1. Bundesliga 16/17
| 11.57 Uhr

Erkenntnisse aus dem Supercup
Bayern bleibt Bayern, aber Dortmund ist gefährlich

Ribéry trifft Passlack mit Ellenbogen im Gesicht
Ribéry trifft Passlack mit Ellenbogen im Gesicht FOTO: dpa, jg lof
Dortmund . Die Bayern haben den Supercup durch ein 2:0 bei Borussia Dortmund gewonnen, doch der Meister konnte im ersten Pflichtspiel unter Trainer Ancelotti nicht komplett überzeugen. Thomas Tuchels Team begann stark, doch am Ende ging dem BVB die Puste aus. Von Robert Peters

Tuchel bestaunte ausgiebig den Statistik-Bogen. Das kleine Schriftstück dokumentierte die Seltsamkeiten des Fußballsports. Der Trainer von Borussia Dortmund fasste sie zusammen: "Wir liegen in allen Bereichen vorn, aber wir haben verloren."

Der BVB hatte mehr Ballbesitz als Bayern München (54,21:45,79 Prozent), gewann mehr Zweikämpfe (51,2:48,8), gab mehr Schüsse aufs Tor ab (20:9) und verzeichnete mehr angekommene Pässe (440:327). Die entscheidende Zahl aber sprach für die Bayern. Sie gewannen das Spiel um den Supercup im ehemaligen Westfalenstadion mit 2:0. Tuchel schaute noch mal auf den Bogen und sagte: "Das war eine unglückliche Niederlage."

Viel Widerspruch wird er damit nicht provoziert haben. Selbst Bayern Münchens neuer Abwehrspieler Mats Hummels gestand: "In der ersten Halbzeit, da müssen wir nicht drumherum reden, hatten wir Glück. Wir hätten uns nicht beschweren können, wenn die Jungs, ich meine natürlich meine alten Jungs, in Führung gegangen wären." Gegen allzu betulich beginnende Bayern verzeichneten die Dortmunder erstklassige Chancen, die sie mal verschleuderten, weil es ihnen an letzter Konsequenz im Abschluss mangelte, bei denen sie aber auch schon mal an Torwart Manuel Neuer scheiterten. Der Nationalkeeper war der wichtigste Münchner Spieler in der ersten Hälfte.

Götze sitzt gegen Bayern nur auf der Bank FOTO: dpa, a lof

Der zweitwichtigste war Mittelfeldspieler Arturo Vidal. Mit erkennbarem Unbehagen wohnte er eine halbe Stunde dem mäßigen Altherrenfußball der Kollegen bei, dann nahm er das Heft in die Hand. Er erschien wie von Zauberhand überall an dem Platz, an dem gerade der Ball war, er sortierte das Spiel seiner Mannschaft, er vergab die erste, allerdings auch großartige Torgelegenheit für den Meister, und er erzielte die Führung. Die Münchner hatten mustergültig gekontert, und ihr Treffer hatte große Wirkung auf den Gegner.

Dortmund, das großen läuferischen Aufwand betrieb und die Bayern so schwer unter Druck setzte wie noch kein nationaler Rivale in den zurückliegenden vier Jahren, begann an sich zu zweifeln. Die Kräfte schwanden und mit ihnen die Zuversicht, den nun kühler auftretenden Münchnern noch einmal richtig gefährlich zu werden. Und bevor sich Tuchels offensiv lange sehr überzeugend spielende Mannschaft richtig zum Schluss-Spurt aufstellen konnte, stand Thomas Müller genau dort, wo er die gesamte EM nicht gestanden hatte. Er drückte den Ball aus ein paar Metern Entfernung zum 2:0 über die Linie. Sein Trainer Carlo Ancelotti nahm es ohne große Rührung zur Kenntnis. "In der zweiten Halbzeit ist es bei uns besser gelaufen", sagte er, "das gibt uns Selbstvertrauen."

Dortmund - Bayern FOTO: afp, PST

Die Partie muss aber auch die Sinne schärfen. Reiner Verwaltungsfußball, wie in der Startphase vorgetragen, wird sogar in der Bundesliga gefährlich. Und Dortmund hat bewiesen, dass es trotz des großflächigen Umbaus vor allem im Angriffsspiel zu einem sehr ernsthaften Widersacher der Münchner werden kann. Auf der linken Außenposition setzte Ousmane Dembélé ein paar nette Ausrufezeichen, als extrem offensiver Außenverteidiger verriet Felix Passlack großes Talent, und im Mittelfeld sorgte der von den Bayern nach Westfalen gewechselte Sebastian Rode mit Gonzalo Castro und Shinji Kagawa für ordentlich Betrieb.

Es fiel nicht mal ins Gewicht, dass Mario Götze den ersten Pflichtspieltermin im neuen Team 90 Minuten auf der Bank erledigte. Er sei noch nicht so weit, erklärte Tuchel. Wissenschaftlicher ausgedrückt: "Unsere Vorbereitung ist nicht darauf ausgelegt, die Spieler, die als Letzte eingestiegen sind, mit diesem Spiel zu belasten."

André Schürrle, der ebenso spät wie Götze zum Team stieß, durfte gut 20 Minuten mitmachen. Großen Eindruck hinterließ er dabei nicht. Anders als Verteidiger Marc Bartra, der Hummels ersetzen soll. Bartra spielte eine Serie präziser Steilpässe, mit denen er die Münchner Deckung aufsägte. Er war aber auch bei den sehr dosiert vorgetragenen Bayern-Kontern in seinem eigentlichen Fach als Abwehrmann nicht zur Stelle. Immerhin hatte er die beste Pass-Quote. 69 Mal kam sein Anspiel an. Auch diese Zahl wird Tuchel aufmerksam studiert haben.

Zurück zum Ex-Klub - Götzes Vorbilder FOTO: dpa, mum hae ljm hak
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