| 17.17 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Hazard und Hahn beenden Borussias Auswärtsmisere

Gladbach feiert Platz vier mit Europa-T-Shirts
Gladbach feiert Platz vier mit Europa-T-Shirts FOTO: Dirk Päffgen
Darmstadt. Borussia Mönchengladbach hat aus 99,99 Prozent Wahrscheinlichkeit 100 gemacht und beendet die Bundesliga-Saison auf dem vierten Tabellenplatz. Zum Abschluss gab es beim SV Darmstadt sogar einen 2:0-Auswärtssieg. Von Karsten Kellermann

Bevor der sportliche Wettstreit begann, trafen sich die beiden Trainer, Dirk Schuster und André Schubert, zum entspannten Plausch im Mittelkreis. Drumherum wärmten sich die Spieler auf, und bei den Borussen waren das viele, die in den vergangenen Wochen kaum oder nie in der Startelf standen. Schubert hatte ordentlich rotiert und seine Mannschaft quasi runderneuert. Diese hatte den Auftrag, das letzte Saisonspiel bei Darmstadt 98 zu gewinnen.

Es ging für die Gladbacher auch darum, diese kuriose Saison nicht um ein weiteres Kuriosum zu erweitern. Schließlich kam Gladbach ohne Auswärtssieg in der Rückrunde nach Darmstadt, und wollte möglichst vermeiden, diese Mangelbilanz nicht zur unabänderlichen Statistik werden zu lassen. Das gelang mit dem 2:0-Sieg. Thorgan Hazard traf vor der Pause, André Hahn danach.

André Schubert mit 1,90 Punkten im Schnitt

Borussia beendet die Saison mit 55 Punkten – nach fünf Partien hatte sie noch keinen. Somit holte die Mannschaft in den 29 Spielen mit dem Trainer André Schubert im Schnitt 1,9 Punkte (Saison gesamt: 1,61). Der Erfolg in Darmstadt war der 17. Sieg dieser Spielzeit, also wurde jedes zweite Spiel gewonnen. 13 Niederlagen gab es. Und vier Unentschieden – nur die Bayern und Hannover haben eben so viele, kein Team hat weniger.

In Darmstadt stand Tobias Sippel im Tor, vor ihm bildeten Nico Elvedi, Andreas Christensen und Havard Nordtveit die Dreierkette, auf den Außen spielten Patrick Herrmann und Ibo Traoré (Schubert hatte sich also für die sehr offensive Besetzung der offensiven Außenverteidiger-Rollen entschieden), vor der Abwehr ersetzte Marvin Schulz Mo Dahoud an der Seite von Granit Xhaka, und den Dreierangriff bildeten André Hahn, Thorgan Hazard und Jonas Hofmann. Der Ex-Dortmunder spielte zentral hinter den beiden anderen, auf der "Zehn" also, der Position von der er sagt, dass er sie besonders mag.

Das altehrwürde Stadion am Böllenfalltor war ausverkauft, und für einen Gladbach-Fanclub war es sogar ein Heimspiel: Die Odenwälder Fohlen, mithin der größte Fanklub Borussias, ist in Darmstadt ansässig. Marco "Toni" Sailer, der Kultspieler der "Lilien" bekam derweil vor dem Spiel stehende Ovationen, ähnlich wie Roel Brouwers, sein Pendant in Gladbach, eine Woche zuvor. Beide saßen zunächst auf der Bank. Djibril Sow, der Schweizer, gehörte erstmals zum Erstliga-Aufgebot Borussias. Brouwers, der noch zur Generation Wiederaufstieg 2008 gehört, geht, Sow, der im Sommer 2015 "für die Wiese" kam, steht für die Zukunft und war damals erst elf Jahre alt.

Tobias Sippel wieder 2:0

Für Herrmann war es eine neue Erfahrung in der Bundesliga. Er spielte auf der Außenbahn wie immer, doch er firmierte eben als offensiv ausgerichteter Außenverteidiger. Traoré auf der anderen Seite kennt sich mit dieser Neuformatierung schon aus, er macht den Job seit dem Hoffenheim-Spiel – und zwar zur Zufriedenheit seines Trainers. Herrmann hatte indes längst erklärt, dass er in der Ära von Lucien Favre ausführlich gelernt habe, nach hinten zu arbeiten, kein Problem also, nun ein bisschen defensiver ausgerichtet zu sein.

