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Borussia Mönchengladbach
"The Interims One" Schubert bleibt "The Alles Ge-One"

Die Schubert-Tabelle
Die Schubert-Tabelle FOTO: afp, oa-iw
Einen Bundesligarekord hat Andre Schubert am Wochenende geknackt. Sechs Siege in Serie sind auch vereinsintern eine beeindruckende Marke. Der Borussia gelingt momentan fast alles, sogar das ersehnte Heimspiel im DFB-Pokal hat sie bekommen. Von Jannik Sorgatz

1. Besser als "Borussia Barcelona"?
Die Debatte, welche deutsche Nationalmannschaft die beste der Historie war, hat schon Stoff für ganze Titelgeschichten geliefert. Aktuell sind sich die meisten Betrachter sicher, den besten FC Bayern unter Pep Guardiola zu erleben, Vergleiche mit früheren großen Teams des Rekordmeisters sind da nicht weit. Bei Borussia Mönchengladbach ist die Dimension eine andere, aber die Diskussion darf gerne im Zeitraum "seit der Relegation 2011" angesiedelt werden. Der Höhenflug von "Borussia Barcelona" mit Marco Reus und Co. endete einst, als die Gegner sich hinten reinstellten. 2013/14 gab es mit sechs Siegen in Folge die längste Serie unter Lucien Favre und in diesem Jahr schließlich die 39-Punkte-Rückrunde. Unter Schubert sorgen die Attraktivität und die Effektivität sowie der Glanz der Champions-League-Abende dafür, dass die vergangenen 42 Tage es locker mit den genannten Hochzeiten aufnehmen können.

2. "The Alles Ge-One"
So leicht ist es nicht mehr, den Überblick zu behalten, aber sein Trainerstart mit sechs Siegen dürfte Schubert nun den ersten echten Bundesligarekord beschert haben. Willi Entenmann ist eingeholt, der 1986 beim VfB Stuttgart ebenso erfolgreich loslegte. 18:3 Tore schaffte der VfB unter Entenmann, mit 21:6 Toren liegt Schubert also minimal vorne. "The Alles Ge-One" hat den Reportern am Samstag einen Satz von epischer Schönheit in die Blöcke und Aufnahmegeräte diktiert: "Wir sind alle Interimstrainer", sagte Schubert, "ich habe nur keinen Vertrag." Das muss man erstmal sacken lassen und bei einem Glas Rotwein über die Vergänglichkeit des Lebens sinnieren.

3. Nur Weisweiler und Heynckes schafften mehr
Nachdem Entenmann eingeholt ist, bewegt sich Schubert auch vereinsintern in historischen Sphären. Lucien Favre schaffte 2013 einmal sechs Siege in Folge, mehr gab es nur 1970 (acht) und 1987 (zwölf). Man traut sich kaum, die kommenden Gegner in der Bundesliga – Ingolstadt, Hannover und Hoffenheim – aufzuzählen. Okay, jetzt ist es doch passiert. Die Favre-Serie vor zwei Jahren setzte sich übrigens aus vier Heim- und zwei Auswärtssiegen zusammen. Unter Schubert gelangen jetzt erstmals seit der Saison 1994/95 drei Auswärtssiege hintereinander.

Fotos: Borussia trainiert vor Heimspiel gegen Juventus FOTO: Dirk Päffgen

4. Favre hat Geburtstag
2013 sangen ihm 6000 Fans in Hamburg ein Ständchen, 2014 war es der gesamte Borussia-Park. Lucien Favre dürfte an diesem 2. November einen ruhigeren Geburtstag verbringen. So oder so: Alles Gute zum 58.! Vor genau einem Jahr gewann die Borussia furios mit 3:1 gegen Hoffenheim und verbesserte den Ungeschlagen-seit-Saisonbeginn-Rekord von Hennes Weisweiler. Christoph Kramer hatte noch nicht sein wahnsinniges Eigentor in Dortmund fabriziert, niemand ahnte etwas vom Rückrundenmeister Gladbach, die Champions League war ein Traum, aber kein erfüllter. Jetzt kommt am Dienstag Turin und ein grüner Kapuzen-Pullover ist im Fanshop vergriffen. Wer behauptet, zu wissen, wie es am 2. November 2016 aussieht, kann unmöglich die Wahrheit sagen.

5. Xhaka macht weiter Werbung
Granit Xhaka wollte mehrmals mit dem Fußball aufhören, zuletzt in diesem Frühjahr, aber dann hielt sich die Borussia wie erwartet die Konkurrenz vom Leib und zog in die Königsklasse ein. Xhaka machte weiter – ein Mann, viele markige Wort. Sein "Wofür brauchen wir einen neuen Trainer?" nach dem Sieg gegen den VfL Wolfsburg Anfang Oktober ist zum Mantra geworden. Damals war Xhaka ein Vorreiter, was ihm als Kapitän ja zusteht. Inzwischen ist der Chor der Schubert-Befürworter lauter geworden, für seine Verhältnisse fast schon nüchtern hat Xhaka am Samstag dennoch nachgelegt: "Wir würden ihn gerne behalten", sagte der Schweizer.

