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Borussia Mönchengaldbach
Als Cruyff das Trikot der Borussia trug...

Fotos: Bilder aus dem Leben von Johan Cruyff
Fotos: Bilder aus dem Leben von Johan Cruyff FOTO: dpa, lf cmm pt
Mönchengladbach. Das am Gründonnerstag verstorbene niederländische Fußball-Genie spielte einmal für Borussia - das war 1984. Mo Dahoud trug nun erstmals das Hemd der U21 des DFB und Nico Elvedi könnte heute im Schweizer A-Team debütieren. Von Karsten Kellermann

Einmal war Johan Cruyff Borusse. Beim Abschiedsspiel für Rainer Bonhof auf dem Bökelberg trug er das Trikot mit der Raute. "Borussia International" besiegte die "Deutsche WM-Elf '74" mit 8:3. Das niederländische Genie erzielte zwei Tore für Gladbach an diesem 4. September 1984. Das ist aber nicht die einzige Verbindung der Borussen zu Cruyff, der am vergangenen Donnerstag starb. Man darf sogar spekulieren: Ohne ihn wäre der Aufschwung der vergangenen Jahre, der Quantensprung vom Fast-Absteiger zum Champions-League-Teilnehmer, vielleicht nicht möglich gewesen. Denn Cruyffs Idee vom Fußball war ein wichtiger Faktor im Denken von Ex-Coach Lucien Favre.

Favre bewunderte schon den Spieler Cruyff. Als er nun die Nachricht von dessen Tod bekam, schaute er sich im Gedenken einige Spielszenen des Niederländers aus seinem Videoarchiv an. Auch der Trainer Cruyff für Favre ein Quell der Inspiration. 1993 hospitierte Favre beim FC Barcelona, als der große Niederländer dort im Amt war. "Die Philosophie von Cruyff hat mich beeindruckt. Intelligent spielen, den Ball flach halten, Ballbesitz, auf den richtigen Moment warten und dann zack, zack zuschlagen", sagte Favre mal. Er modellierte daraus seine Version von Borussia.

Doch auch die neue Borussia, die von Favres Nachfolger André Schubert, trägt einen Hauch von Cruyff in sich: seine Idee vom "Totaalvoetbal", die besagt, dass jeder Spieler alles macht, und die vor allem eines ist: nach vorn gerichtet. "Ein Team mit so viel offensivem Potenzial und so viel Kreativität muss man offensiv spielen lassen", sagte Schubert zuletzt. Zu den Hauptfiguren in seinem Ansatz gehört Mo Dahoud. Er ist einer der Borussen, die sich bei Schubert prächtig entwickelt haben - vom Talent, das Favre vorbereitet hat auf höhere Aufgaben, zum wesentlichen Element des Teams. Dahoud weiß längst, wie es sich anfühlt, im DFB-Trikot Dienst zu tun. Doch nun ist er ein gutes Stück weitergekommen ist: Beim 4:1 der U21 gegen die Färöer debütierte er im Dress von Horst Hrubeschs Mannschaft, die die Vorstufe zur "echten" Nationalelf ist. "Das ist der nächste Schritt in meiner Karriere, eine Station vor der Nationalmannschaft sozusagen. Das ist etwas ganz Besonderes", wurde Dahoud auf der DFB-Internetseite zitiert.

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Dass er damit auch im Fokus von Bundestrainer Joachim Löw weiter vorgerückt ist, ist logisch. Löw gönnt sich vor großen Turnieren immer eine Überraschung, 2014 bei der WM war dies der Borusse Christoph Kramer. Dahoud darf zumindest mehr als noch vor einigen Monaten davon träumen, im Sommer Löws Joker zu sein. Möglich ist aber auch, dass er zum deutschen Olympia-Aufgebot gehört. Zunächst jedoch kann er heute den nächsten Schritt machen: Weil Dortmunds Julian Weigl ausfällt, wird er wohl gegen Russland seinen U21-Startelf-Erstling feiern. Was danach folgt, muss er sich weiter durch gute Leistungen bei Borussia erarbeiten.

Dahoud ist nicht der einzige Borusse, der sich in den vergangenen Wochen in den Dunstkreis der EM-Hoffnung gespielt hat. Thorgan Hazard, der nach langer Geduldsprobe einen festen Platz in Schuberts neu formiertem Neuneinhalb-Angriffs-Trio hat, gehört seit langem mal wieder zu Belgiens nationalem Aufgebot. Und Nico Elvedi könnte heute in Zürich gegen Bosnien Herzegowina zum ersten Mal das rote Hemd des Schweizer A-Nationalteams tragen. Die Chance hat er sich verdient durch seine regelmäßigen Bundesliga-Einsätze. Wie Hazard profitierte Elvedi von einer Idee Schuberts: die defensive Dreierkette, die der Trainer eingeführt hat, machte den Weg frei für ihn.

Derweil hätte sich Fabian Johnson seine Länderspielreise eher sparen können. Er fuhr schon mit einer Adduktorenverletzung, die er sich bei Borussias 1:2 bei Schalke 04 zugezogen hatte, zum US-Team und verpasste daher das überraschende 0:2 im WM-Qualifikationsspiel in Guatemala. Auch heute beim Rückspiel in Columbus (Ohio) ist Johnson nicht dabei, er ist zurückgereist nach Gladbach. Hier will er sich auskurieren, um möglichst am Sonntag im Topspiel gegen Hertha BSC Berlin mitwirken zu können.

Johnson übrigens gehört zur Gladbacher 1860-1899-1900-Fraktion, die im Sommer weiter wachsen wird, wenn Tobias Strobl kommt. Der Defensivallrounder wurde wie Johnson und zuvor Peniel Mlapa in der Nachwuchsschmiede von 1860 München ausgebildet und wechselt nun, wie die beiden anderen, von 1899 Hoffenheim zum VfL Borussia 1900. Mlapa, der nun in Bochum spielt, hatte wenig Glück im Gladbach-Trikot, Johnson indes hat sich zum wichtigen Mann entwickelt - Strobl will die 1860-1899-1900-Erfolgsquote von 50 Prozent auf zwei Drittel steigern. Am 24. April jedoch arbeitet er noch mal in Hoffenheimer Dienstkleidung im Borussia-Park, seinem künftigen Arbeitsplatz.

Quelle: RP
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