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Borussia belohnt sich
Nach 431 Minuten war Schluss mit der Zählerei

Hannover - Borussia: Bilder des Spiels
Hannover - Borussia: Bilder des Spiels FOTO: dpa, jst
Hannover. Dieter Hecking hatte fast schon prophezeit, dass Borussias Flaute kurios enden würde. Doch damit dürfte er selbst nicht gerechnet haben. Am Ende schickte der Trainer in Hannover noch einen Debütanten aufs Feld. Von Jannik Sorgatz

Ein 1:0 im 2:2-Pelz

Wenn die Dinge im Fußball immer ihren verdienten und erwartbaren Weg gehen würden, wären die Borussen in der Anfangsphase in Führung gegangen. Danach hätten sie hinten nicht viel anbrennen lassen – bis zum Hannoveraner Ausgleich durch Ihlas Bebou in der 51. Minute. Christoph Kramer hätte in der Folge nach seinem herausragenden Dribbling die erneute Führung besorgt, nicht per Volley-Linksschuss in den Winkel. Zum Sieg hätte es trotzdem nicht gereicht, weil entweder Julian Korbs abgefälschter Schuss oder direkt danach Waldemar Antons Kopfball in der 78. Minute zum 2:2 ins Tor geflogen wäre. Allerdings: Derart realistische Szenarien ließen sich nach fast jedem Rückrundenspiel spinnen, und da kamen die Borussen im Konjunktiv meistens besser weg. So ist dieser 1:0-Sieg in Hannover zugleich eine Belohnung fürs vergebliche Anrennen der vergangenen Wochen und eine Warnung, sich keine Sekunde darauf auszuruhen.

Punkt- und Torlosigkeit beendet

Als Lars Stindl der Tor-Flaute nach 496 Minuten ein Ende setzte, konnte sich Gladbach nicht lange darüber freuen – das Derby gegen den 1. FC Köln im November 2016 ging auf kuriose und niederschmetternde Weise 1:2 verloren. In Hannover war am Samstag nach 431 Minuten Schluss mit der Zählerei, und weil hinten die Null stand, dürfte Kramers Treffer eine andere Wirkung entfalten. Den Negativrekord der Vereinsgeschichte behalten Bernd Krauss und zu einem kleinerem Anteil dessen Nachfolger Hannes Bongartz, unter denen Borussia in der Saison 1996/97 insgesamt 598 Minuten am Stück kein Tor schoss.

Weit schießen kann Kramer schon länger

Dieter Hecking macht im zwölften Jahr als Bundesliga-Trainer kaum jemand etwas vor. "Wahrscheinlich ist es so, dass ein Ball in Hannover dreimal abgefälscht wird und dann wissen wir auch nicht, wie er reingegangen ist", sagte er auf der Pressekonferenz am Donnerstag. Ordnet man die Prophezeiung als metaphorisch ein, darf sich Hecking bestätigt fühlen. Das dürfte sich nur schwer wiederholen lassen: Zum ersten Mal traf Kramer in der Bundesliga mit links, zum ersten Mal aus der Distanz. Wobei Yann Sommer sicherlich Einwände hat, was das Tor aus der Distanz angeht. Dortmund, 45 Meter, 2014, 0:1 - Sie werden sich erinnern.

Was ist die Trendwende wert?

Vergangene Woche ließ sich Borussia von der Saison 2016/17 überholen, damals hatte sie einen Punkt mehr nach 23 Spieltagen. Jetzt hat 2017/18 wieder die Nase vorn, was auch unabdingbar ist, um das Minimalziel "besser als letzte Saison" zu erreichen. Insgesamt bewegen sich 34 Punkte nach 24 Spieltagen im Vergleich mit den Vorjahren im unteren Bereich: 2013 waren es ebenfalls 34, in den Jahren danach 36, 41 und 39. Allerdings hat die Zielgerade einer Saison auch schon ihre ganz eigene Dynamik entfaltet. 2012 kamen zu herausragenden 47 Punkten nur noch 13 hinzu, 2015 wurden 41 noch um 25 ausgebaut.

Zakarias Pech ist Egbos Glück

Mandela "Manny" Egbo winkte ab. Sorry! Offenbar hatte ihn ein Fan auf der Tribüne nach seinem Trikot gefragt, doch das wollte der junge Engländer schon selbst behalten. Mit dem Bundesliga-Debüt erfüllte sich in Hannover Egbos großer Traum. "Am Ende des Tages zählt das noch nichts, wenn du nicht irgendwann auf dem Platz stehst", hatte er im Interview mit unserer Redaktion über seine Kader-Nominierungen in den Wochen zuvor gesagt. In der 80. Minute gegen Hannover war es so weit: Denis Zakaria blutete nach einem Gesichtstreffer so stark, dass er ausgewechselt werden musste. Egbo kam und schickte in Reece Oxford einen noch jüngeren Landsmann auf die Sechserposition. Und da er sein Trikot, was er selbst schon bedauerte, wohl nicht im Kabinengang des Borussia-Parks aufhängen darf, kann Egbo damit nun machen, was er möchte.

 
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