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Borussia Mönchengladbach
Auf dem Weg zur Wahrheitsfindung

So liefen Borussias Testspiele
So liefen Borussias Testspiele FOTO: dpa, mbk vge
Mönchengladbach. Die Testspielreihe im Sommer 2017 ist vorbei. Über vier Wochen verteilt hat Borussia gegen neun verschiedene Gegner gespielt. Ausbaufähig ist die Torausbeute, dafür untermauert das Team in zahlreichen Phasen sein Potenzial. In vier Tagen wird es ernst. Von Jannik Sorgatz

Bei Borussia sprechen sie lieber von einer "Erlebniswelt", die im Herbst 2018 im Neubau neben dem Stadion eröffnet werden soll, als von einem "Museum". Statt einfach nur Reliquien der Vereinsgeschichte auszustellen, soll es dynamisch und modern zugehen. Wenn man die Schwärmereien der Mannschaftskollegen von Lars Stindl vernimmt, würde es sich anbieten, der "besten Innenseite der Bundesliga" eine Video-Installation zu widmen. Oscar Wendt und Raffael haben ihren Kapitän unabhängig voneinander dafür gepriesen.

Am Freitag nach dem 1:2 gegen Leicester City sprach Christoph Kramer nun von einem "normalerweise sicheren Tor", das Stindl da liegengelassen habe in der ersten Halbzeit, der deutlich besseren im letzten Testspiel der Vorbereitung. Thorgan Hazard setzte Ibrahima Traoré gefühlvoll auf der rechten Seite in Szene, der Guineer legte fast von der Grundlinie zurück auf acht Meter, wo Stindl zentral lauerte. Doch der 28-Jährige geriet ein wenig in Rückenlage und setzte den Ball drüber.

Der gute, aber unvollendete Ansatz war symbolträchtig. So lief es häufig in den 720 Testspielminuten, die Borussia in den vergangenen vier Wochen absolviert hat. "Wir hatten viele Ballbesitzpassagen, in denen der Ball sehr flüssig in den Reihen lief. Das ist ja auch unser Spiel", sagte Trainer Dieter Hecking. "Wir müssen ab und an nur noch etwas effektiver und zielgerichteter werden." Zwei Drittel der Partie fand er gut, auch das lässt sich auf den Rest der Spiele übertragen, wenngleich die Ergebnisse, wie Torwart Yann Sommer noch einmal betonte, ohnehin "sekundär" seien.

Primär gab es - in den 30 Minuten pro Spiel, die nicht so gut liefen - ein paar Defizite zu beobachten, die Borussia auch in der vergangenen Saison begleitet haben. Mal gab es keine Chancen wie gegen Nizza, als die Mannschaft nur zwei Torschüsse abgab, einer von Hazard aber aus 30 Metern in den Winkel flog. Dann gab es Abschnitte wie beim 2:2 in Eupen, beim 2:1 gegen Málaga und beim 1:2 gegen Leicester, in denen Gladbach häufig aussichtsreich zum Abschluss kam, aber zu wenig daraus machte. Alle 80 Minuten ein Tor - das ist höchst ausbaufähig.

"Jedes Lob lässt sich mit einem Aber versehen, jede negative Kritik mit einem positiven Aspekt entschärfen. Hinter Borussia liegt die Saison der 100 Wahrheiten", schrieben wir Ende Mai. Die Mannschaft müsse ihren Wankelmut ablegen, um die Deutungshoheit über ihre Leistungen zurückzugewinnen. Anfang August sieht es immer noch so aus. Bei allen drei Niederlagen ging Borussia in Führung und verlor noch 1:2. Leicester war erneut so ein Beispiel für diverse Interpretationsmöglichkeiten: Zum einen schien der Schock tief zu sitzen, nachdem Tobias Strobl schwer verletzt vom Platz getragen worden war. Zum anderen verloren Spieler wie Jannik Vestergaard, der sich ein Scharmützel mit Jamie Vardy lieferte, unabhängig davon den Fokus.

Rein ergebnistechnisch könnte die Bilanz am Ende der Vorbereitung zweifellos besser aussehen. Aber Kramer wies nicht zu Unrecht auf ein Phänomen dieses Sommers hin: "Gefühlt haben alle immer nur auf die Fresse bekommen." In den verbleibenden Tagen bis zum Saisonstart tippt Fußball-Deutschland wieder seine Abschlusstabellen. Wer sich da nur auf Testspiel-Ergebnisse verlässt, wird höchst kuriose Resultate erhalten.

Nach der Niederlage gegen Nürnberg hatte Hecking mehr Gier von seinen Spielern eingefordert, eine Woche später gegen Málaga lieferten sie. Nun monierte der Trainer, sie seien "nicht aus dem Freundschaftsspiel-Modus rausgekommen", als Leicester englische Härte zeigte. Am Freitag im DFB-Pokal bei Rot-Weiss Essen hat Borussia gar keine andere Wahl, als auf 100 Prozent in allen Belangen umzuschalten - zur Pflichterfüllung.

Immerhin: Die Startelf scheint auf allen Positionen bis auf den rechten Flügel zu stehen und sieht bis auf die Zugänge Matthias Ginter (für Andreas Christensen) und Denis Zakaria (für Mo Dahoud) genauso aus, wie eine gesunde Borussia in der vergangenen Rückrunde ausgesehen hätte. 28 Punkte holte sie in 17 Spielen - die Marke muss in der Hinrunde der Orientierungspunkt sein. Denn das Potenzial ist da.

Quelle: RP
 
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