Rheinisches Pokalderby

Das Wesentliche soll für Borussia anders laufen als 2012

Die Ausgangslage vor dem Pokalduell mit Fortuna Düsseldorf weist zumindest aus Sicht der Borussia einige Parallelen zum letzten Aufeinandertreffen im DFB-Pokal auf. Gerade deshalb soll es für den Bundesligisten besser laufen als 2012. Von Karsten Kellermannmehr

Fortuna Düsseldorf

Fans mussten lange auf Taschen warten

Schon beim Heimspiel gegen Darmstadt mussten Fans, die unerlaubte Gegenstände mit ins Stadion nehmen wollten, lange auf die Rückgabe warten. Der Klub gelobt zwar Besserung, appelliert aber an die Anhänger, Rücksäcke und Taschen zuhause zu lassen. mehr

+++ Fohlenfutter +++

Eine Niederlage mit Lerneffekt

Michael Cuisance musste bei der 1:5-Niederlage gegen Bayer Leverkusen erfahren, wie schmal der Grat zwischen Heldentum und Verlierer-Dasein ist. Eine Erfahrung, die ihn bereichern kann. In unserem Newsblog "Fohlenfutter" finden Sie alle Neuigkeiten rund um den VfL. mehr

Ergo-Pokaltalk

Vogts legt sich fest – "Borussia siegt 4:2"

Am Dienstag wird das DFB-Pokalspiel zwischen der Fortuna und Mönchengladbach angepfiffen. Zum Aufwärmen trafen sich am Montag bereits bekannte Vertreter der Fußballszene und beider Klubs zum Ergo-Pokaltalk – und wagten eine Prognose.  Von Bernd Jolitzmehr

Bilder und Infos zur Borussia


„Fünfmal Deutscher Meister und dreimal den DFB-Pokal“ – die dritte Strophe des Liedes „Es gibt nur eine Borussia“, verfasst von der Fanband B.O., beginnt mit den größten nationalen Erfolgen, die Borussia Mönchengladbach in ihrer langen Vereinshistorie bisher eingefahren hat. Diese Triumphe, die der Traditionsverein vom Niederrhein hauptsächlich in den 1970er Jahren gesammelt hat, lassen alteingesessene Fans der Borussia heute noch ins Schwärmen geraten. Was sicher auch daran liegt, dass Gladbach seit mehr als zwei Jahrzehnten auf eine Meisterschaft oder einen Pokalgewinn warten muss. Doch die Leistungen der vergangenen Jahre machen wieder Hoffnung auf eine erfolgreiche Zukunft der Borussia.


Zahlen, Fakten, Rekorde – Borussia ist fester Bundesliga-Bestandteil


Borussia Mönchengladbach kann auf über 50 Jahre in der Bundesliga zurückblicken – nur fünf Vereine haben das ein oder andere Jahr mehr im Fußball-Oberhaus auf dem Buckel. Klar, dass in dieser Zeitspanne einige Rekorde und viele interessante Fakten zur Borussia zustande gekommen sind. Wussten Sie etwa, dass Gladbach die erste Mannschaft in der Bundesliga war, die zehn Siege in Folge verbuchte (1986/87)? Außerdem war die Borussia der erste Verein, der seinen Bundesliga-Titel verteidigt hat (1970, 1971). Dass sie mit einem 12:0 gegen Borussia Dortmund in der Saison 1977/78 zudem den höchsten Bundesliga-Sieg aller Zeiten einfahren konnte, dürfte den meisten Anhängern der Fohlenelf wohl bekannt sein. Ein weiterer deutlicher Sieg steht bei den Statistikern ebenfalls hoch im Kurs: In der Saison 1984/85 gewann Gladbach mit 10:0 gegen Eintracht Braunschweig – es ist bis heute der letzte zweistellige Erfolg in der Bundesliga.


