| 15.37 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Zehn Minuten Gijón und Freude mit Vorbehalten

Borussia Mönchengladbach: André Schubert übt sich in Diplomatie
André Schubert sieht sich einer fast schon feindseligen Stimmung ausgesetzt. FOTO: dpa, kno
Mönchengladbach. Borussia erreicht mit einem 1:1 gegen Manchester City seine europäischen Ziele. Trotzdem mischt sich negative Stimmung unter den Jubel. Die Mannschaft will sich davon nicht beirren lassen und freut sich über die Europa League. Von Jannik Sorgatz

Ein bisschen Nichtangriffspakt

Wer nach Tweets sucht, die die Stadt Gijón erwähnen, findet am Donnerstagmorgen ein schönes Foto der spanischen Tourismusbehörde von der dortigen Universität und eine Übersicht über Real Madrids kommende Gegner. Es wurde auch kein Fass aufgemacht, weil Manchester City sich in den letzten zehn Minuten des Spiels 134-mal den Ball zupasste und Borussia nur noch auf elf Pässe kam – fast wie zwischen Deutschland und Österreich bei der WM 1982 in Gijón, nur eben nicht so lange und provokant. Mit einem Sieg hätte City sich zwar noch eine geringe Chance auf den Gruppensieg erhalten können, mit einem Sieg hätte Gladbach noch das Achtelfinale erreichen können, doch das wäre noch unwahrscheinlicher gewesen. 

André Schubert und Pep Guardiola hatten die Tabelle in der Schlussphase genau im Kopf und machten gar keinen Hehl daraus. Guardiola schien besonders das frühe Spiel des FC Bayern – seines Ex-Vereins, der bei FK Rostow verlor – ins Kalkül gezogen zu haben, um den zweiten Platz (City hat keines seiner drei Auswärtsspiele gewonnen) etwas schöner zu reden. "Das Team, das gegen Bayern spielen muss, wird leiden. Ich bin sehr froh, dass wir es nicht sein werden", sagte er. Tatsächlich muss der Gruppensieg in dieser Saison gar kein eindeutiger Vorteil sein, aber das kann Borussia nun egal sein.

Max Eberl regt sich über Pfiffe auf

Nicht ganz so auf der Höhe waren am Donnerstag einige der 46.000 Zuschauer im Borussia-Park. Niemand muss mit Tabellenrechner und ausgedrucktem Uefa-Regelwerk ins Stadion kommen, aber die grundsätzliche Basis des Abends sollte doch klar sein: dass ein Punkt gegen City bei einer Niederlage Glasgows gegen Barcelona zum Sprung in die Europa League reichen würde. Nachdem einige gemächliche Entlastungsangriffe mit Raunen bedacht worden waren, war das Publikum zumindest in den letzten Minuten da, als sich beide Teams schon auf das 1:1 geeinigt hatten. 

Vor allem irritierten jedoch die Pfiffe bei Mo Dahouds Auswechslung in der 60. Minute. "Ich kann das ja nachvollziehen, aber ich weiß nicht, ob jeder in der Situation dran denkt, dass er schon eine Gelbe Karte hat", sagte André Schubert. "Die Zuschauer sehen einfach, dass er ein guter Spieler ist. Das sehe ich auch. Aber wenn er zwei Minuten später Gelb-Rot sieht, sind wir zwei Mann weniger." Der Trainer schob die Reaktion der Zuschauer diplomatisch auf die emotionale Situation.

Weniger verständnisvoll zeigte sich Sportdirektor Max Eberl angesichts der unruhigen, teilweise schon feindseligen Grundstimmung. Als "dumme Menschen" bezeichnete er die pfeifenden Fans. "Die Menschen, die hierher kommen, und erwarten, dass Borussia Mönchengladbach Manchester City vom Platz fegt, die sollen nach München fahren", polterte Eberl. Yann Sommer sagte, die Mannschaft lasse sich nicht beirren von Pfiffen der Fans: "Wir haben intern eine gute Stimmung und stehen zusammen."

Yann Sommer wieder da

Zuletzt war der Torwart direkt nach den Spielen etwas ruhiger gewesen als sonst. Sommer patzte nicht eklatant, aber er verkörperte mitunter nicht das, was man sich unter einem Rückhalt vorstellt. Der Schweizer kostete Borussia nicht eindeutig Punkte, aber er gewann auch keine. Gegen Manchester war das anders, da erreichte Sommer sein gewohntes internationales Niveau. Er muss sich immer messen lassen an den gezeigten Leistungen, besonders die EM im Sommer war beeindruckend, und in diese Richtung ging der Auftritt gegen City. Ilkay Gündogan scheiterte mit einem gefährlichen Flachschuss, Kun Agüero zielte zu ungenau, gegen David Silva war Sommer machtlos und gegen Kevin De Bruynes Versuch flog er sehenswert durch die Luft. Darauf lässt sich aufbauen.

Alles eine Frage der Relation

Nach dem 1:2 gegen Köln ließ sich die Leistung mit der beim 1:0 im Februar vergleichen: Der Spielverlauf war ähnlich, die zweite Hälfte gar nicht so schwach wie die beim vorangegangenen Sieg, bei dem Sommer den einen oder anderen gefährlichen Ball entschärft hatte. Auch die Champions League zeigt nun wieder, wie sehr alles eine Frage der Relation und wie dünn das Eis mitunter ist. Vergangene Saison reichten fünf Punkte aus sechs Spielen nicht für den dritten Platz, dieses Saison ist er mit fünf Punkten schon nach fünf Spielen sicher. Das lässt sich nahezu endlos fortführen, nur ein Beispiel noch: 2013/14 wurde Gladbach mit 55 Punkten gerade so Sechster, 2015/16 brachte die gleiche Ausbeute den vierten Platz. 

So geht es weiter in der Europa League

Ausgerechnet das Spiel beim FC Barcelona ist nun scheinbar wertlos. Doch neben den üppigen Punktprämien und Prestige geht es noch um etwas anderes. Wenn am Montag, den 12. Dezember das Sechzehntelfinale der Europa League ausgelost wird, gibt es zwei Töpfe. Im einen sind die zwölf Gruppensieger der Europa League und die vier besten Gruppendritten der Champions League, im anderen die Zweiten der Europa League die schlechtesten vier Dritten. Wie in der Königsklasse ist der bessere Topf keine Garantie für einen leichteren Gegner, schaden kann es aber nicht. Momentan sieht so die Tabellen der Gruppendritten aus:

  • 7 Punkte Olympique Lyon
  • 7 Punkte Besiktas Istanbul
  • 6 Punkte FC Kopenhagen
  • 5 Punkte Borussia Mönchengladbach
  • ---------------------------------------------------
  • 4 Punkte Tottenham Hotspur
  • 4 Punkte FK Rostow
  • 3 Punkte Sporting Lissabon
  • 2 Punkte Ludogorets Rasgrad

Tottenham empfängt in der Gruppe E am letzten Spieltag ZSKA Moskau. Verliert Borussia in Barcelona, wird einer der beiden auf jeden Fall vorbeiziehen. Fest steht: Am 16. und 23. Februar geht es europäisch für Gladbach

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