andere Spieler. Ein Stachel der tief saß. "Bayern ist mir wurscht. Die Bindung zum Klub habe ich total verloren", hatte der Abwehrspieler gegenüber der "Bild" geäußert. Doch anscheinend hat Hummels seine Meinung geändert. Dass ihn die Bayern jetzt haben und damit ihren damaligen Fehler korrigieren wollen, dürfte ihm daher eine Genugtuung sein. 

Freigabe für wechselwilligen Hummels keineswegs sicher 

Mit der öffentlichen Bestätigung des Freigabe-Wunsches des Weltmeisters für einen Transfer zum FC Bayern ist natürlich noch nicht gesagt, dass der Transfer am Ende der Saison auch stattfindet.  Es sei "überhaupt nicht gesagt, dass Mats nicht im nächsten Jahr weiterhin in unserem Trikot spielt", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke der "Süddeutschen Zeitung". 

Der Vertrag von Hummels beim Bundesligisten läuft noch bis 2017. Dortmund hatte die Erlaubnis für den Wechsel nach München an eine hohe Ablöse geknüpft. Spekuliert wird, dass der BVB bis zu 40 Millionen Euro verlangen könnte. Sollte sich die Borussia wider Erwarten nicht mit den Bayern auf einen Deal einigen, könnte der BVB wie 2013 schon Topstürmer Robert Lewandowski den vorzeitigen Wechsel zum Rekordmeister verweigern. Lewandowski war dann erst ein Jahr später nach Ablauf seines Vertrags ablösefrei nach München gekommen.

Watzke betonte indes: "Mats hat sich absolut sauber und korrekt in der ganzen Angelegenheit verhalten."

(old)
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