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Schwierige Ermittlungen
Viersenerin entging Angriff auf Dortmund-Fans nur knapp

Angriff auf Fans von Borussia Dortmund: "Das ist schon gruselig"
Die Bundespolizei ermittelt, nachdem 40 Vermummte Fans von Borussia Dortmund angegriffen haben. FOTO: dapd, dapd
Viersen/Dortmund. Nach dem Angriff auf BVB-Fans im Regionalexpress 6 gestalten sich die Ermittlungen schwierig. Daniela Seipelt aus Viersen saß im Zug und hatte Glück, dass sie geistesgegenwärtig reagierte. Von Jannik Sorgatz

Daniela Seipelt hat großes Glück gehabt am Samstagabend um kurz vor halb elf. Als 40 Vermummte kurz vor Bochum einen Wagen des Regionalexpress 6 stürmten, saß sie mit ihrem Mann am anderen Ende des Zugs.

"Zum Glück keine Kinder dabei"

Die Angreifer bedrohten BVB-Fans, verpassten ihnen Faustschläge und entrissen ihnen Fankleidung. "Geistesgegenwärtig habe ich mein schwarz-gelbes Trikot ausgezogen und unter der Jacke versteckt", erzählt Seipelt unserer Redaktion am Telefon . "Wir haben gemerkt, dass auf der anderen Seite plötzlich Aufregung herrschte. Es spritzte Bier. Dann liefen all diese Leute mit Tüchern vor dem Mund oder Sturmhauben an uns vorbei."

Seipelt und ihrem neutral gekleideten Mann, die auf der Rückreise vom 0:0 zwischen Borussia Dortmund gegen Bayern München ins heimische Viersen waren, passierte nichts. "Zum Glück hatten wir die Kinder nicht dabei. Die sind neun und elf Jahre alt", sagt sie. Nach dem Angriff sei es im Zug verstörend ruhig geworden. Beim Ausstieg habe sie gesehen, wie blutige Taschentücher auf dem Boden lagen, erzählt Seipelt.

Gewöhnlich fährt das Paar mit dem Auto

Für gewöhnlich würde die Familie mit dem Auto zum Stadion fahren, aber diesmal habe es zuvor Warnungen vor dem hohen Verkehrsaufkommen gegeben. In Dortmund war am Wochenende Motorrad-Messe. "Man will einfach ein nettes Fußballspiel gucken und dann passiert so etwas, das ist schon gruselig", sagt Seipelt.

Im offiziellen Polizeibericht war die Rede davon, dass einige der Angreifer das Vereinslogo von Borussia Mönchengladbach, die schwarz-weiße Raute mit dem B, auf ihren Klamotten gehabt hätten. Das könne sie zumindest nicht bestätigen, sagt Seipelt. Sie habe lediglich andere Gladbach-Fans im Zug gesehen, die sich auf der Rückfahrt vom Spiel beim VfL Wolfsburg befanden. Die Rivalität der beiden Borussias hat sich in den vergangenen Jahren noch einmal vergrößert, da sich BVB-Anhänger immer wieder offen mit dem 1. FC Köln solidarisieren.

Immer wieder Gewalt und Ärger

Der RE6 startete um 20.28 Uhr im ostwestfälischen Minden, das am Wochenende ein Knotenpunkt Fußballfans ist, die mit dem Zug reisen. Dort kommt es öfter zu Zwischenfällen. Erst im November 2015 schlug ein Dortmund-Fan einem 26-jährigen Hamburger mit einer ungeöffneten Bierdose gegen den Kopf. Im Mai 2015 ging eine große Gruppe Dortmunder auf neun Gladbach-Fans los und verletzte einen 22-Jährigen.

Nun also ein weiteres Kapitel der scheinbar endlosen Geschichte "Wenn Fußballfans mit dem Zug fahren". Die Bundespolizei ermittelt wegen Raubes. Der Zug selbst sei nicht videoüberwacht gewesen. Zunächst hatten die Ermittler vermutet, dass die Angreifer geschlossen am Bochumer Hauptbahnhof ausgestiegen waren. Dort hätten Videoaufnahmen Hinweise liefern können. Dass dies der Fall war, habe sich jedoch nicht bestätigt, teilte Volker Stall von der Bundespolizei aus Dortmund am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion mit.

Polizei studiert Spiel- und Fahrpläne

Das Problem, wenn rivalisierende Fangruppen an Bahnhöfen oder in Zügen aufeinandertreffen, sei bekannt. "Mehrere Beamte sind bereits nur dafür da, sich den Spielplan anzuschauen, um herauszufinden, wo sich Fans in die Quere kommen können, um dort verstärkt Personal einzusetzen", sagt Stall. "Fans, die sich unauffällig und nicht aggressiv verhalten, werden dann auch nicht mehr begleitet."

Beim Vorfall im RE6 am Samstag wurde ein Dortmund-Fan verletzt, weil einer der Angreifer ihm seinen Schal so brutal vom Hals riss, dass er eine Brandwunde erlitt. Geschädigte und Zeugen des Angriffs werden weiterhin gebeten, sich mit der Bundespolizei unter der kostenfreien Telefonnummer 0800 6 888 000 in Verbindung zu setzen.

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