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Borussia Mönchengladbach
Schuberts Team beeindruckt die Liga

Borussia Mönchengladbach beeindruckt die Liga mit Siegesserie
FOTO: dpa, ahi hpl
Berlin. Unerklärliche Dinge machen zuweilen Angst. Deswegen müsste die Bundesliga aktuell Angst vor Borussia Mönchengladbach haben. Von Karsten Kellermann

Denn das, was da am Niederrhein passiert ist in den vergangenen 42 Tagen, ist kaum zu erklären. Erst gab es fünf Bundesliga-Niederlagen am Stück, dann sechs Siege in Serie. Und nun in Berlin, beim 4:1, spielte die Mannschaft, bei der vor fünf Wochen nahezu nichts lief, "in der ersten Halbzeit fast perfekt", wie Kapitän Granit Xhaka festhielt.

 
Die Schubert-Tabelle FOTO: afp, oa-iw

Zudem fiel dem Schweizer auf, dass "Hertha viel Respekt vor uns hatte". Dass sogar Angst im Spiel gewesen sein könnte, wollte Sportdirektor Max Eberl nicht gelten lassen. Doch "unser Selbstvertrauen beeindruckt die Gegner", sagte Eberl, ohne für sich in Anspruch zu nehmen, damit den verblüffenden "Turn-around" des Teams bis in den letzten Winkel erklären zu können. "Das Gefühl, dass wir die Wende schaffen können, war da. Aber dass es so läuft, damit habe ich nicht gerechnet. Ich habe jedoch auch nicht damit gerechnet, dass wir mit Lucien Favre am Anfang fünf Spiele verlieren. Das ist Fußball", gestand Eberl.

Dass der Trainerwechsel von Favre zu André Schubert mit der Wandlung der Borussen zu tun hat, liegt auf der Hand. "Sein Ansatz tut uns allen sehr gut", sagte Lars Stindl, der wie sein Sturmpartner Raffael aufgeblüht ist, seitdem Schubert da ist. Wo es noch hinführen soll mit der Mannschaft, die in der Zeit mit Schubert statistisch sogar besser ist als Bayern München, kann Eberl nicht sagen. "Ich weiß nicht, wo das Limit ist", sagte er.

Statistische Veränderungen unter André Schubert

In Berlin war Borussia total dominant. Anfangs zirkulierte der Ball, um Hertha mürbe zu machen, dann fanden Oscar Wendt und Raffael binnen zwei Minuten die entscheidenden Lücken, und eigentlich war die Sache mit dem 2:0 nach 28 Minuten durch. Granit Xhaka per Elfmeter und Havard Nordtveit sorgten dafür, dass der Auswärtstor-Schnitt unter Schubert nun bei vier Treffern pro Spiel liegt. Das ist eine Quote, die der Konkurrenz vermutlich in größerem Umfang zu denken gibt. Wie auch die Tatsache, dass die Gladbacher extrem flexibel sind: feingeistig bis robust, kombinierfreudig bis geradeaus - unter Schubert ist Borussia kaum zu berechnen.

Eine der Leitfiguren ist Xhaka. Er spielt seit Wochen mit einem Bänderriss, "aber das habe ich eigentlich schon vergessen". Xhaka versuchte sich mit einem Erklärungsansatz für den Wandel: "Wir glauben wieder an uns, spielen wieder riskante Bälle, halten die Bälle wieder gut, pressen höher, erobern früher die Bälle und haben daher einen kürzeren Weg zum Tor. Und wir schlagen eiskalt zu." Xhaka verwies jedoch auch darauf, dass all das kein Selbstläufer sei. "Wir müssen hungrig bleiben und dürfen kein Prozent nachlassen", sagte der Schweizer.

So kreativ wie die Borussen auf dem Rasen sind, muss Max Eberl verbal sein – in der Trainerfrage. Er will sich trotz aller Euphorie um Schuberts "großartige Arbeit" nach wie vor nicht festlegen. Gleichwohl sieht er die Statistik und hört die Stimmen aus dem Team, die Schubert langfristig als Trainer haben wollen. "Das sind Indikatoren. Wir wollen aber die günstige Situation für uns alle nicht unterbrechen und nehmen uns die Zeit, eine gute Entscheidung zu fällen", sagte Eberl. Ob es vielleicht sogar der Schwebezustand in der Trainerfrage ist, der für die Leichtigkeit des Spiels sorgt, "weiß ich nicht".

Eberl nimmt es einfach hin. Und fährt damit sehr gut.

Quelle: RP
 
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