| 18.53 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Wolfsburg als Spiegelbild der Saison

Einzelkritik: Offensive überzeugt nicht
Einzelkritik: Offensive überzeugt nicht FOTO: dpa, pst nic
Mönchengladbach. Mehr als 75 Stunden Fußball und ein Spiel in Wolfsburg spricht Bände: Borussia Mönchengladbach hätte es trotz einer schwachen Hinrunde noch nach Europa schaffen können. Sie war nah dran, hat jetzt aber nur noch theoretische Chancen. Von Jannik Sorgatz

Keine deutsche Mannschaft war in dieser Saison häufiger im Einsatz als Borussia Mönchengladbach. Wer verstehen will, warum es in der Europa League und im DFB-Pokal zweimal ein bitteres Aus ohne Niederlage gab und warum der Verein mit sehr großer Wahrscheinlichkeit erstmals seit 2013 das internationale Geschäft verpassen wird, der kann sich die 50 Spiele am Stück anschauen. Da dies jedoch mehr als drei Tage dauert, ein nützlicher Tipp: Das 1:1 beim VfL Wolfsburg reicht für einen Überblick.

  • Was fehlte?

Wieder mal nur ein zweites Tor.

  • Wer fehlte?

Weniger Spieler als in den vergangenen Wochen, aber von den eingesetzten Profis waren mindestens fünf nicht bei 100 Prozent.

  • Was hatte Wolfsburg, was Gladbach nicht hatte?

Über 57 Minuten nichts. Mit 5:12 Torschüssen waren die Gastgeber klar unterlegen, dann wurden sie großzügig eingeladen.

  • Wie war das Wetter?

Ausnahmsweise eine berechtigte Frage, weil Blitz, Donner und Hagel nach 78 Minuten für eine Unterbrechung sorgten. In der Kabine ordneten und erholten sich die Gladbacher etwas. Beide Teams konnten sich die Tabelle anschauen, weil unterdessen alle anderen Spiele zu Ende gingen.

"Wir wollten noch gewinnen", sagte Trainer Dieter Hecking, dessen Spieler in der Schlussphase engagierter auftraten. "Wenn Wolfsburg seine Konter besser ausspielt, verlieren wir. Aber das wäre uns in dem Fall egal gewesen, weil die Optionen Richtung Europa mit einem Sieg viel größer gewesen wären." Gladbach wäre auf den achten Platz gesprungen und hätte bei einem Erfolg gegen Darmstadt am letzten Spieltag nur hoffen müssen, dass Köln entweder nicht gegen Mainz gewinnt, Freiburg in München nicht gewinnt oder Hertha gegen Leverkusen verliert. Nun allerdings sind Freiburg und Hertha für Borussia unerreichbar, Köln muss verlieren, und zusätzlich darf Bremen in Dortmund nicht gewinnen.

Wieder einmal gab es kein Happy End. Nach dem Abpfiff saß Christoph Kramer entkräftet und enttäuscht in der Wolfsburger Seenlandschaft auf dem Rasen. Seine Rückkehr in die Startelf hatte Borussia mehr Stabilität verliehen, er lief 12,7 Kilometer, spielte bei 75 Versuchen nur fünf Fehlpässe und bereitete Jannik Vestergaards Tor gefühlvoll vor. Als er in der Interviewzone stand, hatte sich Kramer wieder gefangen. Wo die Punkte zu suchen sind, die fehlen? "In der kompletten Hinrunde", sagte Kramer. "Aber das ist eine ganz normale Entwicklung für einen Verein wie Borussia Mönchengladbach. In fünfeinhalb spektakulären Jahren hast du ein halbes gehabt, was aus unterschiedlichen Gründen echt Mist war."

Die Analysen der Spieler und ihres Trainers glichen sich so sehr, dass vermutet werden darf, sie hätten sich abgesprochen. Neben Kritik an der Ausbeute gegen die zwei Abstiegskandidaten Augsburg und Wolfsburg (jeweils 1:1) überwog die Haltung, man habe sich nichts vorzuwerfen in der Bundesliga-Rückrunde. Tatsächlich dürfte es die zweitbeste seit 24 Jahren werden, nur die 39 Punkte unter Lucien Favre 2015 bleiben unerreicht. "Wenn mir Anfang Januar jemand gesagt hätte, dass wir am letzten Spieltag noch die Chance haben auf Europa, hätte ich sofort eingeschlagen", sagte Hecking und bezeichnete die Ausbeute seit seiner Übernahme als "außerordentlich gut".

Es gibt reichlich Ansätze bei der Fahndung nach zwei, drei fehlenden Punkten. Zum einen gab es im Oktober, November und Dezember nur einen Sieg unter André Schubert. Zum anderen hat Borussia von den neun sieglosen Spielen unter Hecking nur eines mit zwei Toren Unterschied verloren. Es fehlt die Verlässlichkeit, die über Jahre das Plus war. 65 Minuten gut, 25 Minuten schlecht – typischer hätte das 1:1 gegen Wolfsburg kaum sein können

 

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