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Borussia Mönchengladbach
Bedingt abwehrbereit

Übersicht: So ist Borussia seit 2008 gestartet
Übersicht: So ist Borussia seit 2008 gestartet FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Geschlossene Defensivarbeit ist Borussias Basis für Erfolg. Aktuell verteidigen die Mannschaftsteile jedoch jeder für sich. Besserung ist eine Frage von Details. Und womöglich auch von Umstellungen. Von Stefan Klüttermann

Wie sehr er sich an Dinge gewöhnt, merkt ein Mensch meist erst, wenn sie nicht mehr da sind. Menschen, die sich mit Borussia Mönchengladbach beschäftigen, stellen dieser Tage erstaunt fest, dass es einem Gegner gelingen kann, Kontertore gegen die Borussen zu erzielen. Kontertore - also etwas in der Vorsaison quasi Unvorstellbares, weil es ja bedeutet, dass der Gegner die Mannschaft von Trainer Lucien Favre unvorbereitet trifft. In einen Moment, in dem die Fohlen die Defensive entblößt haben. In dem die Abstimmung nicht passt. Und so einen Moment gab es irgendwie gar nicht mehr. Jetzt aber gibt es sie wieder, diese Momente. Und die Gegentore, die Borussia sich fängt - sechs waren es 2014/15 erst nach elf Spieltagen - zeigen, wie wichtig eine funktionierende Defensive für das Favre-System ist. Ja, sie zeigen, dass das Favre-System nicht funktionieren kann, wenn die Defensive stottert. "Dieser fantastische Fußball hat eine Basis gehabt: die gemeinschaftliche Verteidigung", sagt Sportdirektor Max Eberl.

Doch genau das, gemeinschaftlich verteidigen, das tat Borussia in den bisherigen zwei Ligaspielen nicht. Die Mannschaftsteile verteidigen eher für sich, ohne dass untereinander Rädchen ineinander greifen, so dass Räume gar nicht erst entstehen. So aber ist Borussia nur bedingt abwehrbereit. So aber gibt es Räume, wie sie Gladbachs Gegner lange nicht mehr vorfanden und nun irgendwie um so lieber nutzen. "Es gehören alle elf dazu zum Verteidigen. Wir hinten können einen besseren Job machen, unsere Sechser können einen besseren Job machen. Wir können vorne die Räume besser zustellen. Die defensive Stabilität hat uns ja ausgezeichnet. Dass die Gegner in den Borussia-Park gekommen sind und gedacht haben: Puh, hier wird es schwer, die verteidigen super! Da müssen wir wieder hinkommen", sagt Tony Jantschke.

Fotos: Borussia-Frust nach Null-Punkte-Start FOTO: Dirk Päffgen

Fehler im Detail verhindern das bislang noch. Granit Xhaka und Lars Stindl suchen nach wie vor an Harmonie in der gegenseitigen Absicherung im Zentrum. Raffael und sein jeweiliger Offensivpartner laufen aktuell nicht effektiv genug Räume und Passwege zu. Letztlich findet der Gegner einfach zu leicht eine Lücke, wo monatelang keine Lücke zu finden war. "Man sieht ja, dass nicht alle Details stimmen, und die Details sind sehr wichtig. Ein Eins-gegen-Eins mit einem Linksfuß statt mit einem Rechtsfuß - das kostet ein Tor auf diesem Niveau. Ein Ballverlust oder ein nicht cleverer Zweikampf, und schon kriegen wir einen Konter. Das alles zu vermeiden, war unsere Stärke", sagt Favre.

"Zurück zu alter Stärke" ist nun Favres Arbeitsauftrag. Auf dem Weg dorthin muss er sich vor allem fragen, ob Xhaka/Stindl zeitnah als Duo mehr Balance hinbekommen können oder ob ein Havard Nordtveit zwar letztes Jahr nicht an Christoph Kramer vorbeikam, jetzt aber der richtige Spielertyp im Mittelfeld wäre. Eine Rückkehr von Martin Stranzl ist zudem ein wichtiges Detail, weil "er einer jungen Mannschaft Halt geben kann", wie Eberl sagt. Halt, der dann wieder in gegenseitigen Halt übergehen muss, denn dieses Selbstverständnis im erfolgreichen Arbeiten gegen den Ball bildete im Vorjahr die breite Brust für erfolgreiche Offensivaktionen. Damals konterte man selbst gefährlich - man wurde nicht ausgekontert. Auch nur ein Detail. Aber ein entscheidendes.

Quelle: RP
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