Währenddessen wartete Torhüter Tobias Sippel, der zuvor einmal gespielt hatte in dieser Saison (das war beim 2:0 gegen Wolfsburg in der Hinrunde) mit einem modischen Coup auf: Er trug Schuhe und Hanschuhe im chargierenden Farbenspiel: Der rechte Schuh war neongelb – wie der linke Handshuh. Und links war der Schuh rosa, passend zum rechten Handschuh. Dazu trug er eine uni-schwarze Torwartkluft mit weißen Seitenstreifen und schwarzen Stutzen.

Sein Gegenüber Lukasz Zulaska indes war ganz in Weiß unterwegs – und meist weit weg vom Ball. Denn zunächst waren es die "Lilien", von ihren sangesfreudigen Fans nach vorn gepusht, die mehr Ballaktionen hatten. Mit gewohnt intensivem Laufspiel und langen/hohen Bällen wollte Darmstadt Akzente zu setzen.

Granit Xhaka der Inspirator aus der Tiefe

Borussia hingegen versuchte sich in gelassener Spielkontrolle, wenn sie den Ball hatte. Mehr und mehr bekam sie auch die Kontrolle über das Geschehen, pirschte sich heran an das Tor der Darmstädter. Allerdings noch zu zögerlich, wie in der 19. Minute Hofmann, als er den Ball im Strafraum bekam, mit dem Schuss aber zu lange zögerte und dann abgeblockt wurde. Dass die Borussen technisch und taktisch reifer sind als der Aufsteiger, der nicht absteigen wird, zeichnete sich mehr und mehr ab. Granit Xhaka (machte er am Samstag sein letztes Pflichtspiel für Gladbach oder bleibt er doch Borusse?) war der Inspirator aus der Tiefe. Doch zu wirklich konkreten Torgelegenheiten kam Borussia zunächst nicht.

Am nächsten kam zuerst Darmstadt einem Tor. Marcel Heller spielte den Ball von rechts in den Strafraum, doch Felix Platte verpasste in der Mitte. Im Gegenzug machte Gladbach ernst: Hofmann ließ einen gut getimten Ball von Xhaka durch zu Hazard, der umkurvte Zaluska und schob den Ball zur 1:0-Führung ins Tor (31.). Sechs Minuten später hatte Hofmanm selbst die Chance zum 2:0, doch nach einem sehenswerten Zuspiel Traorés scheiterte er an Zaluska. Borussia dominierte nun eindeutig die Partie.

Darmstadts große Stärke, der Kampfgeist, funktioniert dann doch eher, wenn es um etwas Konkretes geht. Ihn nur zur Unterhaltung abzurufen, fiel den "Lilien" sichtlich schwer nach dem Rückstand. Der spielerische Ansatz der Borussen taugt an solcher Tagen eher. Hofmann und Hazard versuchten aus der Distanz, das 2:0 zu erzielen, in beiden Fällen flogen die Schussversuche links am Ziel vorbei.

Ebenso knapp schrammte Brouwers in der 59. Minute an seiner Einwechslung vorbei. Jedenfalls machte er sich vom Warmlaufen hinter dem Tor auf den Weg zur Bank, weil er vermeintlich dran zu sein schien. Doch als er ankam, fand er heraus: Gemeint war nur Julian Korb, der mit ihm ankam. So trollte sich Brouwers für den Moment wieder und erwärmte weiter seine Muskeln. Korb kam dann für Traoré.

Roel Brouwers kommt rein

Und kurz danach sorgte Hahn für die Entscheidung. Nach einer Flanke von Herrmann sorgte er mit einem Kopfball für das 2:0. Wer sonst, ist man geneigt zu fragen? Hahn ist der Mann der Stunde, der Treffer in Darmstadt war sein fünfter im vierten Spiel in Folge. Hahn erzielte das 67. Saisontor der Gladbacher und machte damit den ersten Auswärtssieg seit dem 31. Oktober 2015 endgültig perfekt. 

Jenseits des Sports gab es dann noch zweimal Rührung: Erst machte sich Sailer bereit für seinen Abschiedsauftritt für Darmstadt – und dann "roooooooelte" es am Böllenfalltor: Brouwers lief zur Bank (73.), entledigte sich der Trainingsjacke, wurde von allen auf der Bank nochmal gedrückt, dann von André Schubert instruiert (76.) und betrat schließlich gleichzeitig mit Sailer den Rasen.

Die Fans hatte ihre Freude an dieser Geschichte. Fortan hallte bei jedem Fall, der auch nur in die Nähe des niederrheinischen Niederländers kam, ein tausendkehliges "Roooooooel" aus dem Gladbacher Block. Das hatte sich Brouwers verdient. Er genoss es sichtlich und verabschiedete sich nach neun Jahren mit einem Sieg aus Gladbach.

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