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Borussia Mönchengladbach
André Hahn meldet sich zurück

Gladbach-Profis tragen T-Shirts für verletzten Drmic
Gladbach-Profis tragen T-Shirts für verletzten Drmic FOTO: dpa, gki gfh
Gelsenkirchen. Der lange verletzte Offensivmann feiert beim 1:2 bei Schalke 04 sein Comeback. Er hat eine wichtige Woche vor sich. Von Karsten Kellermann

An einem anderen Tag wäre es vielleicht perfekt gelaufen. Dann hätte Borussias Trainer André Schubert André Hahn eingewechselt, nun, da soeben das 1:1 gefallen war, in einem Spiel, in dem Schalkes Führung alles auf den Kopf stellte, und Hahn hätte den Ball bekommen, und er wäre losgerannt, unaufhaltsam, wie um allen Schalke-Fans, die ihn vor einigen Monaten verspottet hatten, als er nach dem Tritt von Johannes Geis im Liga-Hinspiel beim Treffen beider Klubs im Pokal wenige Tage später fehlte, zu zeigen, dass er wieder da ist. Er hätte dann Ralf Fährmann, dem einzigen wirklich guten Schalker an diesem Abend, keine Chance gelassen und das Siegtor erzielt.

Dies oder ähnliches hatte sich Hahn für den vergangenen Freitagabend insgeheim erhofft, das gab er tags darauf auch offen zu. Geis, der ihm das Bein kaputt getreten hatte. Den sah er nur aus der Entfernung. Der Schalker saß wie Hahn selbst auf der Bank und blieb auch dort während der gesamten 90 Minuten. Hahn jedoch wurde am Ende eingewechselt, wie gesagt, kurz nachdem Andreas Christensen den verdienten Ausgleich besorgt hatte, und fortan bemühte sich Borussia mit Hahn um das 2:1. Das fiel aber auf der anderen Seite.

Es war eben dieser Tag und kein anderer. So stand Hahn tags darauf am Trainingsplatz des Borussia-Parks, wischte sich nach dem Auslaufen der Reservisten den Schweiß von der Stirn und sprach über die bestenfalls zweit-, am Ende aber wohl nur drittbeste Version seines Comebacks: Endlich hat er wieder gespielt, die paar Minuten haben verdammt gut getan, und er hat keine Angst verspürt wegen des Beins, im Gegenteil: Er ist wieder ganz der alte Hahn, der also, der mit vollem Körpereinsatz bei der Sache ist. Von nun an definiert er sich wieder als vollwertige Alternative für seinen Trainer André Schubert: Er hat sich zurückgemeldet. Für die Außenbahn. Und auch für das Zentrum des Sturms, wo aktuell auch eine Planstelle zu besetzen ist, da Raffael mit einem Muskelfaserriss zunächst mal ausfällt.

Hahn ist ein ganz anderer Typ als der Brasilianer, kein Neueinhalber, der mit Phantasie und Eleganz Bälle verteilt und Kombinationen hinzaubert wie Raffael. Hahn ist eher der brachiale Typ Angreifer, der mit viel Geschwindigkeit unterwegs ist und keinen Ball verloren gibt, also eher einer vom Typ Neun, ein Typ echter Mittelstürmer. Hahn kann das, das hat er früher gespielt und auch schon bei Borussia, auch bei Schubert. Der müsste indes seine neue Konstruktion mit der dreifachen Neuneinhalb im offensiven Zentrum, mit drei Feingeistern, dann aber umdenken.

Hahn weiß, dass er eine wichtige Woche vor sich hat. Er will sich zeigen im Training, vor allem aber im Testspiel gegen Bielefeld am Gründonnerstag. Weil Thorgan Hazard, der mit Raffael und Lars Stindl Schuberts Mittelstürmer-lose Angriffsversion bildete, zum belgischen Nationalteam gereist ist, sind sogar zwei Plätze frei neben Stindl. Patrick Herrmann kann auch zentral spielen, das hat er bei Lucien Favre gelernt, nachdem Marco Reus weg war. Stindl und Herrmann hinter dem Zentralstürmer Hahn? Klingt interessant als Test gegen die Arminia. Allerdings wird auch Jonas Hofmann, der ebenfalls Außen und als hängende Spitze spielen kann, gern eine Bewerbung abgeben, um endlich etwas mehr zu sein, als nur Reservist. Und man darf Branimir Hrgota nicht vergessen. "Die Konkurrenz ist groß", weiß André Hahn.

Sein Vorteil für das Zentrum ist, dass keiner aus der Abteilung Attacke so körperlich spielt wie er. Andererseits setzt Schubert im Normalfall eher auf spielende Angreifer, die "Brecher" sind eher die für die Joker-Rolle. Hahn indes hat mehrfach mit dem Trainer gesprochen und weiß um seine Situation. Er wird im Normalfall geduldig sein müssen. Es sei denn, der Normalfall ist nicht da. Siehe Raffael, dessen Rückkehr nicht zu beziffern ist.

Wie Hahn hat auch Tony Jantschke in den kommenden Tagen die Gelegenheit, sich ein wenig exklusiver als sonst zu präsentieren, da auch viele Defensivspieler unterwegs sind. Auch Jantschke ist soeben zurückgekehrt. Bei einem anderen ist das nicht absehbar: Josip Drmic. Der Knorpelschaden wird ihn wohl die EM kosten - und wann und wie es weitergeht mit ihm, steht in den Sternen. "Darum haben wir am Freitag die T-Shirts für Josip gemacht und sie vor dem Anpfiff getragen", sagte Hahn. "Wir sind bei dir", stand darauf. Es war eine Gemeinschaftsaktion des Teams, die zeigt, dass "er einer von uns ist, auch wenn er ausgeliehen ist". So etwas ist gelebter Teamgeist. Hahn weiß, wie gut Zuspruch tut, wenn man verletzt ist. Ihm hat der Applaus gut getan, der er Freitag bekam, als er zurückkehrte. Das linderte ein wenig den Schmerz der Niederlage. Schalke bremste ihn aus, nun gab es gegen Schalke den Neustart.

Quelle: RP
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