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Borussia Mönchengladbach
Mieter Schubert gegen Vermieter Schmidt

Das ist André Schubert
Das ist André Schubert FOTO: dpa, fg fdt
Mönchengladbach. Gladbachs Trainer André Schubert war in Paderborn der Vorgänger von Bayer-Coach Roger Schmidt und lebte in dessen Haus. Von Karsten Kellermann und Stefanie Sandmeier

Es war ein normales Verhältnis zwischen Vermieter und Mieter gewesen. Das versichert André Schubert. Und das sagt auch Roger Schmidt. In Paderborn hatte er ein großes Haus und die Einliegerwohnung mietete der Kollege Schubert, der damals Cheftrainer in Paderborn war. Wer sich nun vorstellt, beide Trainer hätten abends gemütlich beisammen gehockt und über Fußball philosophiert, der irrt. "Es ist aber nicht so, dass man dann ständig zusammensitzt. Er ist ein Trainerkollege, ich war sein Nachfolger, große Berührungspunkte hatten wir daher nicht", sagte Schmidt, der den SC Paderborn von 2011 bis 2012 trainierte. Schubert bestätigte das. Da beide mit ihren Jobs beschäftigt waren, "hat sich das nicht ergeben, es war keine Zeit", sagte Schubert, der von 2009 bis 2011 für die sportlichen Geschicke der Paderborner zuständig war und sie von der Dritten in die Zweite Liga geführt hatte.

Für beide, Schubert wie Schmidt, war der kleine Klub aus Ostwestfalen eine Art Start-up ins große Fußballbusiness, sie machten dort mit frischen Ideen auf sich aufmerksam. Beide setzen vordergründig auf denselben Ansatz, auf Pressing und Umschaltspiel, im Detail jedoch gibt es viele Unterschiede: Gladbachs Pressing ist anders organisiert, Bayer spielt mit einer defensiven Viererkette, die Borussen mit einer Dreierkette, die Art des Aufbauspiels ist verschieden. "In Teilen ist der Ansatz ähnlich, in der Anlage anders", sagt Schubert.

Heute treffen sich die ehemaligen Paderborn-Trainer wieder: Schubert ist Coach von Borussia Mönchengladbach und Schmidt Trainer von Bayer Leverkusen. Ein Dritter, der früher in Paderborn arbeitete, wird sich für das Resultat des rheinischen Kräftemessens ebenfalls sehr interessieren: André Breitenreiter, der mit Schalke im Fernduell mit Gladbach um den vierten Platz in der Tabelle rangelt. Schalke trifft auf Augsburg - mit Trainer Markus Weinzierl. Der wird "auf" Schalke als künftiger Trainer gehandelt, war aber auch gestern in Gladbach ein Gesprächsthema. Denn die Gerüchte, dass er nach dieser Saison Schubert ablösen könnte, kommen ungeachtet der Tatsache, dass Schubert Borussia auf Rang vier geführt hat, immer wieder hoch, nun in "Bild".

"Nullkommanull" interessiere ihn das, versicherte Schubert, er arbeite "ganz normal" weiter. "Es ist schon kompliziert, immer wieder diese Thematik, die uns latent begleitet, kommentieren zu müssen. Ich habe auf der Mitgliederversammlung gesagt: 'Wir stehen zu unserem Trainer. Da gibt es keine zwei Meinungen.' Es ist mühsam, einen Trainer, der, wie ich gelesen habe, eine historische Aufholjagd gestartet hat, ständig verteidigen zu müssen. Es ist so, dass André unser Trainer ist und sehr, sehr gute Arbeit leistet. Und es hat sich nichts von dem verändert, was ich vor ein paar Tagen gesagt habe", sagte Sportdirektor Max Eberl.

Was den Umgang mit der Situation angeht, kann sich Schubert bei seinem früheren Vermieter erkundigen. Auch Schmidt begleiteten in dieser Saison lange die Debatten um seine Demission und mögliche Nachfolger. Doch der Sauerländer hat die passende Antwort darauf gefunden: Erfolg. Sieben Siege in Serie hat sein Team geschafft und sich damit fix den dritten Platz nebst definitiver Teilnahme an der Champions League gesichert. Gelingt heute der achte Sieg am Stück, wäre das ein Vereinsrekord. Die harten Fakten sind jedoch erledigt, nun geht es "nur" noch um Romantik. Entsprechend entspannt geht Schmidt in die letzten Saisonspiele. "Nach den vergangenen Wochen und Monaten, die mitunter stressig waren, tut so eine Phase sehr gut", gesteht er. Die sportliche Konstanz der vergangenen Wochen hat dafür gesorgt.

Die haben die Borussen nicht hinbekommen, dafür lief es auswärts lange zu schlecht. Nun aber gab es zuletzt nach dem 3:1-Heimsieg gegen Hoffenheim das 1:1 beim FC Bayern. Damit haben die Gladbacher Platz vier erobert. Den wollen sie behalten, um zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte in die Play-offs zur Champions League einzuziehen. Besiegt heute der frühe Mieter seinen Vermieter, wäre das in dieser Sache sehr hilfreich.

Quelle: RP
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