In der langen Geschichte der Bundesliga sind auch einige Kuriositäten passiert, an denen Borussia beteiligt war. Eine davon ist gar nicht mal so lange her. Am 16. Spieltag der Saison 2009/10 hatte Gladbach im heimischen Borussia-Park Hannover 96 zu Gast. Die Fohlenelf gewann das Spiel mit 5:3, doch Gladbach selbst erzielte nur zwei Treffer. Hannover erwischte einen rabenschwarzen Tag, markierte drei Eigentore und stellte damit einen neuen Bundesliga-Rekord auf. Die Borussia nahm außerdem an dem Bundesliga-Spiel mit den wenigsten Zuschauern teil: Die Partie bei Tasmania Berlin am 15. Januar 1966 wollten lediglich 827 Zuschauer sehen.


Fünf Meisterschaften, zweimal UEFA-Cup und Günter Netzers historischer Moment


Ja, es ist zugegebenermaßen schon eine ganze Weile her, dass Borussia Mönchengladbach zu den Mannschaften gehörte, die um die Deutsche Meisterschaft mitgespielt haben. Ganz knapp war es zuletzt in der Saison 1983/84, als Gladbach nach dem letzten Spieltag punktgleich mit dem VfB Stuttgart und dem Hamburger SV war. Die Borussia hatte allerdings die schlechteste Tordifferenz und landete nur auf dem dritten Platz.


Wenige Jahre zuvor hatte die Borussia das erfolgreichste Jahrzehnt ihrer Vereinsgeschichte. Die Fans konnten fünf Meisterschaften (1970, 1971, 1975, 1976, 1977) feiern. Legendär sind die beiden Pokalsiege im UEFA-Cup - der heutigen Europa-League - in den Jahren 1975 und 1979. Welcher war aber der wohl denkwürdigste Triumph in diesem Jahrzehnt? Für einige definitiv der Sieg im DFB-Pokal 1973. Nicht nur, weil der Endspielgegner im Düsseldorfer Rheinstadion der 1. FC Köln war.


Unvergessen ist bei diesem Spiel die kuriose Geschichte um Günter Netzer, die den 2:1-Sieg der Gladbacher besiegelte. Netzer, der kurz vor dem Finale nach zehn erfolgreichen Jahren bei der Borussia seinen Wechsel zu Real Madrid verkündet hatte, schmorrte 90 Minuten lang auf der Bank. Beim Stand von 1:1 wechselte er sich zu Beginn der Verlängerung selbst ein. In der 93. Minute, also nur drei Minuten nach seiner Einwechslung, traf er den Ball zwar recht unglücklich. Doch der Ball schlug genau in die linke obere Ecke des Kölner Tors ein. Gladbach wurde nach 1960 zum zweiten Mal Pokalsieger und Günter Netzer verabschiedete sich mit einem denkwürdigen Triumph aus der Vitusstadt.


Günter Netzer ist der einzige Gladbacher Spieler, der zweimal das Tor des Jahres erzielte (1972 und 1973) - in beiden Jahren wurde er zudem Deutschlands Fußballer des Jahres. Letzteres gelang auch Berti Vogts (1971 und 1979), der seine ganze Profikarriere bei der Borussia verbrachte und nicht zuletzt deswegen mit 419 Bundesliga-Einsätzen der Gladbacher Rekordspieler ist. Günter Netzer und Berti Vogts gehören übrigens der Jahrhundertelf der Borussia an, die Wolfgang Kleff, Wilfried Hannes, Hans-Günter Bruns, Patrik Andersson, der heutige Vize-Präsidenten Rainer Bonhof, Herbert Wimmer, Stefan Effenberg, Jupp Heynckes und Allan Simonsen sowie Trainer Hennes Weisweiler vervollständigen.


Wieso wird Borussia auch die Fohlenelf genannt?


