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Borussia Mönchengladbach
Bonhof: "Es gab bei uns nie Zweifel an André Schubert"

Mönchengladbach. Borussias Vizepräsident spricht über die turbulente Saison, die nahe Zukunft des Vereins und die Diskussion um den Trainer.

Herr Bonhof, fühlen Sie sich manchmal an sich selbst erinnert, wenn Sie André Hahn bei der Arbeit zuschauen? Auch Sie waren zu Ihrer Zeit als Profi ein unermüdlicher Kämpfer, dem nichts geschenkt wurde.

Bonhof Ich mag ja diese Vergleiche mit der Vergangenheit nicht. Es war eine andere Zeit. Aber es ist richtig, dass André eine Kämpfernatur ist. Das war er aber immer, ich erinnere an die vergangene Saison, als er beim 2:0 in Bremen, mit dem wir die erste Champions-League-Teilnahme klar gemacht haben, den verlorenen Ball zurückeroberte und damit Raffael das 2:0 auflegte. Jetzt hat er sich eindrucksvoll zurückgemeldet nach seiner schweren Verletzung.

Ist Hahns fulminantes Comeback auch ein bisschen symbolisch für die gesamte Saison Borussias? Immerhin hat er nach der Rückkehr die entscheidenden Tore gemacht für Platz vier.

Bonhof André war natürlich in den letzten, entscheidenden Spielen, der, der die Tore gemacht hat. Aber es nur auf eine Stehauf-Mentalität zu reduzieren, wäre mir insgesamt zu einfach. Alle haben über die gesamte Saison hart gearbeitet. Was wir gesehen haben, ist, dass sehr, sehr viel Überzeugung in dieser Mannschaft steckt. Aber auch viel fußballerische Qualität.

Haben Sie nach dem fünften Spieltag, als Borussia punktloser Letzter war und Trainer Lucien Favre ging, damit gerechnet, dass diese Saison noch so enden kann?

Bonhof Es war eine schwierige Situation, und natürlich hat man sich auch das eine oder andere nicht so schöne Szenario ausgemalt. Sicherlich hat man auch mal den BVB gedacht, der es in der Saison vorher vom letzten noch auf den siebten Platz geschafft hat. Aber dass wir dann im Dezember Dritter waren und als Vierter in die Winterpause gingen und schon alles repariert war - das war beeindruckend. Es hat mir viel Spaß gemacht, in der Phase von Woche zu Woche zu beobachten, wie die Mannschaft reagiert.

Vorher haben sich die Verantwortlichen viele Gedanken darüber gemacht, wie die Zeit nach Lucien Favre werden könnte. Und dann war diese Zeit plötzlich von heute auf Morgen da.

Bonhof Das hat uns sicherlich überrascht. Aber bei aller Dankbarkeit dafür, dass er uns viel geholfen hat mit seiner Arbeit, muss man sagen: Irgendwie geht es immer weiter im Fußball, die Zeit wird ja nicht angehalten, wenn ein Trainer geht. Und - ich weiß, es ist eigentlich drei Euro wert, aber ich sage es trotzdem - jedes Ende ist immer auch ein Anfang. André Schubert hat übernommen, hat drei Tage lang intensiv mit dem Team gearbeitet und dann stand es nach 20 Minuten gegen Augsburg 4:0. Es war der perfekte Einstieg in die neue Zeit.

Was hat Ihnen an der Arbeit des neuen Trainers André Schubert besonders imponiert?

Bonhof Er hat mit seiner ruhigen Arbeit und seinem Wissen darum, wo er den Hebel ansetzen muss, den Glauben des Teams an sich selbst wieder hingekriegt. Danach hat er weitergearbeitet, hat seinen Stil mehr und mehr entwickelt, und wir haben über weite Strecken der Saison großartigen Offensivfußball gespielt. Darüber freuen sich die Leute im Stadion, denn sie haben gespürt, dass die Jungs immer alles gegeben haben. Das war nur in wenigen Spielen nicht der Fall.

Trotzdem gab es eine Diskussion um Schubert.

