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Borussia Mönchengladbach
Schuberts Strategie-Wechsel

Borussia Mönchengladbach: Scorerliste der Saison 2015/16
Borussia Mönchengladbach: Scorerliste der Saison 2015/16 FOTO: ap
Mönchengladbach. In Lucien Favres Vorstellung gefährden zu frühe Einwechslungen die Stabilität einer Mannschaft. Nachfolger André Schubert wählt Wechsel dagegen als bewusstes Element für Impulse und "Personalentwicklung" bei Borussia. Ein Vergleich. Von Stefan Klüttermann

André Schubert musste eine Entscheidung treffen. Wen würde er einwechseln für Ibo Traoré? Es würde eine weitreichende Entscheidung sein, schließlich waren am Mittwochabend gegen Sevilla noch gut 75 Minuten zu spielen. Schubert entschied sich, Josip Drmic auf den Flügel zu beordern.

Eine mutige Entscheidung. Warum? Weil Thorgan Hazard der logische, weil positionsgetreue Ersatz für seinen Kumpel Traoré gewesen wäre. Doch Schubert brachte Drmic, der lieferte sein bisher bestes Spiel als Borusse ab, und die Einwechslung selbst ging in der Analyse des Nachgangs so als kluge Entscheidung durch.

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Borussia und die Einwechslungen – es ist neben dem höheren Anlaufen des Gegners und der offensiveren Ausrichtung der Außenverteidiger vielleicht der dritte markante Unterschied zwischen Schuberts Vorstellungen und den Überlegungen von Vorgänger Lucien Favre. Der Schweizer setzte gerne auf eine bewährte Startelf und sah in zu frühen Einwechslungen eher eine Gefahr für die Stabilität der Mannschaft als einen Nutzen in Form neuer Impulse. Indem er in den ersten Jahren seiner Tätigkeit bei Borussia Kontinuität im Personal schuf, entwickelte er letztlich nach und nach die taktische Reife seiner Spieler, die eine Basis seines großen Erfolges in Gladbach war.

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Wenn Favre wechselte, wechselte er spät. Belastung zu verteilen und alle bei Laune zu halten, schaffte und akzeptierte Favre erst über die Rotation der Vorsaison, als die qualitative Kadertiefe auch dementsprechend war. Dafür erntete er viel Lob. In den letzten Wochen seiner Tätigkeit suchte er den Weg zur Besserung dann in für ihn ungewöhnlich vielen Personalwechseln von einem zum anderen Spiel, korrigierte aber (Fehl-)Entscheidungen in einem Spiel wie gegen den HSV die Doppelsechs Jantschke/Nordtveit und den Flügelspieler Lars Stindl nicht.

Schubert sieht in den Einwechslungen – das zeigen die ersten Wochen – klar ein Mittel für Impulse. Sportdirektor Max Eberl bescheinigte seinem Neu-Cheftrainer erst am Wochenende gegen Hannover, "intelligent" gewechselt zu haben. Schubert plant Wechsel in seine Marschroute ein.

Als er beim Debüt gegen Augsburg Rekonvaleszent Fabian Johnson als Stütze der Startelf brachte, war seine Auswechslung nach einer Stunde Teil des Kalküls. Wenn Senkrechtstarter Mo Dahoud mal zu viel Körner lässt, nimmt Schubert ihn - wie gegen Schalke oder Ingolstadt - auch schon mal kurz nach der Pause runter. Und als Alvaro Dominguez in Stuttgart nicht fit genug für einen Einsatz Beginn an war, brachte ihn Schubert in der Schlussphase dennoch - für Favre wäre das undenkbar gewesen.

In den Spielzeiten 14/15, 13/14 und 12/13 setzte Borussia in der Liga stets die wenigsten Spieler ein. Aktuell sind es die meisten. Das hat mit den vielen Verletzten zu tun, aber auch damit, dass Schubert mehr wechselt. Ganz nebenbei taugen diese Wechsel auch zur "Personalentwicklung". Drmic sammelt aktuell über sie Spielpraxis und Selbstvertrauen. "Ich bin froh, dass ich dazu beigetragen habe, dass wir dieses Spiel gewonnen haben. Ich hoffe, es geht jetzt so weiter", sagte er nach dem Sevilla-Spiel. Auch Nico Elvedi kommt über Kurzeinsätze heran, und Havard Nordtveit ist inzwischen gefühlt irgendwo fast immer dabei.

Der nächste, der einer Schubertschen Wechselkur bedarf, ist Hazard, der zuletzt ins Hintertreffen geraten ist. Roel Brouwers und Branimir Hrgota sind indes bislang nicht wirklich Teil des Wechselkarussells. Und weil sich dieses eben wieder stärker dreht, ist dies umso auffälliger.

Quelle: RP
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