| 15.14 Uhr

Borussias Torflaute weiter ein Thema
Ärgerlich, bedenklich und rätselhaft

Borussia - Bremen: Einzelkritik
Borussia - Bremen: Einzelkritik FOTO: Dieter Päffgen
Mönchengladbach. Mo Dahoud legte den Ball Marco Reus so was von passgenau auf, dass es eine Augenweide war. Und Reus kurvte am Torhüter vorbei und schob die Kugel locker ins Netz. Hübsch anzusehen war auch dieser Treffer: Luuk de Jong warf sich mit dem Rücken zum Tor in die Luft, sein Bein schnellte hoch und er beförderte den Ball per Fallrückzieher im hohen Bogen hinein ins gegnerische Tor. Wow! Von Karsten Kellermann

Zwei Tore dieses Wochenendes waren das mit Borussia-Hintergrund, denn alle genannten Herren, inzwischen in Dortmund (Dahoud und Reus) und Eindhoven (de Jong) tätig, waren mal Gladbacher. Allerdings hat es die Chance auf "Dahoud bedient Reus" in Gladbach nie gegeben, da sie im Abstand von fünf Jahren von der einen zur anderen Borussia, der in Dortmund, wechselten. Auch einen de-Jong-Treffer dieser Art findet sich nicht im Borussen-Archiv. Klassische Mittelstürmer waren seinerzeit nicht hoch im Kurs bei Borussia. Zudem konnte de Jong seine Qualitäten nicht in erhoffter Art und Weise abrufen.

Dass Ex-Spieler eines Vereins Tore für andere Klubs machen, ist indes keine neue Geschichte und eine recht normale Angelegenheit. Doch schaut man schon hin, wenn die Sache mit den Toren in Gladbach gerade ein Thema ist. In diesem Jahr gab es erst vier selbst erzielte Tore der Borussen (der fünfte Treffer war ein Eigentor), und nur zwei davon erzielten Stürmer: Raffael traf am ersten Rückrundenspieltag in Köln, und zuletzt Thorgan Hazard gegen Augsburg, das ist 44 Tage her. Vorher gab es ein Verteidiger-Tor (Matthias Ginter) und seither zwei Sechser-Treffer (Christoph Kramer, Denis Zakaria). Es bleibt dabei: Borussias Angriff hat ein Torproblem. 18 Tore haben Lars Stindl, Hazard und Raffael bisher erzielt, das ist für Männer dieser Qualität eine dünne Ausbeute.

Dort hat sich Raúl Bobadilla festgespielt und macht es auch gut als Raumschaffer, Ballfestmacher und Ableger - doch auch er hat im Kernaufgabengebiet des Stürmers noch Nachholbedarf, denn getroffen hat er gegen Werder erneut nicht, trotz zweier guter Gelegenheiten nach der Pause. Dass auch der weitere Rest der Abteilung Attacke, dem noch sieben Spieler zugeordnet werden können, nur einen Treffer (Fabian Johnson) beigesteuert hat, kommt erschwerend hinzu.

Dass die Gladbacher erstmals seit dem 20. Januar, als das Augsburg-Spiel war, zweimal trafen, ist ein Fortschritt. Doch gab es zum ersten Mal im Jahr 2018 auch zwei Gegentreffer im eigenen Stadion, weswegen das, was nötig gewesen wäre, ein Heimsieg, nicht zustande kam. Sieben Punkte aus acht Rückrundenspielen sind keine Bilanz, die jenen Mut macht, die in der nächsten Saison gern wieder durch Europa reisen wollen, zumal noch Auswärtsspiele beim FC Bayern, auf Schalke und am Samstag in Leverkusen anstehen. Dass die Borussen in dieser Saison eine Mangelbilanz gegen direkte Konkurrenten haben, macht es nicht besser. Der Schub, den das 1:0 in Hannover bringen sollte, war gegen Werder nur 45 Minuten lang spürbar. Das war zu wenig, um aus dem Sieg eine echte Trendwende zu machen. Bremen war oft ein Lustspiel, nun war es eher ein Frustspiel.

Es war in dieser Saison oft so, dass Borussia aus Erfolgserlebnissen nichts Nachhaltiges ziehen konnte. Das ist, wie die offensive Torflaute und die Rückrundenbilanz, ärgerlich, bedenklich und rätselhaft. Trainer und Team müssen dieses Rätsel lösen.

Quelle: RP
 
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