Hennes Weisweiler ist bis heute der erfolgreichste Trainer der Borussia-Geschichte. Unter ihm holte Gladbach drei Meisterschaften sowie jeweils einmal den DFB-Pokal und den UEFA-Cup. Zudem entstand in seiner insgesamt elf Jahre langen Amtszeit bei Borussia Mönchengladbach ein Begriff, der bis heute Bestand hat – die Fohlenelf. Doch wie genau ist diese Bezeichnung der Gladbacher Mannschaft entstanden? Ausschlaggebend war der unbeschwerte, sorglose und zugleich erfolgreiche Spielstil, den Weisweiler der blutjungen Mannschaft verpasst hatte. Dies machte sich im Jahr 1965 gleich bezahlt, als Borussias Mannschaft mit einem Altersdurchschnitt von 21,5 Jahren zum ersten Mal in die Bundesliga aufgestiegen war. Viele waren von der erfrischenden Spielweise angetan. Auch Wilhelm August Hurtmanns, Journalist und damaliger Sportredakteur der Rheinischen Post. Er begleitete die Borussia seit Mitte der 1960er Jahre und schrieb darüber, dass die Gladbacher wie junge Fohlen spielen. So entstand der Begriff Fohlenelf.


Mythos Bökelberg und der Umzug in ein neues Stadion


Journalist Wilhelm August Hurtmanns ist auch für die Namensgebung des legendären Bökelbergs verantwortlich. Er wollte dem ehemaligen Borussen-Stadion an der Bökelstraße einen knackigeren Namen verleihen. Am Bökelberg wurde Geschichte geschrieben. Viele Meisterschaften wurden gefeiert, einige Kuriositäten bestaunt. Der Pfostenbruch im April 1971 gegen Werder Bremen bleibt vielen Borussia-Fans genauso im Kopf wie der Büchsenwurf sechs Monate später im wohl besten Europapokalspiel, das Gladbach bis heute absolviert hat. Die Fohlenelf gewann das Hinspiel im Europapokal am Bökelberg gegen Inter Mailand mit 7:1, doch die Partie wurde annulliert. Beim Stand von 2:1 hat eine Coladose den Mailänder Spieler Roberto Boninsegna am Kopf getroffen haben. Sie war wohl leer, doch dies interessierte die UEFA wenig. Der europäische Fußballverband setzte die Partie neu an. Gladbach schied nach einem 2:4 im Rückspiel sowie einem 0:0 im Wiederholungsspiel aus. Die starke Leistung aus dem Hinspiel gegen Inter Mailand war nichts mehr Wert, sie ging dennoch in die Geschichte ein.


Der Bökelberg war wegen seiner großen Tradition und seiner steilen Ränge bei den Fans beliebt. Mit der Zeit begann der Mythos Bökelberg allerdings zu bröckeln. Anfang 2001 wurde endgültig beschlossen, ein neues Stadion zu bauen, das der immer moderner werdenden Fußballwelt gerecht werden sollte. Zur Saison 2004/05 erfolgte der Umzug in den Borussia-Park, der mit einem großen Fanmarsch vom Bökelberg aus in Richtung des neuen Stadions im Borussia-Park zelebriert wurde. Die Fans hofften dabei auf fußballerisch bessere Zeiten. Doch diese blieben mit dem Bundesliga-Abstieg 2007 vorerst aus.


Ein Jahr später gelang zwar die direkte Rückkehr in die erste Liga, aber erst als Lucien Favre 2011 Trainer von Borussia Mönchengladbach wurde, durften die Fans wieder den Fußball sehen, von dem sie viele Jahre geträumt hatten: Fußball auf europäischer Bühne. Den gab es etwa zu Beginn der Saison 2014/15 zu bestaunen, als die Amtszeit von Lucien Favre bei der Borussia einen Höhepunkt erreichte. Die Gladbacher blieben wettbewerbsübergreifend 18 Spiele in Folge ungeschlagen und stellten damit den Rekord ein, den Hennes Weisweiler mit seiner Meister-Mannschaft 1970 aufgestellt hatte.


Bis heute hält der Erfolg an. Die Borussia versetzte ihre Fans in den vergangenen Jahren in große Euphorie und sorgte für denkwürdige Momente in der jüngeren Vereinshistorie. Der Last-Minute-Treffer von Igor de Camargo in der Relegation gegen den VfL Bochum, Auswärtssiege bei den Bayern oder unvergessliche Europapokal-Reisen nach Rom, Barcelona, Manchester und Glasgow. Das sind Szenen, über die die Anhänger von Gladbach noch in vielen Jahren sprechen werden. Das Abstiegsgespenst ist Mönchengladbach in den vergangenen Jahren fern geblieben. So soll es bleiben!