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Borussia Mönchengladbach
Borussia arbeitet an den Strukturen

Borussia Mönchengladbach arbeitet an den Strukturen
Borussias neuer Leiter Prävention und Medizin, Dr. Andreas Schlumberger, ist hier mit Bayern-Star Thiago Alcantara im Reha-Training unterwegs. FOTO: imago
Mönchengladbach. Nach Talent-Trainer Otto Addo holt sich der Klub auch einen neuen Mann für die medizinische Abteilung: Dr. Andreas Schlumberger kommt vom FC Bayern. Er soll das "Bindeglied zwischen allen medizinischen Fakultäten" sein. Von Karsten Kellermann

Es gibt viele nachsaisonale Statistiken. Nun auch eine, die einen der Gründe illustriert, warum die Borussen in der angelaufenen Saison das eine oder andere, was möglich war, verpasst haben. Das Internet-Portal fussballverletzungen.com hat die Verletzungstabelle zur Spielzeit 2016/2017 geliefert, und in diesem Klassement belegen die Borussen den 15. Platz.

Insgesamt 1907 Verletzungstage kommen zusammen, das macht 310 Spiele in der Summe. Dass ein halbes Dutzend Spieler mit Stammkraft-Potenzial betroffen war, gerade auch in der entscheidenden Saisonphase, lässt zumindest die Hypothese zu, dass etwas mehr drin gewesen wäre, wenn es nicht so viele Ausfälle gegeben hätte.

Es liegt auf der Hand, dass die Analyse der Borussen ebenfalls zu diesem Ergebnis gekommen ist. Der Klub hat nun reagiert und gestern einen in der Szene recht prominenten Zugang für die neue Saison präsentiert. Dr. Andreas Schlumberger wird künftig die neu geschaffene Position Leiter Medizin und Prävention bekleiden.

Schlumberger hat eine Biografie, die für viel fachliche Qualität steht. Er kommt vom Rekordmeister FC Bayern, wo er seit 2015 Teamleiter Rehabilitation und Prävention war. Zuvor arbeitete der 50-Jährige für Borussia Dortmund und im Nachwuchsbereich des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Der promovierte Sportwissenschaftler war zuletzt auch beim FC Liverpool und dessen deutschen Trainer Jürgen Klopp, der Schlumberger aus gemeinsamen Studientagen kennt, im Fokus. Nun hat er sich für Gladbach entschieden.

Bei Borussia wird er quasi ein Supervisor für die Fitness. Schlumberger soll die medizinische Abteilung neu strukturieren und somit stärken. "Er wird als Bindeglied zwischen allen medizinischen Fakultäten, also den Mannschaftsärzten, den Physiotherapeuten, dem Reha-Zentrum und den Athletiktrainern, arbeiten", sagt Sportdirektor Max Eberl. Schlumbergers Arbeit soll die Wahrscheinlichkeit vergrößern, dass die Borussen mit weniger Verletzungspech durch die Spielzeiten kommen.

Ist ein Spieler verletzt, ist der Ablauf eigentlich stets derselbe: Diagnose, Physiotherapie, Reha-Training, Athletik, schließlich die Wiedereingliederung ins Teamtraining. "Wir verfügen in diesem Bereich bereits über viel Qualität, wollen uns aber in der Koordination, Kommunikation und Innovation der medizinischen Betreuung unserer Spieler noch weiter verbessern", sagt Eberl. Dass dies zunächst im Normalmodus ohne Dreifachbelastung passiert, kann beim Aufbau der Strukturen hilfreich sein.

Der Manager hatte eine Tiefen-Analyse angekündigt, nun geht Borussia die Problembewältigung auf verschiedenen Ebenen an. Sportlich wurde das Team von Dieter Hecking bereits mit dem französischen Talent Mickael Cuisance (17) und Vincenzo Grifo (24) verstärkt, der englische Verteidiger Reece Oxford (18) soll bald dazukommen, zudem werden ein Sechser (Denis Zakaria aus Bern ist im Gespräch) und ein Stürmer für den Plan B gesucht.

Die Personalie Schlumberger ist derweil schon der zweite Zugang jenseits des Rasens. In der vergangenen Woche engagierte Gladbach Ex-Profi Otto Addo (41) als Trainer für die Top-Talente des Klubs. Diese sind eine Investition in die Zukunft - sportlich, aber auch wirtschaftlich. Steigt die Qualität der Jung-Spieler, profitiert die Mannschaft und der Marktwert klettert. Während Schlumberger die medizinischen Bereiche verbindet, wird Addo das Bindeglied zwischen Cheftrainer Dieter Hecking und Nachwuchs-Chef Roland Virkus sein.

Borussia arbeitet an den Strukturen. Es geht in beiden Fällen darum, die bestehenden Prozesse zu optimieren, bei Bedarf anzupassen und damit die Qualität zu steigern. Fest steht auch schon, dass Noch-Torwart Christofer Heimeroth ab Januar 2018, wenn seine Profi-Karriere endet, als Teammanager Chef-Scout Steffen Korell unterstützen wird. Diese strategischen Entscheidungen sollen natürlich möglichst schnell, vor allem aber nachhaltig Wirkung zeigen, damit zum Beispiel Statistiken wie die von fussballverletzungen.com in Zukunft besser ausfallen aus Gladbacher Sicht.

Quelle: RP
 
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