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Chronologie der Rivalität
Seit zehn Jahren Fan-Ärger zwischen Köln und Gladbach

Borussia Mönchengladbach - 1. FC Köln: Seit Jahren immer wieder Fan-Ärger
Beim Derby am 7. April 2008 präsentiert die Kölner Kurve die geklaute Zaunfahne der Ultras Mönchengladbach. FOTO: Dieter Wiechmann
Mönchengladbach. 2008 war es ein Fahnenklau, der der Rivalität zwischen Borussia Mönchengladbach und dem 1. FC Köln eine zeitweise verheerende Richtung gab. Zuletzt blieb es zwei Jahre lang weitgehend ruhig. Nun wird wieder über einen Fahnenklau diskutiert. Von Jannik Sorgatz

Auch dieses Derby hätte allein von seiner sportlichen Brisanz leben können, vom Geschehen auf dem Rasen in 90 Minuten plus insgesamt sechs Minuten Nachspielzeit. Schließlich wurde es das achte in Folge, das mit maximal einem Tor Unterschied endete. Doch nach einem Vorfall in der Halbzeitpause gibt es mehr aufzuarbeiten als Borussias 1:2-Niederlage beim 1. FC Köln. Ein Rückfall in überwunden geglaubte Zeiten, was Ärger zwischen den Fanlagern angeht.

Die Zuschauer, die sich nicht zum Bratwurst- oder Getränkekauf verdrückt hatten und im Stadion geblieben waren, benötigten ein paar Sekunden, um zu erkennen, was sich da am Sonntag abspielte. Ein Mann in orangefarbener Ordner-Weste sprintete über den Platz wie ein Runningback beim American Football. Seine Endzone: die Kölner Südkurve. In seiner Hand: kein eiförmiger Ball, sondern eine grün-schwarze Fahne. Nach einem beherzten Sprung über den Zaun verschwand der Dieb - so viel war mittlerweile klar - in der Menschenmenge.

Ausschreitungen nach Kölner Fahnenklau FOTO: dpa, ve nic

Die Kölner Fans johlten, die Gladbacher Fans tobten. Aus dem Kreis der Ultras wiederum kletterten einige über den Zaun in den Innenraum. Was genau ihre Intention war, wurde nicht klar, weil die Polizei sofort herbeieilte, um die Lage zu beruhigen. Auf Bildern ist zu sehen, dass auch Schlagstöcke eingesetzt wurden. Anschließend stellten die Borussia-Anhänger im unteren Teil des Gästeblocks den Support ein, hängten Fahnen und Banner ab. Aus der Kölner Kurve kamen hämische Gesänge. Nach Simon Teroddes Siegtor nach 94 Minuten und 58 Sekunden war die Schmach dann perfekt - für Borussias Mannschaft genauso wie für ihre Fans. Und die Liste der Tiefpunkte in der Rivalität zwischen Köln und Gladbach ist um ein Kapitel reicher.

16. März 2008

Bald ist es genau zehn Jahre her, dass die Ultras Mönchengladbach, wie sie damals noch hießen, diese Sätze schrieben: "In den Abendstunden nach dem Heimspiel gegen den FC St. Pauli ist es drei unbekannten Jugendlichen gelungen, in unseren Fahnenraum im Stadion zu gelangen. Dort entwendeten sie unter anderem unsere Heimspielzaunfahne." Die Ultra-Gruppierung löste sich auf, ein für Außenstehende oftmals nicht nachvollziehbarer Kodex schreibt es ihnen vor: "Es ist für uns deshalb unvorstellbar, noch einmal hinter diesem Namen zu stehen, der sich nun in den Händen des Feindes befindet."

7. April 2008

Borussia spielt zu dieser Zeit - genau wie der 1. FC Köln, dessen Ultras als Fahnendiebe ausgemacht werden - in der 2. Bundesliga. An einem Montagabend treffen die beiden Traditionsklubs im RheinEnergie-Stadion aufeinander. Es ist das Topspiel im Kampf um den Aufstieg, doch es wird überschattet von Ausschreitungen. Zunächst präsentieren Kölner Ultras in ihrer Kurve die geklaute Zaunfahne der Ultras MG. Im Gästeblock brechen Tumulte aus, Pyrotechnik sorgt für eine Spielunterbrechung. Gladbacher Spieler wie Sascha Rösler müssen die Lage beruhigen. Aus Borussia-Sicht endet auch dieses Spiel sportlich ernüchternd: Köln gleicht in der Nachspielzeit durch einen umstrittenen Elfmeter noch aus.

4. Oktober 2008

Gladbacher Hooligans schießen Leuchtraketen auf Shuttlebusse mit Kölner Fans. Die wiederum befreien sich, indem sie Scheiben kaputtschlagen. Rund 200 von ihnen versuchen daraufhin, das Gladbacher Fanhaus zu stürmen, was die Polizei verhindert. Das Spiel beginnt später, weil wichtige Anfahrtswege zwischenzeitlich gesperrt sind.

