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Borussia Mönchengladbach
Auf der Doppelsechs schlägt Borussias Puls

Borussia Mönchengladbach: Auf der Doppelsechs schlägt Borussias Puls
Bern, Leverkusen, Celtic - Tobias Strobl hat an den Highlight-Tagen der Saison meistens mitgewirkt im defensiven Mittelfeld. FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Tobias Strobl gegen Köln erstmals an Mo Dahouds Seite vor der Abwehr. Am Mittwoch könnten sie es wieder versuchen dürfen. Von Jannik Sorgatz

Die zweite Halbzeit lief bereits, da hatte Tobias Strobl immer noch eine makellose Bilanz: acht Zweikämpfe, alle gewonnen. Es wurde ein offeneres Spiel, bis zum 1:1 und auch danach. Als Schiedsrichter Manuel Gräfe kurz nach dem 1:2 in der Nachspielzeit abpfiff, hatte Strobl 15 gewonnene und sieben verlorene Duelle auf dem Konto. An seiner Leistung ließ sich der Spielverlauf ablesen. Mit einem souveränen und auch weniger gestressten Strobl lief es bei Borussia besser.

So war es bislang meistens in dieser Saison. "Mr. Zuverlässig" war bei den Erfolgen gegen Bern, Leverkusen und Glasgow eine zentrale Figur. Da hieß sein Nebenmann auf der Doppelsechs Christoph Kramer, im Derby gegen Köln gab es nun eine Premiere: Strobl lief erstmals neben Mo Dahoud auf. Der 20-Jährige taugte genauso als Seismograph des Gladbacher Spiels. Bei ihm finden sich die Indizien für eine gute Phase weiter vorne. Dahoud und Strobl, das ist eine Künstler-Handwerker-Kombination, die gegen Köln 50 Minuten lang hervorragend funktionierte.

Doch dann nahmen mehr oder weniger beeinflussbare Dinge ihren Lauf. Draußen auf dem Rasen hatte Strobl sich fassungslos das Trikot über das Gesicht gezogen. In den Katakomben sagte er: "Ich glaube, dass wir heute klar die bessere Mannschaft waren." Dann ging es um die Schlagworte einer kritischen Situation, wie Borussia sie momentan durchmacht. Krise? "Wenn die Punkte ausbleiben, wird es automatisch eine Krise", sagte Strobl. Abstiegskampf? "Davon will ich noch nicht reden, das ist zu weit weg."

Am Mittwoch gibt es den derzeit größtmöglichen Kontrast. Manchester City kommt am fünften Spieltag der Champions-League-Gruppenphase, ein Team, dem Trainer André Schubert den Titel zutraut. "Ein Zuckerl", meinte Strobl, der gebürtige Münchner. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er es gleich noch einmal an Dahouds Seite versuchen darf. Kramer fehlt gelbgesperrt. Umbaumaßnahmen mit Andreas Christensen als zweitem Sechser wären möglich, aber der Däne wird wohl weiter hinten gebraucht. Also wieder Handwerk und Kunst?

Der Künstler ließ gegen Köln gleichermaßen seine Qualitäten und Defizite erkennen. Oft wirkt es so, als lasse sich Dahoud noch mehr mitreißen, in beide Richtungen, als selbst den Ton anzugeben. Seine erste Hälfte war stark, dann blieb sichtbares Bemühen, das schließlich in Müdigkeit überging. In der 89. Minute kam Tony Jantschke für Dahoud, der trotz der Meter, die ihm dadurch verloren gingen, der lauffreudigste Akteur des Nachmittages war. "Mo war irgendwann am Limit", sagte Schubert. "Über weite Strecken hat er ein gutes Spiel gemacht." Nach zwei, drei gefährlichen Ballverlusten habe er etwas vorsichtiger sein wollen und für die letzten Minuten Jantschke gebracht, der - das aber eher fürs Protokoll - dann den Freistoß verursachte, der zum 1:2 führte.

An Borussias Sechsern ließ sich schon in den vergangenen Jahren der Puls der Mannschaft messen. In der Saison 2011/2012 sorgten gute Auftritte von Roman Neustädter und Havard Nordtveit dafür, dass hinten die Viererkette Ruhe hatte und vorne die Konter angeleiert wurden. 2012/2013 fand Gladbach im Herbst zurück in die Spur, als Thorben Marx Stabilität brachte und Nordtveit seine wohl stärkste Zeit am Niederrhein hatte.

Von 2013 bis 2015 führte kaum ein Weg an Christoph Kramer und Granit Xhaka vorbei. Aus dem Europapokal-Rückkehrer wurde ein Champions-League-Teilnehmer. Dann tauchte Dahoud auf der Bühne auf und prägte die erfolgreichen Post-Favre-Wochen, im Frühjahr 2016 führte Xhaka die Mannschaft unmissverständlich an, und es sagt viel aus über die Qualität des Schweizers, dass er Borussia noch immer prägt, eben weil er nicht mehr da ist.

Es ist also keine gewagte These, dass Borussia gegen City am Mittwoch einen guten Abend erlebt haben dürfte, wenn die Sechser in der Nachbetrachtung gut wegkommen.

Quelle: RP
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