1. Bundesliga 17/18
| 13.23 Uhr

Tuchel neuer BVB-Trainer
"Es bleibt die Frage, wie sehr er mit Klopp verglichen wird"

Die BVB-Trainer seit 1991
Die BVB-Trainer seit 1991 FOTO: dpa
Dortmund. Dem charismatischen Menschenfänger Jürgen Klopp folgt der kühl kalkulierende Fußball-Wissenschaftler Thomas Tuchel. Die Fans von Borussia Dortmund werden sich ab der kommenden Saison an einen völlig anderen Trainer-Typ gewöhnen müssen.

Die ersten Reaktionen via Twitter und Facebook auf die Verpflichtung des ehemaligen Mainzers reichten von strikter Ablehnung, über Skepsis bis hin zu absoluter Überzeugung.

"Es bleibt die Frage, wie sehr er mit Klopp verglichen wird. Das wird er nicht verhindern können, sich diesem Vergleich zu stellen. Klopp hatte damals andere Startbedingungen: Der Verein war sportlich und finanziell nicht auf Rosen gebettet. Nun kommt Tuchel und muss ein schweres Erbe antreten", sagte der ehemalige BVB-Profi und Nationalspieler Patrick Owomoyela bei Sky90.

Tuchel suchte nach fünf Jahren (2009 bis 2014) als Cheftrainer in Mainz, wo er einen mittelmäßigen Klub zweimal in die Europa League führte, eine neue Herausforderung, wollte mit seinem nächsten Klub um Titel spielen. In der Borussia hat er sie nun bekommen, mit allen Ansprüchen und Fans, die es zu überzeugen und mitzunehmen gilt auf die Reise in bessere Zeiten.

Tuchel ist jedoch nicht der Trainer, der wie Klopp die Nähe sucht, sondern eher die Distanz. "Ich glaube, es kann passen, aber es muss wachsen. Denn die Fans sind es gewohnt, unterhalten zu werden: auf dem Platz, in Pressekonferenzen und auf anderen Veranstaltungen", ergänzte Owomoyela.

Die Tuchel-Chronologie

Der ehemalige Stuttgarter Meistercoach Christoph Daum meinte: "Sie unterscheiden sich - und das ist gut so. Denn der BVB braucht nun ein Kontrastprogramm. Denn dieser Vollgasfußball voller Emotionen schmeckt den Dortmundern gar nicht mehr. Da ist Tuchel der richtige Mann."

Tuchel werde in Dortmund das fortsetzen, was Klopp angefangen hat, aber seinen Stil einbringen, prophezeit Frank Wormuth, Trainerausbilder beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), bei Sky: "Aber der größte Unterschied zu Mainz wird die Erwartungshaltung sein."

Tuchel eilt der Ruf eines "großen Trainertalents mit hohem Intellekt" (Leipzigs Sportdirektor Ralf Rangnick) voraus. Insgesamt zwei U19-Meisterschaften beim VfB Stuttgart und dem FSV Mainz 05 stehen in seiner Vita. "Der Nerd aus Mainz" (Sonntags-FAZ) bestritt nie ein Bundesligaspiel und trainierte in den 05ern erstmals ein Seniorenteam. Allerdings: In einer Bundesliga-Tabelle, die alle fünf Spielzeiten von Tuchel in Mainz zusammenfassen würde, stünde der FSV auf Platz fünf - hinter Bayern München, Dortmund, Bayer Leverkusen und Schalke 04.

Es ist der angebliche "akademische Stil" des Taktik-Grüblers und großen Verehrers des FC Barcelona, der ihn oft arrogant und unnahbar wirken lässt. Der 41-Jährige ist ein Fan von Pep Guardiola, jahrelang habe er DVD's von dessen Training mit Barca studiert, berichtete er jüngst. Seine Philosophie beinhaltet: Gegenpressing nach Ballverlust, möglichst schon in der Hälfte des Gegners und schnelles Umschaltspiel. Zumindest in diesem Punkt unterscheidet er sich kaum von Klopp.

Das dürfte auch ein Grund für die Entscheidung der BVB-Führungscrew pro Tuchel gewesen sein. Zumindest erfordert dies von den Spielern, zumindest jenen, die den BVB am Saisonende im Zuge der Umstrukturierung nicht verlassen oder verlassen müssen, keine größere Umstellung. Ab sofort ist Tuchel in die Planungen der Borussen für die neue Spielzeit eingebunden, und schon blühen Spekulationen um eine Verpflichtung von Weltmeister Sami Khedira von Real Madrid.

(sid)
 
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