Bonhof Die kam aber von außen. Wenn es nicht gestimmt hätte intern im Team und im Trainerstab, dann hätten wir nach den beiden schwachen Spielen in Ingolstadt und Hannover doch nicht so einen fulminanten Endspurt hingelegt. Wir haben uns durch nichts aus der Ruhe bringen lassen, so wie es schon in den Jahren vorher gewesen ist. Es gab nie Zweifel bei uns. Und ich denke auch, dass Max Eberl das stets klar zum Ausdruck gebracht hat. Alles in allem kann man sagen: Es war nach dem schwierigen Start eine herausragende Saison. Wir haben 55 Punkte geholt, sind Vierter geworden und haben gezeigt, dass wir mit Druck umgehen können.

Borussia wird in der neuen Saison zum zweiten Mal nach 2012 in den Play-offs zur Champions League mitspielen. Sie wird wohl wieder einen starken Gegner bekommen, da sie wieder nicht gesetzt sein wird bei der Auslosung. Trotzdem: Was ist anders als 2012?

Bonhof Wir haben in den vergangenen Jahren, in denen wir dreimal international gespielt haben, wichtige Erfahrungen gesammelt. Insbesondere in der vergangenen Saison, als wir in der Champions League dabei waren. 2012 sind wir ja fast ein bisschen zufällig in die Play-offs gerutscht, und waren vielleicht entsprechend naiv. Jetzt wissen wir, wie wir solche Spiele angehen müssen. Darum ist es eine andere Borussia, die in die Play-offs gehen wird.

Es gibt viele junge Spieler im Team. Wer hat Ihnen besonders imponiert in der abgelaufenen Saison?

Bonhof Die jungen Spieler haben sich toll entwickelt. Sie wurden ins kalte Wasser geworfen, als die Achse der Vorjahre wegfiel, und sie haben sich freigeschwommen. Ein junger Kerl wie Nico Elvedi fährt jetzt vielleicht sogar mit zur Europameisterschaft. Das sagt doch alles. Klasse.

Auch Granit Xhaka hat sich entwickelt - zur Führungsfigur. Er wird aber wohl den Verein verlassen. Das alte Gladbacher Leid.

Bonhof Granit hat sich großartig entwickelt. Was nun kommt, warten wir mal ab. Wir hatten bis hierher eine tolle Zeit mit ihm, die für ihn und uns wichtig war. Ob wir Nein sagen können und werden, wenn ein unglaubliches Angebot aus England da ist, weiß ich nicht.

Am Donnerstag jährte sich das 1:0 im Relegationsspiel gegen Bochum, das 2011 die Basis für die Rettung war, zum fünften Mal. Waren dieses Spiel und das Tor von Igor de Camargo in der Nachspielzeit der Ursprung all dessen, was seither mit Borussia passiert ist?

Bonhof Es gibt das viele Gründe, und die Relegation ist ein wesentlicher davon. Ich glaube, dass die Erfahrung, die unsere Spieler da gemacht haben, sie auf eine besondere Weise hat reifen lassen. Zudem wollten sie so etwas auf keinen Fall noch mal erleben. Und sie haben gemerkt, was man bewegen kann, wenn man von Spiel zu Spiel alles abruft. Das hat uns getragen und uns im Jahr danach auf Platz vier geführt. Die Relegation hat uns für die Zukunft stark gemacht.

Die Zukunft ist auch Internationalisierung. Borussia hat nun einen chinesischen Sponsor und war gerade auf einer Tour de Suisse.

Bonhof ZTE passt zu uns, ich denke, es ist eine gute Symbiose, die beiden Seiten viel Potenzial eröffnet. Und die Reise in die Schweiz ist wichtig, weil wir als Borussia Mönchengladbach auch nah an den Fans sind. Sie fahren stets viele tausend Kilometer für den Klub, und auf diese Weise können wir etwas zurückgeben.

Was erwarten Sie von der neuen Saison? Die Erwartungen im Umfeld werden sicher weiter steigen.

Bonhof Das können wir nicht verhindern. Ich kann aber versichern, dass wir auf dem Boden bleiben werden. Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass wir uns in der neuen Saison national und international gut präsentieren werden. Was das im Einzelnen heißt, lasse ich offen. Uns ist es wichtig, den nächsten Entwicklungsschritt zu machen. Aber wir wissen, dass wir eine richtig gute Mannschaft haben, die sehr gut zusammengestellt ist. Es wird leichte Veränderungen geben, die uns aber in der Summe besser machen, glaube ich. Es hat in den vergangenen Jahren immer gegriffen, was Max Eberl geholt hat. Wir können uns auf die neue Saison freuen.

Quelle: RP
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