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Borussia Mönchengladbach
Bielefelder Finger in Borussias Plan-B-Wunde

Traore schleicht nach Elfmeter-Fehlschuss vom Platz
Traore schleicht nach Elfmeter-Fehlschuss vom Platz FOTO: afp, agz
Mönchengladbach. Beim Pokalaus bremsen ein engagiert verteidigender Drittligist und ein holpriger Rasen Borussias hochgelobte Spielphilosophie aus. Die Frage nach einem Plan B mit einem kopfballstarken Stoßstürmer wird so wieder mal laut. Womöglich will man diesen aber gar nicht erst entwickeln. Von Stefan Klüttermann

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann suchen sie noch heute die Lücke - so könnte ein modernes Märchen anfangen, dass sich mit Borussias Pokalaus auf der Bielefelder Alm beschäftigt. Es wäre ein Märchen ohne Happy End, weil die Aussicht auf das Finale in Berlin eben in Ostwestfalen so jäh wie unerwartet endete. Der Traum vom Titel zerplatzte, weil die Borussen es nicht schafften, aus einer drückenden Überlegenheit Torchancen zu kreieren. Das hatte drei Ursachen: 1) den couragiert und laufintensiv verteidigenden Gegner, der Gladbach eben weniger Räume anbot als es munter mitspielende Hoffenheimer taten, 2) einen holprigen Platz, den auch der als Grund anführen darf, der in ihm keine Entschuldigung sehen will, und 3) Borussias Ohnmacht, einen Plan B umzusetzen, nachdem sich der Plan A der hochgelobten Ballzirkulation wegen 1) und 2) als nicht zielführend erwies.

Doch diesen Plan B gibt es eben nicht. Das ist so lange kein Problem, so lange Borussia erfolgreich ist. Als Lucien Favres Team jüngst gegen Hannover ähnlich wie nun in Bielefeld ein Handballartiges Angriffsspiel samt geduldigen Herausspielens der Lücke als Weg zum Ziel auserkor, war am Ende alles gut, weil man 2:0 gewann. Doch bei genauerem Hinschauen war das Bielefeld-Spiel eben nicht wie das Hannover-Spiel, sondern wie das 0:1 vor zwei Monaten auf Schalke. Am Mittwoch wie damals wich Gladbach bis zum Schlusspfiff nicht (bis auf ein paar schüchterne lange Bälle) vom Primat des Kurzpassspiels ab, das Ballverschieben erschien vielen Beobachtern als Selbstzweck. Doch die Brechstange steht eben nicht in Favres Geräteschuppen. Und ein kopfballstarker Stürmer nicht im Kader. Die Variante mit André Hahn kann darüber nicht hinwegtäuschen. Und was passiert, wenn die Ballzirkulation nicht funktioniert und kein Plan B vorhanden ist? "Dann sind die Möglichkeiten ja schon ein bisschen rar. Du musst halt an deiner Spielphilosophie festhalten, musst sie, so gut wie es geht, umsetzen", sagt Christoph Kramer, "es war ein bisschen ein Rückschritt, weil wir das Problem schon mal gegen tief stehende Gegner hatten."

Kruse bleibt in Bielefeld vom Punkt eiskalt FOTO: Dirk Päffgen

Letztlich stellt sich also die Frage: Will Favre überhaupt einen Plan B entwickeln? Dass er die Spielweise seiner Mannschaft verändern kann, hat er seit 2011 mehrfach bewiesen, aber Fakt ist eben auch, dass das, was in Borussias Spielanlage zuweilen so perfekt funktioniert, deswegen so perfekt funktioniert, weil es der alleinige Weg ist, der von den Spielern verinnerlicht werden muss. Das sorgt in der Mehrheit der Fälle für 1a-Automatismen wie zuletzt in Reinform in Sinsheim, aber eben auch immer mal wieder für eine hilflose Abhängigkeit von der Ballzirkulation wie am Mittwoch in Bielefeld. Arminia legte also den Finger in Gladbachs Plan-B-Wunde.

Ein zu langes Festhalten an der einen Herangehensweise birgt dabei nachweislich Probleme. Barças Tiki-Taka war irgendwann genauso von den Gegnern decodiert wie Jürgen Klopps hohes Gegnerpressing des BVB samt Überrennen der Gegenseite. Und selbst Pep Guardiola und sein FC bayern haben erkennen müssen, dass Ballbesitz irgendwann aus sich selbst den größten Reiz zu ziehen droht. Insofern ist Favre wie jeder Trainer, der einmal einer Mannschaft ein erfolgreiches System entwickelt hat, gezwungen, eben dieses weiterzuentwickeln, nach Alternativen zu suchen. Denn Stillstand ist Rückschritt, und Rückschritte waren unter ihm zuletzt eigentlich selten in Gladbach.

Bielefeld jubelt über Pokal-Coup gegen Gladbach FOTO: dpa, frg jai
Quelle: RP
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