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Borussia Mönchengladbach
Schubert-Tabelle kommt in der Realität an

Die Schubert-Tabelle
Die Schubert-Tabelle FOTO: afp, oa-iw
Mönchengladbach. Der vielzitierte "Rucksack", den die Borussia seit dem katastrophalen Saisonstart mit sich herumträgt, ist nun endgültig leer. Sowohl in der einzig relevanten als auch in der Schubert-Tabelle steht Gladbach auf dem vierten Platz.  Von Jannik Sorgatz

Am Sonntag im "Doppelpass" auf Sport1 musste Max Eberl sich wieder einmal rechtfertigen. Fünf Jahre nach dem Relegationswunder gibt es zwei Extreme, um mit der nicht mehr ganz so jungen Vergangenheit der Borussia umzugehen. Entweder man bekennt, die "Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen"-Reden satt zu sein. Oder man betont: "Wir dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen."  

Da niemand ein Grauton-Verbot erlassen hat, wählte Eberl wie gewohnt den Mittelweg. Fünf Jahre mit vier Europapokal-Qualifikationen seien nicht kleinzureden, aber Mitbewerber wie Schalke 04 oder Bayer Leverkusen hätten auf diesem Niveau eben 15 Jahre Erfahrung vorzuweisen. 

In der vergleichsweise sehr jungen Geschichte der Borussia gibt es eine ähnliche Debatte mit einer "Ach hör' mir auf damit"-Fraktion am einen Ende und den mantramäßigen Mahnern am anderen Ende des Spektrums. Es geht dabei nicht um fünf Jahre, sondern um fünf Niederlagen. So viele kassierte Gladbach zum Start in die Saison. Erst acht anderen Mannschaften ist das in 53 Jahren Bundesliga widerfahren, keine einzige belegte anschließend auch nur für einen Spieltag einen einstelligen Tabellenplatz.

Diese Teams starteten mit fünf Niederlagen

Unter André Schubert stürmte die Borussia binnen fünf Wochen auf den siebten Platz, stand bis heute nie schlechter da und wird es auch nicht mehr tun – denn Europa hat sie seit Samstag sicher. Selbst von den 44 Teams, die zu Beginn lediglich dreimal verloren, dürfte der VfL die zweitbeste Bilanz erreichen. Nur Werder Bremen arbeitete sich nach drei Startpleiten noch weiter vor als Platz sieben. Das war vor 48 Jahren.

Die Schubert-Tabelle suggerierte seit dem vergangenen Herbst, dass Gladbach ausnahmsweise zwei Saisons spielen darf: Die Saison 2015 endete am 20. September mit dem Rücktritt Lucien Favres, dann begann die Saison 2015/16 II mit der Übernahme seines Nachfolgers. Zweimal führte die Borussia die Schubert-Tabelle an, bis zum 18. Spieltag war sie immer mindestens Zweiter, seit dem 21. Spieltag stets Dritter.

49 Punkte in 27 Spielen unter André Schubert

Am Wochenende ist jedoch etwas Besonderes passiert: Die Schubert-Tabelle hat die Umlaufbahn der echten Bundesliga-Tabelle betreten, Fiktion und Realität sind eins geworden – denn in beiden Tabellen sind die ersten sieben Plätze nun identisch. Gladbach ist Vierter und der Rucksack, den die Borussia seit dem Favre-Rücktritt mit sich herumtrug, endgültig leer. 

49 Punkte hat Schubert in 27 Spielen gesammelt, bei einem Torverhältnis von 61:37. Wäre das nach dem wahrhaftigen 27. Spieltag die Ausbeute gewesen, wäre die Borussia zu diesem Zeitpunkt Dritter gewesen, einen Punkt vor Hertha, fünf vor Schalke, sieben vor Leverkusen, acht vor Mainz. Aber der Konjunktiv II wird nicht umsonst mit dem lateinischen Fachbegriff "Irrealis" bezeichnet. Auf 34 Spiele hochgerechnete Punkte 61,7 sind dennoch beeindruckend.

Mit zwei Siegen sicher Vierter

Da die Borussia ihr Schicksal wieder in der eigenen Hand hat, gilt der katastrophale Saisonstart spätestens jetzt aber nicht mehr als Ausrede. Irgendwie war er nach Schuberts Amtsantritt ja sogar ein Katalysator – je schlimmer die Lage, desto größer die Entfesselung, hatte es den Anschein.

Mit zwei Siegen wird Gladbach sicher Vierter, solange die Hertha nicht ihren höchsten Heim- und Auswärtssieg der Historie einfährt. Am gefährlichsten erscheinen sowieso die Schalker, die es noch mit dem FC Augsburg und der TSG Hoffenheim zu tun bekommen. Falls Schalke beide Spiele gewinnt, benötigt Gladbach ebenfalls zwei Siege, um wie 2012 die Play-offs zur Champions League zu erreichen. Lässt Schalke noch einmal Federn, reicht ein Sieg gegen Leverkusen und Darmstadt. So oder so ist Borussias Comeback schon jetzt etwas Besonderes. Da dürfte man sich fraktionsübergreifend einig sein.

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