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Borussia Mönchengladbach
Auch bei Sommer ist noch Luft nach oben

Das ist Yann Sommer
Das ist Yann Sommer FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Borussias Torwart wehrt 66,7 Prozent der Schüsse ab. Er hatte schon deutlich bessere Quoten. Wie für das gesamte Team ist es auch für den Schweizer eine Saison, die weder Fisch noch Fleisch ist. Von Karsten Kellermann

Yann Sommer hat gestern geübt für das Derby. Mit der Schweiz hat er gespielt gegen die Färöer Inseln. Das Ergebnis des WM-Qualifikationsspiels würden Sommer, seine Kollegen bei Borussia und alle Freunde des Gladbacher Fußballs wohl unterschreiben, wenn es am Samstag gegen den rheinischen Erzrivalen 1. FC Köln passieren würde. 2:0 siegten die Eidgenossen. Das allerdings mühsamer als erwartet. Sommer kennt das indes. Aus Gladbach. Es ist eine Saison, die den Borussen zeigt, dass Erfolg kein Selbstläufer ist. Auch nicht für Sommer. Für den Torhüter, der nebenbei einen Koch-Blog betreibt, ist es wie für das gesamte Team eine Spielzeit, die bisher weder Fisch noch Fleisch ist.

Er hat zwar zum ersten Mal in der Trainer-Ägide von André Schubert zweimal in Folge zu null gespielt (0:0 gegen den HSV, dann 2:0 in Glasgow) und ist in der Bundesliga seit 287 Minuten ohne Heim-Gegentor (das letzte gab es am 17. September beim 4:1 gegen Bremen und Torschütze Serge Gnarby benötige dafür immerhin das Tor des Monats), doch hat Sommer in dieser Saison nur 66,7 Prozent aller Schüsse abgewehrt, die auf sein Tor kamen. Da hatte er schon weit bessere Quoten, bis nahe an die 90 Prozent. Seine Schweizer Konkurrenten in der Bundesliga stehen derzeit besser da: BVB-Tormann Roman Bürki hat einen Halte-Schnitt von 76,3; Marwin Hitz kommt in Augsburg auf 72 Prozent abgewehrter Bälle.

Es ist nicht so, dass er, mal abgesehen von den beiden Gegentreffern beim 1:2 in der Champions League gegen den FC Barcelona, die er auf seine Kappe nahm, grobe Fehler macht. Doch gibt es auch Bälle, die Sommer an anderen Tagen durchaus mal gehalten hat. Derzeit kriegt er im Schnitt alle 60 Minuten einen Ball ins Netz - Sommers Ansprüche dürften andere sein. Sommers Saison ist sozusagen ein Spiegelbild der Saison des gesamten Teams: Es gibt noch Luft nach oben.

Eine tolle Gelegenheit gab es mithin, ein Zeichen zu setzen: Das war beim 1:1 gegen Celtic Glasgow, als die Schotten kurz vor Schluss einen Elfmeter zugesprochen bekamen. Früher in seiner Schweizer Heimat galt Sommer als Spezialist bei der Entschärfung der Schüsse vom Punkt, doch diese Fähigkeit hat er verloren, seit er in Deutschland arbeitet. Von 26 Elfmetern hat er als Borusse nur einen gehalten (drei verfehlten das Tor). Nun war sie da, die große Chance mit einer Parade den wichtigen 1:0-Sieg gegen die Schotten zu retten. Klappte aber nicht. Sommer flog nach links, der Ball nach rechts. 1:1. Elfmeter zu halten ist keine Pflichtaufgabe. Doch es kommt einfach gut. Dass es nicht klappte, unterstreicht: Es ist nicht dramatisch, weder nach oben noch nach unten. Sondern Durchschnitt. Sommer und Borussia haben andere Ansprüche.

Da könnte das Derby auch für den Schweizer gerade recht kommen. Denn Sommer ist durchaus ein Experte auf diesem Gebiet. Vier Derbys hat er mitgemacht, seit er 2014 vom FC Basel nach Gladbach kam. Zwei Spiele wurden gewonnen und nur eines verloren, dreimal blieb er ohne Gegentor. Und im Borussia-Park hat Sommer noch keinen Kölner Treffer zugelassen, überhaupt durfte nur Anthony Modeste für Köln gegen Sommer treffen. Dabei soll es am Samstag bleiben.

Wie man es sportlich nicht macht in Nachbarschaftsduellen erlebte derweil Sommers Teamkamerad Fabian Johnson. Der verlor mit den USA 1:2 gegen den großen Rivalen Mexiko. Aber: Die Kontrahenten demonstrierten vor dem Spiel mit einem gemeinsamen Teamfoto gegenseitigen Respekt. Dieser würde dem rheinischen Derby und seinem Drumherum guttun.

Quelle: RP
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