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Borussia Mönchengladbach
Die Wahrnehmung der Anderen

Borussia Mönchengladbach: André Schubert und die Wahrnehmung der Anderen
Borussias Trainer André Schubert. FOTO: dpa, fg hpl
Mönchengladbach. André Schubert hat sich gewundert. Über die Art, wie seine Mannschaft neuerdings wahrgenommen wird. "Wir wurden zuletzt vor einem Bundesligaspiel als abgezockte Champions-League-Mannschaft beschrieben. Dabei sind wir meist im Schnitt viel jünger als unsere Gegner - und einige, wie Schalke, haben auch ganz andere Etats. Wir haben jetzt vier Champions-League-Spiele gemacht. Mehr nicht. Man muss realistisch bleiben", sagte Borussias Trainer vor seinem siebten Einsatz in der Bundesliga. Von Karsten Kellermann

Dass seine Mannschaft realistisch ist und sich entsprechend richtig einsortiert, davon geht Borussias Trainer aus. Seine Spieler bestätigen das. "Die Bundesliga ist eine der besten Ligen der Welt, da wird einem nichts geschenkt. Wir müssen immer 110 Prozent geben, um zu gewinnen", stellte Torwart Yann Sommer nach dem 1:1 gegen Juventus Turin klar.

Es ging dabei um das Liga-Spiel gegen den Aufsteiger FC Ingolstadt. Diese Begegnung hat es als Pflichtspiel noch nie gegeben, das ist ein interessanter Randaspekt des Tages. Doch da ist schon eine klangliche Fallhöhe von Spiel zu Spiel: Am Mittwoch war der italienische Rekordmeister, der Vorjahres-Finalist der Champions League da. Glanz und Gloria, ein Gegner mit Wow-Effekt, gegen den ein Remis, auch wenn es das Champions-League-Aus bedeutet, ehrenvoll ist.

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Hasenhüttl lobt Borussia in höchsten Tönen

Und nun kommt Ingolstadt. Da ist die Ausgangssituation umgekehrt. Für Ingolstadt ist Borussia der Gegner mit Wow-Effekt wegen der großen Klub-Geschichte und wegen der Tatsache, dass sie gerade gegen "Juve" richtig gut gespielt hat. "Fußballerisch ist das mit das Beste, was die Bundesliga zu bieten hat. Eine gigantische Qualität", sagte Ingolstadts Trainer Ralph Hasenhüttl und fügte seiner Eloge noch ein "beeindruckend" hinzu. Mitspielen? Nein, das will Ingolstadt nicht. "Wir wollen unser Spiel gegen den Ball durchbringen", sagte Hasenhüttl.

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Es klingt nach bayerischem Catenaccio. So gesehen war die Schlussphase gegen zehn Turiner ein Probelauf für das Ingolstadt-Spiel. "Es wird ein schwieriges Spiel. Aber wir sind ehrgeizig und motiviert, unseren Lauf nach dem schlechten Start fortzusetzen. Wir nehmen jeden Gegner ernst und geben am Samstag Vollgas", versicherte Sommer. Doch da ist noch die Wahrnehmung der Anderen - im Umfeld, auf der Tribüne. Borussia hat sechsmal in der Liga gewonnen, zudem im Pokal "auf" Schalke. Sie war gut gegen Manchester, trotz des 1:2, hatte Turin am Rande der Niederlage, hat toll gespielt und 25 Tore in zehn Pflichtspielen erzielt. Daraus erwachsen Begehrlichkeiten.

Wie im April 2013, als Aufsteiger Fürth in den Borussia-Park kam, und es schnell Pfiffe gab, weil die Gäste keine Lücken ließen. Oscar Wendt legte sich damals mit Fans auf der Gegengeraden an. Viel Spaß machte der 1:0-Sieg durch Luuk de Jongs Tor nicht. Auch am Samstag kann es ein zähes Spiel werden gegen Ingolstadt, das verdammt unangenehm sein kann, wie die Bilanz zeigt: Ingolstadt ist das drittbeste Auswärts-Team hinter den Bayern und Dortmund - und vor Gladbach. Tiefstehende Gegner zu bespielen, kann eine Geduldsprobe sein. Die Fans wissen das, und doch werden viele einen Sieg erwarten. Wie danach gegen Hannover und vielleicht auch in Hoffenheim. Bei dem Lauf, den Borussia hat. Die Hochrechnungen für die kommenden Wochen werden eher euphorisch ausfallen. Bislang kam Borussia aus dem Nichts, und alles, was kam, war gut. Nun wird etwas erwartet. Die Erwartungserwartungen der Spieler an die Fans können hemmen, wenn das Fest als Pflicht gefühlt wird.

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André Schubert hat seine Spieler entsprechend gebrieft. "Es ist klar, dass die Ansprüche steigen, wenn man gut spielt. Das ist eine Auszeichnung. Wir versuchen, dem gerecht zu werden", sagte er. Und selbst wenn der Gegner weit hinten wartet, sorgt er sich nicht. "Hertha hat auch sehr tief gestanden, da hat es fantastisch geklappt. Aber uns allen ist auch klar, dass wir nicht alle Spiele gewinnen werden", sagte Schubert. Was die anderen erwarten, könnten er und das Team eh "nicht beeinflussen". Doch auch er weiß: Ein 1:1 gegen "Juve" klingt anders als ein 1:1 gegen Ingolstadt.

Quelle: RP
 
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