| 12.07 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Von verhinderten Deppen und Sippels Serie

Drochtersen/Assel - Borussia: Einzelkritik
Drochtersen/Assel - Borussia: Einzelkritik FOTO: dpa, crj fpt
Mönchengladbach. Zweimal ist die Borussia in diesem Jahrtausend in der ersten Pokalrunde gescheitert, bei der SV Drochtersen/Assel hat sie ihre Pflicht erfüllt und die Deppengefahr gebannt. Wenn der Gegner fast nie den Ball hat, klappt das ganz gut. Von Jannik Sorgatz

Darmstadt, Bayern II, Verl

"Jedes Jahr gibt es in der ersten Runde mindestens einen Deppen", sagte Christoph Kramer nach dem knappen Erfolg in Drochtersen, "der wollten wir auf keinen Fall sein." Genau genommen hat es in den vergangenen fünf Jahren sogar stets zwei "Deppen" gegeben, diesmal machte RB Leipzig den Anfang. Die Borussia war zuletzt 2013 ein Depp, als sie gegen den damaligen Drittligisten SV Darmstadt im Elfmeterschießen verlor: "Vergessen Sie Branimir Hrgotas Lupfer an die Latte nicht!" Ansonsten ist die Gladbacher Blamierbilanz in der ersten Runde in diesem Jahrtausend sehr dünn. Nur 2004 kam ebenfalls das frühstmögliche Aus gegen den FC Bayern München II. Fünf Jahre zuvor war die Borussia nur ein Semi-Depp. Als sie beim SC Verl verlor, spielte sie in der 2. Bundesliga.

Von 56 auf 81 Prozent

Über weite Strecken der ersten Halbzeit hatte die Ballbesitzquote bei 85 Prozent gelegen, zur Pause waren es 84 und am Ende 81. Selbst der FC Bayern kam bei Carl Zeiss Jena nur auf 71 Prozent. Bis zu den Sonntagsspielen lag die Borussia vorne und müsste ihren Trainer damit vollends zufriedengestellt haben. Nach dem 3:1 bei den Young Boys Bern hatte André Schubert noch gesagt, er habe er sich etwas mehr als 56 Prozent Ballbesitz gewünscht, "aber das ist auf dem Kunstrasen nicht so einfach." Manchmal ist der Fußball eben ein Mehrkampf mit Teildisziplinen, die sich so unterscheiden wie Kugelstoßen und 400-Meter-Lauf. Bis jetzt erfüllt die Borussia die Norm.

In die zweite Runde rotiert

Klar, die Saison 2014/15 wird aufgrund des direkten Erreichens der Champions League für immer in Erinnerung bleiben. Sie hat sich jedoch noch durch einen anderen Fakt ausgezeichnet: Lucien Favre kam in 48 Pflichtspielen mit 19 Leuten aus. André Schubert hat in zwei Spielen nun schon dieselbe Anzahl eingesetzt. Gegen Drochtersen/Assel brachte er sieben Neue, sechs davon hatten in Bern auf der wohl teuersten Bank der Vereinsgeschichte gesessen, Julian Korb kam von der Tribüne und schoss das Siegtor.

Die Weste bleibt weiß

Einmal konnte er nur zusehen, wie André Hahn und Jonas Hofmann Unruhe stifteten, einmal ließ er einen Weitschuss der Gastgeber über das Tor fliegen, erst in der Nachspielzeit musste Tobias Sippel eingreifen. Mit einem Hechtsprung schnappte er sich den Ball vor einem Drochterser. Die im Normalfall aktivste Zeit des Gladbacher Ersatztorwarts in einer Saison ist gerade zu Ende gegangen. In dieser Vorbereitung durfte er besonders viel spielen, weil Yann Sommer erst noch im Urlaub und dann verletzt war. In Drochtersen durfte er ran, weil Sommers Fuß etwas schmerzte. Mit dem Sieg baute Sippel seine weiße Weste aus: 2:0 gegen Wolfsburg, 2:0 gegen Darmstadt, 1:0 gegen Drochtersen. 

Mit Auswärts-Know-how nach Freiburg

Zugeben, das Trio lässt die Serie nicht sonderlich beeindruckend klingen. Wenn man aber daran zurückdenkt, dass der Giftschrank mit dem Auswärtsdeppen-Shirt im Frühjahr schon wieder geöffnet war, ist es in Ordnung, auf drei Pflichtspielsiege hintereinander auf fremdem Platz hinzuweisen: Darmstadt, Bern, Drochtersen. Am 10. September tritt die Borussia geradezu in Auswärts-Hochform beim SC Freiburg an – wo sie seit fast 15 Jahren nicht gewonnen hat.

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