1. Bundesliga 16/17
| 11.09 Uhr

Dortmund reist nach Mainz
Kein roter Teppich für Thomas Tuchel

Tuchel feiert mit Bierdusche und Töchtern
Tuchel feiert mit Bierdusche und Töchtern FOTO: dpa, fve htf
Dortmund/Mainz. Den roten Teppich rollen sie ihm wahrscheinlich nicht aus. Das hat der Mainzer Präsident Harald Stutz vorsichtshalber bereits ziemlich deutlich gemacht. Heute kommt Thomas Tuchel als Dortmunder Trainer an seine alte Wirkungsstätte in Mainz zurück, und Stutz erinnert an seinen Abgang. "Das war schon grenzwertig", sagt der Präsident, "wir haben unterschiedliche Auffassungen von Respekt." Tuchel war vor Ablauf seines Vertrags in einer eigenmächtigen Auslegung seiner beruflichen Pflicht vom Hof gehuscht und hatte ein Sabbatjahr eingelegt. Von Robert Peters

An Tuchels Verdienste in Mainz hätte Stutz auch erinnern können. Es lässt tief blicken, dass er sich das ausdrücklich verkneift. Immerhin war der dünne Mann aus Krumbach in Schwaben der erfolgreichste Coach der Mainzer Bundesliga-Geschichte. In 170 Spielen gewann er 239 Punkte. Er machte aus der grauen Maus einen etablierten Erstligisten, der immer wieder auf die Europa-Ränge schielen und sie gelegentlich sogar am Ende einnehmen konnte. Und er brachte in den temperamentvollen Spiel-Entwurf seines Vor-Vorgängers Jürgen Klopp fußballerische Details ein, die Mainz einfach besser machten. Ein Denkmal setzen sie ihm dafür nicht. Das würden die Mainzer für Klopp immer tun, denn er wird in der Stadt und im Verein verehrt, weil er den Menschen näher kam.

Tuchel, der in Dortmund wieder auf Klopp folgt, diesmal unmittelbar, ist keiner für die Fans auf dem Stehplatz, obwohl er sich in seinen ersten Monaten beim BVB alle Mühe gab, diese Tatsache zu widerlegen. Pünktlich zum Trainingslager hatte er ein freundliches Lächeln aufgesetzt, er begegnete der sprichwörtlichen Dortmunder Fankultur mit Talent, aber auch mit Offenheit und Aufrichtigkeit. Das kam richtig gut an. Und viele seiner neuen Wegbegleiter rätselten, ob sich nicht ein Doppelgänger des stets ein wenig genervten und besserwisserischen Fußball-Professors aus Mainzer Tagen bei der Borussia eingeschlichen habe.

Zur Beruhigung der Skeptiker hat Tuchel in den zurückliegenden Wochen auch mal das andere Gesicht hervorgekehrt, das die meisten von seinen öffentlichen Auftritten zu kennen glaubten. Seine Mannschaft geriet nämlich nach einem Bilderbuchstart in allen Wettbewerben ein wenig von der Rolle. Sie gab Punkte gegen einen ganz Kleinen (Darmstadt) und einen ganz Großen (Bayern) ab. Vor allem die Art und Weise, wie die Münchner ihren vielleicht einzigen ernsthaften Rivalen beim 5:1 filetierten, machte aus Tuchel den aus Funk und Fernsehen hinlänglich bekannten Grantler. Auf unangenehme, vielleicht patzige Fragen gab er patzige Antworten. Und er hatte erkennbar große Mühe, die schlechte Laune einigermaßen zu verbergen.

Tuchel lächelt Attacken aus Mainz einfach weg

Nach der Länderspielpause bemüht er sich, zur Form der ersten so erfolgreichen Spieltage zurückzufinden. Die Attacken aus Mainz registriert er mit einem weisen Lächeln. Und er sagt der "Bild": "Es ist kein ungutes Gefühl für mich, zurückzukehren. Es wird schon etwas Besonderes werden." Seine Mannschaft bemüht sich ebenfalls, zurück in die Spur zu gelangen. Die Spieler haben ausgiebig die Wunden nach dem Spitzenspiel in München geleckt. Und auch die Diskussionen um die Wortbeiträge von Kapitän Mats Hummels scheinen beendet. Der Nationalverteidiger hatte Mängel im Abwehrverhalten der gesamten Mannschaft beklagt. Das legten ihm viele als unangemessene öffentliche Kollegenschelte aus. Hummels aber betont: "Ich habe niemanden persönlich angegriffen und mich einbezogen in die Kritik."

Das gelingt ihm allerdings nicht immer zur allseitigen Zufriedenheit. Zwei Tatsachen beweisen das. Zum einen wurde er von Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zu einer Aussprache zitiert. Zum anderen ist ihm auch die Aufarbeitung des Gegentreffers in der Länderspiel-Begegnung von Dublin mit den Iren nicht so richtig rund geraten. Er trage da schon eine Schuld, "aber nicht allein", beteuert der Innenverteidiger. Den Zusatz hätte es nicht gebraucht.

Die munteren Gespräche über seine Meinungsfreude haben unterdessen sogar den scheinbar so selbstsicheren Spieler ein bisschen verunsichert. Seine Vorstellungen in der Nationalmannschaft waren jedenfalls nicht so souverän, wie er sich selbst das wünscht. Es kann also nur besser werden. Vielleicht schon heute Abend.

Quelle: RP
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