1. Bundesliga 16/17
| 08.05 Uhr

Pierre-Emerick Aubameyang vom BVB
Mehr als ein begabter Leichtathlet mit Fußballschuhen

Aubameyang packt gegen Schalke wieder Batman-Jubel aus
Aubameyang packt gegen Schalke wieder Batman-Jubel aus FOTO: afp, PST/DG
Dortmund. Pierre-Emerick Aubameyang ist schon häufiger verwechselt worden. Als er vor gut zwei Jahren vom französischen Erstligisten AS St. Etienne zu Borussia Dortmund kam, sahen die Fans einen wilden Haarschopf, und im Internet kursierten die Bilder seiner mit Strass-Steinchen besetzten Fußballschuhe. "Glittertyp", war das naheliegende Urteil. Von Robert Peters

Der damalige Trainer Jürgen Klopp stellte ihn rechtsaußen auf, weil er erstaunlich schnell ist und selbst grotesk gespielte Bälle erläuft. Aber weder der Abschluss noch das Zusammenspiel mit den Kollegen offenbarte größere Fertigkeiten. "Der kann nur rennen", war das zweite Urteil. Schließlich schulte er auf Mittelstürmer um. Inzwischen trifft er mit einer Erfolgsquote, die an die Torjäger der 70er Jahre, an Gerd Müller und Jupp Heynckes, erinnert. Weil er seine Treffer mal kostümiert, mal im Batman-T-Shirt wie beim 3:1 gegen Schalke 04 (Endstand 3:2) feiert, lautet das dritte Urteil: "Verrückt."

Es ist vielleicht das einzige Urteil, das einer näheren Überprüfung noch standhält. Aubameyang ist zumindest unkonventionell in seinem Auftreten. Dass ihm allerdings nur am Glitter und am Aussehen liegt, hat er ebenso eindrucksvoll widerlegt wie die These, er sei lediglich ein begabter Leichtathlet mit Fußballschuhen. Dagegen spricht bereits seine kühle Konsequenz vor dem gegnerischen Tor. Von ganz kleinen Ausnahmen abgesehen wie dem Spiel in Bremen, als er Chancen im halben Dutzend verschleuderte, trifft Aubameyang mit der Zuverlässigkeit einer Tormaschine. In zwölf Bundesligaspielen hat er 14 Treffer erzielt. Wenn das so weitergeht, kann er den Rekord des unsterblichen Gerd Müller angreifen, der es in der Spielzeit 1971/72 auf 40 Treffer brachte. Das schien ein Wert für die Ewigkeit zu sein. Nicht für Aubameyang, der selbstbewusst fragt: "Warum soll ich das nicht schaffen?" Das klingt ein bisschen schnoddrig. Aber er ist nicht so gemeint. Denn ganz im Gegensatz zu seinem schrillen Äußeren ist der Stürmer des BVB ein bescheidenes Kerlchen.

15/16: Aubameyang erzielt schon wieder einen Dreierpack FOTO: afp, oa/dg

In der Mannschaft ist er beliebt, weil er viel zu einem guten Innenklima beiträgt, und weil er schlechte Laune nicht kennt. Ein Hallodri auf dem Trainingsplatz (mögliches viertes Vorurteil) ist er dennoch nicht. Seine Trainer, neuerdings Thomas Tuchel, rühmen die konzentrierte Trainingsarbeit und seine Lernfähigkeit. Allein mit der deutschen Sprache will es noch nicht so klappen. Im täglichen Zusammenleben mit seinen Kollegen geht es schon sehr gut. Sobald eine Kamera läuft, traut er sich aber nicht mehr ohne Dolmetscher aus der Deckung. Auch mit einem Lautsprecher ist er nur verwechselt worden.

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