1. Bundesliga 16/17
| 12.09 Uhr

Dortmund gewinnt in Mainz
Tuchel feiert "dreckigen" Sieg – und wird geherzt

Reus verschießt Elfmeter in Mainz
Reus verschießt Elfmeter in Mainz FOTO: afp, DR/bb
Mainz. Thomas Tuchel genoss nach dem dreckigen Arbeitssieg die neue Harmonie in der alten Heimat. Nicht eine Minute verging in den Stadion-Katakomben, in denen der Trainer von Borussia Dortmund nach dem 2:0 (1:0) beim FSV Mainz 05 nicht irgendeinen Angestellten seines Ex-Klubs herzte – oder geherzt wurde.

An die ungewöhnliche Perspektive hatte sich Tuchel da schon längst gewöhnt. "Es hat sich eine ganze Weile spiegelverkehrt angefühlt. Ich bin zum Beispiel noch nie vorher in die Stadion-Tiefgarage runtergefahren und hatte noch nie auf der rechten Trainerbank gesessen", sagte der 42-Jährige.

Anderthalb Jahre nach seinem unrühmlichen Abgang aus Mainz war Tuchel mit Pfiffen empfangen worden. Am Ende schwiegen aber selbst die hartgesottenen FSV-Fans, als der gebürtige Schwabe nach dem Abpfiff die Faust ballte.

Während Tuchel nach dem ersten Erfolg des Tabellenzweiten nach zuvor vier Pflichtspielen ohne Sieg im Redefluss kaum zu stoppen war, stieg der zuletzt formschwache Torschütze Marco Reus (18.) wortlos in den Mannschaftsbus. Die Enttäuschung über seinen vergebenen Strafstoß (47.) saß beim Nationalspieler wohl tief.

Dafür sprachen andere. Tuchel freute sich sichtlich, dass der erste Reus-Treffer seit sieben Wochen bereits zum Erfolg gereicht hätte. Damit sinkt der verschossene und ungerechtfertigte Elfmeter in seiner Wertigkeit. "Sonst hätten wir ein Thema gehabt, das wir nicht brauchen. So haben wir ein schönes Thema: Marco hat uns die Tür aufgesperrt und die Weichen auf Sieg gestellt", lobte Tuchel den 26-Jährigen nach dessen durchwachsener Vorstellung.

Zorc sieht Reus "auf dem aufsteigenden Ast"

BVB-Sportdirektor Michael Zorc sieht Sorgenkind Reus "absolut auf dem aufsteigenden Ast" und haderte bei Sky: "Die Kritik an Marco ist häufig total überzogen, wenn es mal nicht so läuft."

Nach einer Ergebniskrise scheint es wieder zu laufen bei den Westfalen. Abräumer Julian Weigl bezeichnete den dritten Auswärtserfolg als "dreckigen, aber sehr wichtigen Sieg", den Henrich Mchitarjan (82.) perfekt machte. Und Tuchel hatte sogar Spaß am Kraftakt seiner Mannschaft: "Ich kann mich darüber genauso freuen wie über toll herausgespielte Siege."

Die Versöhnung mit Harald Strutz blieb allerdings aus. Der FSV-Präsident hatte vor dem Duell noch Öl ins Feuer gegossen und den Abgang Tuchels im Mai 2014 als "grenzwertig" bezeichnet und fehlenden Respekt angemahnt.

Dafür umarmte der Borussia-Coach innig den Mainzer Manager Christian Heidel, dessen Abgang zu Schalke 04 nach der Saison immer konkreter zu werden scheint. Strutz indes glaubt nicht, dass die Wechsel-Diskussionen über Heidel "irgendwelche Auswirkungen" auf die Mannschaft haben.

Offenbar nicht auf Loris Karius. Der FSV-Keeper erwies sich gegen Reus erneut als Elfer-Killer. Keiner der letzten vier Strafstöße gegen Karius konnte verwandelt werden. Der 22-Jährige hat bei insgesamt 14 Elfmetern ein Erfolgsquote von 50 Prozent.

Doch auch die starke Leistung seines Schlussmanns wollte Mainz-Trainer Martin Schmidt nicht versöhnlich stimmen. "Wir haben bei den Zweikämpfen auf den Sack bekommen. Ganz hinten und ganz vorne war das zu wenig von uns", monierte der Schweizer und versprach: "Nächste Woche ist Wiedergutmachung angesagt."

(sid)
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