| 17.23 Uhr

1:1 gegen Augsburg
Hahn rettet Borussia einen Punkt in letzter Minute

Einzelkritik: Nur Sommer und Dahoud besser als Note 4
Einzelkritik: Nur Sommer und Dahoud besser als Note 4 FOTO: dpa, mb fpt
Borussia Mönchengladbach hat zu Hause gegen den FC Augsburg wichtige Punkte verloren. André Hahn sicherte Dieter Heckings Mannschaft in der Schlussminute wenigstens ein 1:1 nach einer schwachen Leistung. Von Jannik Sorgatz, Mönchengladbach

Einerseits ist dieser 32. Spieltag der längste dieser Saison: Von Freitag- bis Sonntagabend strecken sich die Partien, nicht anders als sonst, aber fünf davon sind für Borussias Europa-League-Ambitionen äußerst relevant, wenn nicht gar vorentscheidend. Andererseits hatte Dieter Hecking das exzessive Bedienen des Tabellenrechners noch zur Aufgabe für alle Büromitarbeiter mit Internetzugang erklärt. Seine Mannschaft sollte erst einmal ihre eigene Aufgabe lösen. Gladbach hatte nach Kölns Sieg gegen Bremen die Möglichkeit, vorerst gleichzuziehen mit dem Tabellensechsten. Der Plan ging nicht auf, im Gegenteil: Gegen den Abstiegskandidaten reichte es für Borussia nach einer ganz schwachen Leistung nur zu einem 1:1. Alfred Finnbogason erzielte den Treffer für den FCA, André Hahn glich in der vierten Minute der Nachspielzeit aus.

Trainer Hecking hatte trotz des 4:0 der Augsburger gegen den Hamburger SV am vergangenen Wochenende keinen Gegner befürchtet, der voller Initiative auch auswärts das Spiel machen würde – er sollte, wenig überraschend, Recht behalten. Von Anfang an beschränkten sich die Gäste darauf, in ihrem 5-3-2 in der eigenen Hälfte zu stehen und geschickt zu verschieben. An ihre Grenzen mussten sie dabei allerdings nicht gehen. 64 Prozent Ballbesitz für Borussia, 90 Prozent Passgenauigkeit – diese Werte hatten mit leichten Abweichungen eine Hälfte lang Bestand. Für Borussia begann dieselbe Elf wie beim 2:1 in Mainz.

Patrick Herrmann schloss in der Anfangsphase zweimal überhastet ab, aber immerhin versuchte er es. Bis auf eine Eckballvariante, bei der Lars Stindl anders als damals in Florenz abgeblockt wurde, passierte wenig vor dem Augsburger Tor. Die größte Gefahr bestand darin, dass Gladbach sich womöglich selbst einlullen und den Gegner durch Ballverluste zum Kontern einladen würde. Raffael und Thorgan Hazard fehlten enorm, auch für Fabian Johnson hatte es noch nicht zu einem Kaderplatz gereicht. Dafür saß Christoph Kramer nach sieben Wochen Pause wenigstens auf der Bank. Von dort sah er in der 25. Minute die bis dato beste Szene: Mo Dahoud, der engagierteste Borusse, fasste sich aus 17 Metern mit links ein Herz, Augsburgs Keeper Marwin Hitz musste sich strecken, wehrte aber sicher ab.

Aufpassen musste Borussia in der Regel nur auf Stürmer Alfred Finnbogason, was nach einer halben Stunde immer schlechter gelang. Nach Jannik Vestergaards Fehler konnte sich Andreas Christensen noch gegen den Isländer durchsetzen, ein Drehschuss kurz darauf ging vorbei, bevor Yann Sommer in der 39. Minute die beste Chance vereitelte, indem er Finnbogasons Direktabnahme an den Pfosten lenkte. Die Fans strengten sich größtenteils an, um ihre Mannschaft zu unterstützen, aber die Geduld der Ungeduldigsten neigte sich bereits wieder dem Ende zu, als Gladbach beinahe doch noch in Führung gegangen wäre. Stindl fand acht Meter vor dem Tor Jonas Hofmann, der sich die Ecke aussuchen konnte – und den Ball am rechten Pfosten vorbeisetzte. Nach zwei holprigen Szenen kurz vor der Halbzeit erklangen die ersten Pfiffe von den Rängen. Mit dem 0:0 ging es in die Pause. Was die Chancen betraf, ging das Unentschieden völlig in Ordnung.

Herrmann verpasst Hereingabe nur knapp

Vestergaards Versuch in der 47. Minute ging nicht gerade als Warnschuss durch, gefährlicher wurde der FCA auf der anderen Seite. Nachdem Christensen einen unnötigen Eckball verursacht hatte, fiel Dominik Kohr sechs Meter und mutterseelenallein vor dem Tor der Ball auf den Kopf – drüber! Noch größer war allerdings Borussias Chance fünf Minuten später: Nico Schulz fand nach einem seiner ersten beherzten Antritte auf links Hofmann, der scharf nach innen gab, wo Herrmann hauchdünn am Ball vorbeirutschte und das sichere 1:0 verpasste.

Nach einer knappen Stunde hatte Borussia ihr Glück defensiv überstrapaziert: Nach einem Gladbacher Einwurf schlug Halil Altintop den Ball einfach nach vorne, wo Finnbogason ganz alleine Christensen und Vestergaard austanzte. Sommer konnte dem Ball nur hinterherschauen, wie er über die Linie hoppelte.

An der Seitenlinie hatte Ibrahima Traoré schon bereit gestanden und kam für Herrmann. Der Guineer fügte sich auf eine Weise ein, die verdeutlichte, wie sehr Borussia nun von der Rolle war: Traoré klärte völlig unbedrängt mit dem Kopf zur Ecke und spitzelte Jonathan Schmid anschließend den Ball vor die Füße, so dass der Augsburger Sommer prüfen konnte. Auch auf den Rängen lief es nur noch krampfhaft: Während ein Teil des Publikums bei jeder misslungenen Aktion raunte oder pfiff, hatte die Nordkurve die Hoffnung noch nicht aufgegeben. In der 68. Minute löste Kramer den unauffälligen Laszlo Bénes ab und feierte sein Comeback. Kohr hätte beinahe alle Hoffnung zunichte gemacht – sein Weitschuss ging knapp links vorbei.

Gladbach tat sich schwer, die Schlussoffensive einzuläuten. Die wenigen aussichtsreichen Angriffe scheiterten an Ungenauigkeiten beim letzten Pass. Stindl sah Gelb für eine Schwalbe. Dann stellte sich Hecking auf Dreierkette um, indem er Tobias Strobl für Nico Elvedi brachte. Traoré und Schulz besetzten die Außenpositionen. Als schon alles nach einer Niederlage ausshah, bekam Hahn doch noch sein langes Bein an den Ball und schob zum Ausgleich ein.

 
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