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Borussia Mönchengladbach
Acht "Fohlen", zwei Junggebliebene und Martin Stranzl

Fotos: FC Homburg - Borussia Mönchengladbach
Fotos: FC Homburg - Borussia Mönchengladbach FOTO: dpa, od nic
Mönchengladbach. Drei Siege in drei Wettbewerben in neun Tagen – das wäre das Optimum für Borussia Mönchengladbach zum Saisonstart. Das 3:1 im DFB-Pokal beim FC Homburg war ein erster Schritt. Die nächsten beiden Gegner des VfL hatten kein so gutes Wochenende. Von Jannik Sorgatz

1.) Alter Alles, was sich Pferd nennt und nicht älter als ein Jahr ist, heißt im Volksmund "Fohlen". Doch "Fohlen" können auch im Schnitt 25,3 Jahre alt sein und Erstrunden-Begegnungen im DFB-Pokal mit 3:1 für sich entscheiden. Borussia beendete die Partie in Homburg sogar mit einer Mannschaft, die durchschnittlich auf 25,0 Jahre kam, ohne Martin Stranzl sogar nur auf 24,1 Jahre. Auf Platz zwei und drei der Methusalem-Rangliste: Raffael (29) und Oscar Wendt (28). Wenn das so ist, benötigt die Methusalem-Rangliste dringend einen neuen Namen.

2.) Favre-Klassiker Das jüngste "Fohlen" schoss am Samstag die meisten Tore. Branimir Hrgota hat seinen Panenka-Fauxpas gegen Darmstadt aus dem Vorjahr mit einem Doppelpack vergessen gemacht. Der Schwede stand zweimal da, wo ein Stürmer stehen muss – und tat zweimal das, was ein Stürmer dann im besten Fall macht, er verwandelte eiskalt. "Vergessen Sie nicht Hrgota" ist nach "Es wird sehr, sehr schwer", "Wir denken von Spiel zu Spiel" und "Wir wissen, wo wir herkommen" mittlerweile auf dem besten Weg zum Lucien-Favre-Klassiker. Aufgrund der Erkrankung Max Kruses werden in dieser Woche wohl auch der FK Sarajevo und der VfB Stuttgart die Chance erhalten, sich an Hrgota zu erinnern.

3.) Redewendung auf dem Flügel Gladbachs frankophoner Trainer Favre steht nicht in Verdacht, bei der Zusammenstellung seiner Startelf gesteigerten Wert auf Wortspiele zu legen. So hieß es am Samstag auf der rechten Außenbahn trotzdem: "Hahn vor Korb". Der offensive André und der defensive Julian harmonierten in ihrem ersten gemeinsamen Pflichtspiel ordentlich. In der 72. Minute brachte Favre Patrick Herrmann für Ibrahima Traoré, so dass der Saarländer beim Heimspiel auf der ungewohnten linken Seite spielen musste. Redewendungen dürften bei dieser Entscheidung keine Rolle gespielt haben.

Einzelkritik: Hrgota nach Noten der beste Borusse FOTO: dpa, od nic

4.) Duo des Tages Noch einmal das Thema Alter: Der zweitälteste und der zweitjüngste auf dem Platz harmonierten in Homburg besonders gut. Raffael und Granit Xhaka legten das 2:1 und das 3:1 im Zusammenspiel auf, beide Male war Hrgota der Nutznießer. Besonders sehenswert geriet ihr Doppelpass vor dem dritten Treffer. Mehr Torgefahr würde Borussias Sechsern, in diesem Fall Xhaka, nicht schlecht zu Gesicht stehen. Havard Nordtveit hat in der Vorbereitung bereits die Disziplin "Distanz und Gewalt" für sich entdeckt.

5.) Verlier-Verbot Aus 5000 wurden 7000 und am Ende 7000 bis 8000, sehr ordentlich für ein Pokalspiel sind alle Zahlen. Borussias Fans hatten die Nordkurve zum Pflichtspielauftakt ins Saarland verlegt. Das Waldstadion war akustisch fest in Gladbacher Hand. Trainer Favre stellte angesichts der erneut unter Beweis gestellten Reisefreudigkeit sogar fest: "Es war verboten, heute zu verlieren."

6.) Groß gegen nicht so klein Dass Verbote manchmal dazu da sind, missachtet zu werden, hat der VfL im vergangenen Jahr beim Drittligisten SV Darmstadt unter Beweis gestellt. Diesmal ging es gegen einen Viertligisten, Beinamen wie "der gelernte Schreiner" werden da beim Gegner immer seltener, auch in der höchsten Klasse des Amateurfußballs tummeln sich fast ausschließlich Vollprofis. Das Duell Bundesliga gegen Regionalliga war in den 32 Spielen der ersten Hauptrunde das häufigste. In acht Partien ging der Goliath siebenmal als Sieger vom Platz, einmal erst nach Verlängerung. Das Torverhältnis: 21:7 – mit dem 3:1-Sieg lag Gladbach also voll im Soll.

Borussia-Fans sorgen für Heimspiel-Atmosphäre in Homburg FOTO: Dirk Päffgen

7.) Gelassene Schwaben "Irgendwann erwischt es jeden Bundesligisten mal in der ersten Runde", stellte VfB-Sportdirektor Fredi Bobic nach der Stuttgarter Pokalpleite beim VfL Bochum unaufgeregt fest. In die Bundesliga starten die Schwaben am kommenden Sonntag in Mönchengladbach, wo sie seit 2005 nicht mehr verloren haben. Gladbachs Devise könnte sein: "Irgendwann erwischt es jeden Bundesligisten mal im Borussia-Park." Okay, bis auf Bayer Leverkusen, aber nur in der Liga.

8.) 2012 im Kopf Im besten Fall kann Gladbach gegen Stuttgart den Saisonstart-Hattrick mit drei Siegen in drei Wettbewerben binnen neun Tagen vollenden. Am Donnerstag steht das Hinspiel der Europa-League-Play-offs in Sarajevo an (20.45 Uhr/Live-Ticker). Vor zwei Jahren ging dieses Unterfangen in die Hose. Zwar gab es Erfolge im Pokal gegen Alemannia Aachen (2:0) und in der Bundesliga gegen 1899 Hoffenheim (2:1). Doch dazwischen lag das zumindest sportlich ernüchternde 1:3 gegen Dynamo Kiew in der Champions League.

9.) BAM! Unter der Abkürzung BAM kennt man allenfalls die "Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung", wobei selbst das angezweifelt werden darf. Alle Borussia-Fans, die sich auf den Weg nach Sarajevo machen, werden BAM als Währungsbezeichnung auf ihren Eintrittskarten kennenlernen. In Bosnien-Herzegowina bezahlt man mit der Konvertiblen Mark, die zunächst an die Deutsche Mark gekoppelt war und seit 2002 an den Euro. 20 BAM, also zehn Euro, kostet eine Karte. Die Reise auf den Balkan ist also etwas für Währungsnostalgiker – in D-Mark muss dort niemand umrechnen.

10.) Bosnischer Handball Play-off-Gegner FK Sarajevo hat sein zweites Ligaspiel am Samstagabend nicht gewinnen können. Vor 4000 Zuschauern im Asim-Ferhatovic-Stadion gab es ein 1:1 gegen Velez Mostar – trotz 47 Minuten Überzahl. Zumindest das Video des Ausgleichstreffers lässt darauf schließen, dass Sarajevo gegen zehn Mann ein Handballspiel auf Rasen veranstaltete. Die Bordeaux-Roten haben damit keines ihrer drei Heimspiele in Liga und Europa League gewonnen.

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