| 08.41 Uhr

0:1-Pleite gegen Florenz
Bernardeschi bestraft Borussia

Einzelkritik: Borussias Angreifer vor dem Tor glücklos
Einzelkritik: Borussias Angreifer vor dem Tor glücklos FOTO: dpa, fg hpl
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach hat in der Partie gegen den AC Florenz beste Chancen, macht aber kein Tor daraus. Den Gästen reicht ein Freistoß zum Sieg. Nun geht es in einer Woche in der Toskana darum, das wettzumachen und trotz der Niederlage zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte das Achtelfinale der Europa League zu erreichen. Von Georg Amend

Nach 44 Minuten war die schöne Serie vorbei: Borussia Mönchengladbach hatte zuvor wettbewerbsübergreifend sieben Pflichtspielhalbzeiten kein Tor mehr kassiert, doch Federico Bernardeschi beendete am Donnerstagabend in der Europa League dieses Zahlenspiel.

Der Angreifer des AC Florenz hämmerte einen Freistoß aus zentraler Position und rund 25 Metern Entfernung in den linken Winkel des Tores, in dem Yann Sommer vergeblich flog, um den Treffer in die sogenannte Torwartecke zu verhindern. Das gelang dem 1,80 Meter großen Keeper nicht.

Reaktionen: "Unsere Chancen sind von 50:50 auf 30:70 gesunken" FOTO: ap, AF

So ging Borussia vor 41.863 Zuschauern mit einem Rückstand in die Kabine, der höchst unnötig war. Denn die Hausherren waren die absolut überlegene Mannschaft gewesen und hatten durchaus Möglichkeiten gehabt, mit zwei, drei Toren in Führung zu gehen. Immer wieder griffen sie dabei erfolgreich über ihre linke Seite an. In der 14. Minute bediente erst Fabian Johnson von dort Patrick Herrmann im Strafraum, Thorgan Hazard übernahm den Ball und legte mit der Hacke wieder zurück auf Herrmann, der aber aus kurzer Distanz an Florenz‘ Schlussmann Ciprian Tatarusanu scheiterte.

"Die Chancenverwertung war das Problem. Wir haben ein sehr gutes Spiel gemacht. Der Freistoß war gut geschossen, aber wir hätten heute selbst drei oder vier Tore schießen müssen", sagte Gladbach-Keeper Yann Sommer bei Sky: "Wir sind aber überzeugt, dass wir zwei Tore in Florenz schießen können."

Nur zwei Minuten nach dieser ersten Chance gab es die nächste, noch größere: Wieder ging es über links, Oscar Wendt legte den Ball quer durch den Strafraum, wo Herrmann herangerauscht kam – und von Maximiliano Olivera abgeräumt wurde. Das sah sehr nach Strafstoß aus, Herrmann kugelte schmerzverzerrt ins Florentiner Tor, doch die spanischen Unparteiischen ließen die Partie laufen. "Nur weil ich den Ball auf das Tor bringe, heißt das ja nicht, dass ich von hinten umgegrätscht werden darf", sagte Herrmann nach der Partie. 

Borussia - Florenz: die Bilder des Spiels FOTO: ap, AF

Elfmeter hin oder her – Borussia hatte auch in der Folge weiter Gelegenheiten, in Führung zu gehen: An eine Flanke von Wendt – natürlich von links – kam Herrmann nicht heran, den Abpraller jagte Fabian Johnson dann aus guter Position so weit am Tor vorbei, dass es Einwurf gab (27.). Zwei Minuten darauf brachte Hazard einen Freistoß in den Strafraum, doch Tatarusanu klärte vor Jannik Vestergaard.

Inzwischen war Yann Sommer aufgrund permanenter Unterbeschäftigung trotz angenehmer Außentemperaturen ein wenig kühl geworden, der Gladbacher Keeper kreiste weit vor seinem Strafraum mit den Armen und absolvierte ein paar Skippings, um seinen Körper geschmeidig zu halten. Genug Zeit dafür hatte der Schweizer, denn seine Vorderleute schnürten Florenz förmlich in der anderen Hälfte des Spielfeldes ein.

Und es boten sich weitere erstklassige Chancen: Wendt brachte den Ball erneut von links quer durch den Strafraum, Herrmann legte klug in die Mitte zurück, wo Lars Stindl wartete – der Kapitän nahm den Ball direkt, setzte ihn aber über das Tor (40.). Anschließend wurde es zum ersten Mal  über rechts gefährlich – und wie! Hazard flankte in den Strafraum, Johnson kam an den Ball und setzte ihn an den kurzen Pfosten, den Abpraller bekam Stindl, schoss den Ball aber vorbei (41.).

Borussia hätte so zur Pause also gut und gerne beruhigend führen können, stattdessen lief sie nach Bernardeschis Freistoßtreffer – dem einzigen Schuss, den die Florentiner in Halbzeit eins auf das Tor gebracht hatten – einem Rückstand hinterher. Und dass das gegen italienische Mannschaften nicht unbedingt angenehm ist, ist hinlänglich bekannt, zumal den Gladbachern in Raffael (Oberschenkelprobleme) ja noch ein Spielgestalter fehlte.

Das Gegentor und der Zeitpunkt desselben beschäftigten die Gladbacher sichtlich. Von der Leichtigkeit des Sturm-und-Drang der ersten Hälfte war nach der Halbzeit zunächst nichts mehr zu sehen. Es dauerte so bis zur 60. Minute, bis es wieder im Strafraum der Gäste gefährlich wurde, diesmal war dazu auch die Mithilfe des Florentiner Kapitäns nötig. Gonzalo Rodriguez schlug nach einer Flanke von rechts ein Luftloch, so bekam Johnson den Ball, schlenzte ihn aber am Tor vorbei.

Drei Minuten später hätte es beinahe den nächsten dicken Nackenschlag für die Hausherren gegeben: Bei einem Konter bediente Christian Tello von rechts den mitsprintenden Borja Valero in der Mitte, der den Ball direkt nahm – zum Glück für die Gladbacher aber zu hoch gezielt hatte.

Risiko wird nicht belohnt

Borussias Trainer Dieter Hecking ging in der Folge ein höheres Risiko und brachte für Rechtsverteidiger Tony Jantschke Stürmer Josip Drmic, Johnson ließ sich dafür in die Viererkette zurückfallen. Aus der bot sich Linksverteidiger Wendt dann die nächste Chance, sein strammer Schuss ging aber knapp am kurzen Pfosten vorbei (69.).

Die Chancen blieben im zweiten Durchgang, anders als noch im ersten, aber Mangelware. Florenz verteidigte mit dem Vorsprung im Rücken gekonnt, den Borussen ging dagegen das vorher so flüssige Flügelspiel ab. Sehenswerte Kombinationen wurden immer weniger, die Fehlpässe gerade im letzten Angriffsdrittel häuften sich. Bernardeschis Freistoßtor hatte nicht nur Auswirkungen auf den Spielstand, sondern auch auf das spielerische Element der Borussen gehabt.

Sie mühten sich zwar weiter und hatten unter anderem durch einen Kopfball von Drmic, der neben das Tor ging, noch kleinere Möglichkeiten, doch es war nun eben mühsam, was in Halbzeit eins noch spielend war. Und an die Qualität des ersten Durchgangs kamen die Chancen auch nicht mehr heran.  Borussia hatte es versäumt, aus einem mitreißenden Spiel in Halbzeit eins Tore zu machen und dafür die Quittung bekommen. Die Ausgangslage vor dem Rückspiel kommenden Donnerstag in Florenz hätte deutlich besser sein können.

 
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