| 15.39 Uhr

André Hahn im Interview
"Ich sehe das Knie auf mich zukommen und kann nichts machen"

Adler springt in Hahn rein und verletzt ihn an der Lippe
Adler springt in Hahn rein und verletzt ihn an der Lippe FOTO: ap, mm
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach und der Hamburger SV trennten sich 0:0. Was unspektakulär klingt, bot ein Privat-Duell zwischen Gladbach-Stürmer André Hahn und Hamburgs Keeper René Adler. Es ging um einen Strafstoß, eine blutige Nase und eine zunächst abgelehnte Entschuldigung. Von Karsten Kellermann

Herr Hahn, Ihre Lippe ist nach dem Zusammenstoß mit René Adler genäht worden und mit einem Pflaster versehen. Sind Sie auf gewisse Weise das Gesicht des 0:0 gegen den Hamburger SV? Es ist einfach dumm gelaufen für Gladbach in diesem Spiel, oder?

André Hahn Ich finde eigentlich, dass wir ein sehr gutes Heimspiel gemacht haben. Wir haben den Gegner durchgehend dominiert und hinten gar keine Chancen zugelassen. Wir haben bis zur Schlussminute noch sehr gute Chancen und verschießen zwei Elfmeter, was eigentlich nie passiert. Daher ist es ein sehr unglücklicher Tag für uns.

Hahn scheitert mit Foulelfmeter an Adler FOTO: dpa, mjh

Als Elfmeterschütze übernimmt man immer auch Verantwortung – mit dem Risiko, auch zu scheitern. Lars Stindl und Sie haben verschossen, Stindl traf die Latte, Ihren Elfmeter hat Adler sehr gut gehalten.

Hahn Ich bin auf dem Platz, um Tore zu schießen, ich bin ja Stürmer. Da übernimmt man auch die Verantwortung beim Elfmeter. Ich habe mich gut gefühlt, schieße im Training immer viele Elfmeter. Lars hatte mir vor dem Spiel schon gesagt, dass ich den Elfmeter schießen darf, wenn wir einen bekommen. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Ich wollte meine Chance auch nutzen. Adler hält sehr gut, aber wenn ich optimal geschossen hätte, wäre er auch reingegangen. Tja, ich muss meine Lehren aus der Szene ziehen – und beim nächsten Elfmeter klappt es dann hoffentlich wieder.

Beim zweiten Elfmeter mussten Sie dann Stindl trösten. Was sagt man in so einer Situation zum Kollegen?

Hahn Was heißt trösten – es geht einfach weiter. Es ist so, als ob man aus dem Spiel heraus eine hundertprozentige Chance vergibt. Man muss den Kopf hoch nehmen und weitermachen. Wir hatten danach ja noch lange genug Zeit und reichlich Chancen, die wir leider auch nicht nutzen konnten.

0:0 – damit ist auch die Heim-Siegesserie nach zehn Erfolgen am Stück gerissen. Wie sehr ärgert Sie persönlich so etwas?

Hahn Wegen der beiden Elfmeter ärgert es uns alle natürlich enorm, dass wir nicht gewonnen haben. Letztendlich haben wir aber auch nicht verloren und haben immerhin einen Punkt mitgenommen.

Sie haben jetzt sicher richtig Lust auf die Atmosphäre im Celtic Park von Glasgow, wo es am Mittwoch in der Champions League weitergeht.

Hahn Selbstverständlich. Wir freuen uns jetzt sehr auf das Spiel. Bis Samstag haben wir uns voll auf Hamburg konzentriert, das haben wir auch gezeigt, würde ich sagen, auch wenn wir nicht gewonnen haben.

Was erwarten Sie für ein Spiel und was für einen Gegner?

Hahn Ich erwarte einen Gegner, der einfach versucht, uns niederzuringen, niederzukämpfen mit seinen Fans und der Atmosphäre im Rücken. Celtic wird alles in die Waagschale werfen und ist zu Hause auch enorm stark, wie das Spiel gegen Manchester City, das 3:3, gezeigt hat. Wir erwarten einen ganz großen Kampf.

Das klingt nach einem Spiel für André Hahn.

Hahn Ja, das ist es. Ich werde jetzt gut regenerieren und bin dann bereit.

Ihre Lippe macht keine Probleme?

Hahn Nein. Ich wurde in der Halbzeit mit drei Stichen genäht. Für eine Narkose war aber keine Zeit.

Wie haben Sie die Situation mit René Adler erlebt?

Hahn Er sagt, er muss das Knie hochnehmen, um sich zu schützen, weil wir aufeinander zulaufen. Die Torhüter kriegen das so beigebracht, die dürfen so rausgehen. Als Feldspieler hat man allerdings in so einer Situation gar keine Chance, sich zu schützen. Ich sehe das Knie auf mich zukommen und kann nichts machen. Ich schaue lange auf den Ball und habe René auch nicht wirklich gesehen, bis sein Knie auf mich zukam. Er hat sich direkt nach der Aktion entschuldigt. Da konnte ich das noch nicht annehmen, aber gleich nach dem Spiel kam er nochmal und hat gesagt, dass es ihm leid tut. Damit ist die Sache für mich auch durch.

Borussia hat zwei Spiele hinter sich ohne ein Tor und mit nur einem Punkt. Wie ordnen Sie das ein?

Hahn Natürlich sagt keiner, dass wir damit zufrieden sind. Aber was sollen wir tun? Wir müssen es so mitnehmen. Wir können es nicht rückgängig machen. Jetzt konzentrieren wir uns auf Celtic und dann auf das nächste Bundesligaspiel in München.

In Glasgow ist verlieren verboten, weil Celtic mit vier Punkten schwerlich einzuholen sein dürfte. Bei einer Niederlage wäre das Rennen um Platz drei in der Gruppe und das Überwintern in Europa fast unmöglich.

Hahn Das ist richtig. Darum liegt der Fokus ganz auf Celtic. Wir müssen das Spiel annehmen und dürfen uns nicht niederringen lassen. Das ist das beste Mittel, um dort zu bestehen.

Karsten Kellermann sprach mit André Hahn

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