14. März 2009

Auf dem Weg zum Rückspiel in Köln wird eine Straßenbahn, in der Gladbacher Fans sitzen, mit Leuchtraketen beschossen. Zudem gibt es Schlägereien vor dem Stadion und Kölner Hooligans versuchen, den Gästeblock zu stürmen.

24. Oktober 2009

Rund um den Borussia-Park gibt es ein striktes Alkoholverbot. Die Sicherheitsmaßnahmen der Polizei erreichen ein trauriges Ausmaß, das mehr einem G20-Gipfel als einem Fußballspiel gleicht. Es bleibt dafür weitgehend friedlich. Auch auf dem Rasen tut sich beim 0:0 nicht allzu viel.

4. März 2012

Borussia hat an diesem Sonntag in Nürnberg gespielt, Köln in Hoffenheim. Auf der A3 drängen Mitglieder der Ultra-Gruppierung "Wilde Horde" einen mit sogenannten Gladbacher "Normalos" besetzten Fanbus auf einen Rastplatz. Mit Baseballschlägern und rot-weiß angemalten Pflastersteinen greifen sie den Bus an, dessen Fahrer Gas gibt, als eine kleine Lücke entsteht. So entkommen die Gladbach-Fans zumindest körperlich unversehrt. Erst 2015 werden drei inzwischen ehemalige Mitglieder der "Wilden Horde" zu Bewährungsstrafen verurteilt. Nach der Attacke auf der Autobahn entzieht der FC der Ultra-Gruppierung ihren Fanklub-Status. Bei einer Razzia stellt die Polizei Baseballschläger, Gasrevolver, Vermummungsmaterial, Rauschgift und hochexplosives Bengalisches Feuer sicher. "Wir dürfen das noch nicht einmal bei uns im Gebäude lagern, weil das so ein gefährliches Zeug ist", sagt ein Polizeisprecher.

21. September 2014

Es ist das erste Derby seit zweieinhalb Jahren. Weit vor dem Anpfiff prügeln sich Hooligans auf den Jahnwiesen hinter dem Kölner Stadion. Bei YouTube taucht ein Video auf, in dem ein Hooligan mit einem Verkehrspoller auf einen am Boden liegenden Mann einschlägt. Die Gewaltbereitschaft beider Seiten ist erschreckend. 93 Personen werden in Gewahrsam genommen. Zwei Tage vor dem Derby war aus dem Gladbacher Jugend-Fanprojekt "De Kull" ein Zaunsichtschutz entwendet worden. Während des Spiels, das 0:0 endet, taucht er in der Kölner Kurve auf. Diesmal gehen die Gladbach-Fans nicht auf die Provokation ein. Für Ärger sorgt eine Kölner Choreografie, die einen abgetrennten Fohlenkopf zeigt. Hier wiederum waren es Gladbacher gewesen, die die Halle überfallen hatten, in der die Choreo vorbereitet wurde.

14. Februar 2015

Granit Xhaka hat gerade in der Nachspielzeit den Siegtreffer für Gladbach erzielt, als rund 30 Kölner Hooligans den Platz stürmen. Sie tragen weiße Maleranzüge - es ist Karnevalssamstag. Auf dem Rasen kommt es zu Jagdszenen und Handgreiflichkeiten. Der 1. FC Köln wird hart bestraft: In drei Heimspielen dürfen knapp 3000 Fans weniger ins Stadion, zudem muss der Verein 200.000 Euro zahlen.

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19. September 2015

Die meisten Gladbach-Fans boykottieren das Derby in Köln, weil sie weniger Karten als sonst zur Verfügung gestellt bekommen haben und die Tickets nur personalisiert verkauft werden. Vor dem beinahe leeren Gästeblock hängt ein Transparent mit der Aufschrift "Wollt ihr das?". 500 zu Hause gebliebene Fans nehmen an einem Protestmarsch vom Fanhaus in die Gladbacher Altstadt teil. Borussia verliert 0:1, es ist das letzte Spiel von Lucien Favre.

20. Februar 2016

Diesmal sind es die Kölner Fans, die demonstrieren - in Rheydt. Ihr Kontingent ist halbiert worden, die aktive Kölner Fanszene bleibt dem Spiel fern. Auch die Gladbacher Ultras reagieren, in ihrem Fall mit einem Stimmungsboykott. "Ein Derby ohne Gegenüber ist für uns schlicht und ergreifend kein richtiges Derby!", heißt es in einer Mitteilung.

14. Januar 2018

Dreimal volles Karten-Kontingent, dreimal keine Randale, dreimal sportliche Hochspannung - zwei Jahre lang hat beim Derby das Geschehen auf dem Rasen im Mittelpunkt gestanden. Nach dem erneuten Fahnenklau durch Kölner Fans und dem versuchten Platzsturm Gladbacher Ultras sieht es wieder einmal anders aus.

 
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