| 12.32 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Dänisches Missverständnis und drei G für Schulz

Christensen und Vestergaard schießen sich gegenseitig an
Christensen und Vestergaard schießen sich gegenseitig an FOTO: afp
Mönchengladbach. Vor dem Tor geht auswärts momentan fast gar nichts, und wenn, dann ist der Ball drin. So hat Borussia in Leipzig trotzdem einen Punkt mitgenommen. Dass sie vorher 78 Minuten hinten lag, hatte sich ein Duo zuzuschreiben, das sich eigentlich verstehen müsste. Von Jannik Sorgatz

Der dritte war drin

Beinahe hätte es innerhalb von zwei Wochen den dritten Negativrekord gegeben – fünf Torschüsse in Freiburg, drei Torschüsse in Manchester, zwei Torschüsse in Leipzig bis zur 84. Minute. Doch dann fand Lars Stindl auf der rechten Seite Fabian Johnson, der ließ seinen Gegner aussteigen und schoss den Ball mit links zum Ausgleich ins Tor. Über mangelnde Effektivität konnte sich bei Borussia niemand beklagen. Nur vier Mannschaften hatten an den ersten Spieltagen mehr Ballbesitz, nur der Hamburger SV und Hertha BSC schossen seltener aufs Tor. Besonders auswärts muss Gladbach den Weg dorthin wieder konsequenter finden.

Erwartbar wären nur 0,3 Tore gewesen, die hat Borussia sehr großzügig aufgerundet:

Luft nach oben oder Luft nach unten?

Es ist wohl Geschmackssache. Muss es heißen: "Wo würde Borussia stehen, wenn sie zu Hause nicht am Limit punkten würde?" Oder: "Wo könnte Borussia stehen, wenn sie auswärts nicht wie ein Abstiegskandidat punkten würde?" André Schubert startete mit je drei Heim- und drei Auswärtssiegen, aber ihm schwante schon im vergangenen Herbst, dass er den 3,0er-Schnitt nicht würde halten können. Im eigenen Stadion ist das dennoch fast gelungen. Seit "The Interims One" Geschichte ist und Schubert einen Vertrag bis 2017 unterschrieben hat, gewann Gladbach zwölf von 13 Heimspielen, nur gegen Borussia Dortmund gab es eine Niederlage. Auswärts dagegen brachten 13 Spiele lediglich einen Sieg, Mitte Mai beim SV Darmstadt. Ist da nun mehr Luft nach oben oder mehr Luft nach unten?

AC3 und JV4 legen Leipzig das Tor auf

Der FC Bayern hat mit Jerome Boateng und Mats Hummels die Innenverteidigung der deutschen Nationalmannschaft unter Vertrag, besser geht es weltweit kaum. Juventus Turin hat in seiner Dreierkette BBC: Barzagli, Bonucci und Chiellini. Hinter diesem Niveau bleiben Andreas Christensen und Jannik Vestergaard noch ein gutes Stück zurück, dass Borussia Mönchengladbach aber auf zwei Innenverteidiger aus der dänischen Nationalmannschaft bauen kann, sollte kein Nachteil sein. In der sechsten Minute am Mittwochabend schienen die beiden jedoch eine andere Sprache zu sprechen oder sich um einen Startplatz bei den Landesmeisterschaften im Billard bewerben zu wollen. Das war, besonders von Christensen, ungewohnter Slapstick.

Nico Schulz feiert eine Premiere

In Sevilla bekam er noch das 0:3 mit, in Köln blieb es beim 0:1 und gegen Bremen beim 4:1. Nachdem er vergangenen Samstag erstmals im Borussia-Park auf dem Rasen stand, durfte Nico Schulz in Leipzig noch eine neue Erfahrung mitnehmen: Den ersten Torjubel. Minutenmäßig hat er sich auch gesteigert, erst fünf gegen Bremen, jetzt sechs. Drei G hat Schulz sich vorgenommen für die kommenden Wochen: "Geduld haben, gesund bleiben, weiter Gas geben", sagt er, "dann weiß ich, dass ich auch auf meine Spiele kommen werde." Allein bis Weihnachten sind es ja noch 19.

Retorte mit Stimmung

Apropos 19: So viele Minuten schwiegen die Borussia-Fans im Leipziger Gästeblock, in Anlehnung an das Gründungsjahr des Vereins. Die "Traditionsverein"-Choreo generierte dazu wieder ein paar schöne Bilder, nach dem Abpfiff feierten sogar die Spieler mit den entsprechenden Mottoschals den Punktgewinn. Auf der anderen Seite war jedoch auch anzuerkennen, dass Leipzig schon jetzt mehr Atmosphäre in seinem ohnehin sehr schmucken Stadion hat als andere sogenannte Retortenklubs, die oft mit RB in einem Atemzug genannt werden.

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