6. Alle 74 Minuten ein Pfiff
Bis vor kurzem war es eine Herausforderung, die aktuelle Bilanz der verursachten Elfmeter von Borussia Mönchengladbach wie aus der Pistole nennen zu können. "Fünf in sechs Spielen", "sieben in acht", "acht in neun", "neun in zehn", "zehn in zwölf" – zuletzt war etwas Ruhe eingekehrt, bevor Thorgan Hazard am Samstag nach 412 Minuten mal wieder einen Strafstoß verursachte. Falls jemand fragt: Die richtige Antwort lautet "elf in 16", gültig mindestens bis Dienstagabend 20.45 Uhr. Auf der anderen Seite des Spielfeldes ist unter Schubert jedoch genauso viel los. Fünf Elfmeter hat die Borussia in den vergangenen sieben Spielen bekommen. Alle 74 Minuten zeigt der Schiedsrichter auf den Punkt, seit Schubert auf der Bank sitzt. Zur Einordnung: Insgesamt gibt es in der Bundesliga nur alle 228 Minuten einen Elfmeter. 

7. Wann verlängert Nordtveit?
Havard Nordtveit war auch schon involviert, wie 16 seiner Teamkollegen, die entweder einen Elfmeter verursachten, herausholten oder ausführten. Allerdings hat diese Rolle die Saison des Norwegers bislang nicht geprägt. Vielmehr positioniert sich Nordtveit gerade einmal mehr als Allzweckwaffe, was angesichts seines auslaufenden Vertrages zum Trumpf wird. Der 25-Jährige hat als Innenverteidiger, Sechser und rechter Verteidiger begonnen, war zudem gegen Wolfsburg als Joker erfolgreich und gegen Schalke in der Bundesliga ein wichtiger Stabilisator, als er für Mahmoud Dahoud reinkam. Gegen Berlin lief er nun zum vierten Mal in seiner Gladbacher Zeit hinten rechts auf. Nach drei Niederlagen gab es den ersten Sieg, den Nordtveit mit seinem Tor zum 4:1 in der Nachspielzeit versüßte. Er gehört zum Quintett, das sowohl in der Relegation als auch in der Champions League gespielt hat. Da sollte noch mehr kommen.

Statistische Veränderungen unter André Schubert

8. In der Luft noch Luft nach oben
Vier verschiedene Spieler waren am Samstag in Berlin für die Borussia erfolgreich, die für den Gegner so ganz schwer auszurechnen ist. An die elf Torschützen dieser Saison reicht kein Team heran, Bayern und Stuttgart haben neun. Auch sechs Spieler mit mindestens zwei Toren sind unübertroffen. Es treffen die Stürmer, die Flügelspieler, die Sechser und nun auch noch die Außenverteidiger. Nur Andreas Christensen und Alvaro Dominguez könnten mal einen reinnicken – aber es muss ja noch Steigerungspotenzial geben.

9. Zurück in die Zukunft
Wenn von Alexander Baumjohann und Tobias Levels die Rede ist, klingt das beinahe wie eine Erzählung aus dem Jahr 1993. An diesem Wochenende stand jedoch 2009 im Fokus, damals hatten beide zuletzt in der Bundesliga getroffen, was für diesen Text nur interessant ist, weil sie damals das Trikot der Borussia trugen. Baumjohann war beim 3:2 gegen Hannover 96 am Karnevalssamstag erfolgreich, Levels zwei Wochen später beim 4:1 gegen den Hamburger SV – und Gladbachs Trainer in der Saison nach dem Wiederaufstieg hieß Hans Meyer. Das klingt dann wirklich nach 1993.

10. Hauptsache Heimspiel
Neunmal in Folge musste die Borussia im DFB-Pokal auswärts antreten. Dementsprechend kommentierte Schubert nach der Auslosung am Sonntag erst einmal die Tatsache, dass da Mitte Dezember überhaupt jemand in den Borussia-Park kommt. "Das Wichtigste ist, dass wir ein Heimspiel haben", sagte der 44-Jährige. Werder Bremen ist sogar ein attraktives Los, wenn man bedenkt, dass außer Gladbach nur noch acht Bundesligisten drin sind und die Bayern sowie der BVB im Achtelfinale noch nicht unbedingt sein müssen. Die Paarung hat zweifellos Free-TV-Potenzial, obwohl die Borussia schon in den ersten beiden Runden live in Ersten gezeigt wurde. Jetzt beginnt das ARD-interne Geschacher: Augsburg gegen Dortmund dürfte es auf jeden Fall werden, Leverkusen im Sportpark von Unterhaching will dagegen nur jemand sehen, falls Michael Ballack noch einmal mitspielt. Wenn die ARD Bayern gegen Darmstadt zu einseitig findet – was sie sollte –, dann hat Gladbach gegen Bremen gute Chancen.

 

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