1. Bundesliga 16/17
| 07.47 Uhr

Wechselt Hummels zum FC Bayern?
Denkmal oder nur einer von vielen

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Düsseldorf. Die Zeichen verdichten sich, dass Mats Hummels vor dem Abschied in Dortmund steht und einen Wechsel zu Bayern München favorisiert. Für den BVB wäre es erneut eine Demütigung. Von Gianni Costa und Patrick Scherer

Es gibt ganz wenige Fußballprofis, die Sekunden nach Spielende eine fundierte Analyse der 90 Minuten abliefern. Mats Hummels gehört dazu. Sachlich, distanziert, mit stoischer Mimik, fast wie ein Roboter. Umso überraschender war sein emotionaler Ausbruch in der vergangenen Woche. Nach dem erfolgreichen Pokalspiel gegen Hertha BSC berichtete Hummels von Schlaflosigkeit. Eine schwierige Entscheidung beschäftige ihn. Was den 27-Jährigen sichtlich bewegt, ist seine sportliche Zukunft. 2017 läuft sein Vertrag bei Borussia Dortmund aus. Laut "Bild" liegt ihm ein Vierjahresvertrag vor. Nicht von Dortmund, Manchester City oder dem FC Barcelona. Klubs, die zuletzt immer wieder mit ihm in Verbindung gebracht wurden. Der FC Bayern ist offenbar ins Wettbieten um den Innenverteidiger eingestiegen. 30 Millionen Euro soll die Ablösesumme betragen. Hummels weiß, was ausgerechnet ein Wechsel zum Rivalen aus München bedeuten würde. Für ihn, vor allem aber auch für Borussia Dortmund.

Hummels und Vater Hermann, sein Spielerberater, wurden in der jüngeren Vergangenheit nicht müde, zu betonen, welche Bedeutung der nächste Vertrag des Nationalspielers habe. Es könne schließlich der letzte große Kontrakt der aktiven Karriere sein. Als Weltenbummler ist Hummels bisher nicht in Erscheinung getreten. Zwölf Jahre wurde er in der Jugend von Bayern München ausgebildet, seit 2008 spielt er für Borussia Dortmund. Hummels steht für den jüngeren Aufschwung des BVB. In der Ära von Jürgen Klopp ist er zum festen Bestandteil zweier Meister-Mannschaften (2011, 2012) gewachsen. Auch zum Weltmeistertitel 2014 hat Hummels erheblich beigetragen. Im modernen Spielsystem agiert er nicht als rustikaler Abräumer, sondern ist eher wie ein Quarterback im American Football in den Spielaufbau eingebunden.

Dass ein solcher Akteur Begehrlichkeiten weckt, liegt in der Natur der Sache. Man würde einem verdienten Spieler wie ihm vermutlich nicht übel nehmen, irgendwann mal den Verein zu verlassen und zu einem europäischen Topklub zu wechseln. Der FC Bayern ist dabei ausdrücklich ausgeklammert. Vom Dortmunder Selbstverständnis will man den Münchnern auf Dauer Paroli bieten. Man möchte selbstredend nicht den national größten Konkurrenten mit den besten Arbeitskräften ausstatten. Sollte es einen Grund geben, den BVB zu verlassen, dann sollte der in der Sehnsucht nach einem Engagement in England oder Spanien liegen. Wer in der Bundesliga bleiben möchte, der sollte eine echte Heimat nur in Dortmund finden.

Nicht alle halten sich dran. Mario Götze riss ein großes Loch in das Herz des Vereins und Tausender Anhänger, als er den Verein 2013 in Richtung Süden verließ. Robert Lewandowski folgte ihm ein Jahr später. Der Herzschmerz war weniger groß, die Auswirkung auf das Dortmunder Team, das in der darauffolgenden Winterpause auf einem Abstiegsrang stand, war hingegen immens. Doch genau in dieser Zeit, die auch das Ende der Ära Klopp einläutete, gab es einen Akteur, der dem Werben des FC Bayern widerstand und seinen Vertrag verlängerte. Marco Reus gab dem Marketing-Slogan des Vereins "Echte Liebe" im Februar 2015 echten Wiedererkennungswert.

Hummels hat diese Episoden aus erster Reihe erlebt und die Folgen beobachten können. Die harschen Reaktionen der Fans auf Götzes Wechsel, die Leistungssteigerung Lewandowskis nach holprigem Start und das Scheitern Götzes, dessen Abschied aus München so gut wie sicher scheint. Nun wäre Hummels' Wechsel erneut ein herber Verlust für die Mannschaft. Im Gegensatz zu Götze und Lewandowski aber nicht nur auf sportliche Qualitäten bezogen. Der Kapitän ginge von Bord. Ein - teils sicher umstrittener - Wortführer, der intern und öffentlich schonungslos Finger in Wunden legt.

Es gibt aber noch eine weitere Ebene. Ein Domino-Effekt wird befürchtet. Zwar hat Marcel Schmelzer seinen Vertrag in Dortmund gestern bis zum 30. Juni 2021 verlängert. Doch auch die Verträge der Mittelfeldstrategen Ilkay Gündogan und Henrikh Mkhitaryan laufen in einem Jahr aus. Gündogan soll unmittelbar vor einem Wechsel zu Manchester City in die Premier League stehen, und Mkhitaryan wird hartnäckig mit Juventus Turin und Chelsea in Verbindung gebracht. Zusätzlich steht Top-Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang auf dem Wunschzettel europäischer Topklubs. Der Gabuner erklärte unlängst, dass er seinem Großvater versprochen habe, eines Tages für Real Madrid zu spielen.

In Dortmund gibt man sich betont gelassen. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke ließ zu den Hummels-Gerüchten verlauten: "Egal, wie sich irgendwo irgendein Spieler entscheidet: Wir haben seit fünf Jahren gezeigt, dass wir alle Spieler ersetzen können. Borussia Dortmund ist kein Thema von Einzelschicksalen."

Quelle: RP
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