| 17.28 Uhr

Fans pfeifen beim 1:1
Borussia bleibt beständig unbeständig

Einzelkritik: Nur Vestergaard und Kramer besser als Note 4
Einzelkritik: Nur Vestergaard und Kramer besser als Note 4 FOTO: Dirk Päffgen
Mönchengladbach. Borussia Mönchengladbach kann beim 1:1 gegen Mainz die Leistung vom Sieg in Hoffenheim nicht bestätigen. Trainer Dieter Hecking befürchtet, dass seine Spieler sich die Aufgabe etwas zu leicht vorgestellt haben. Von Karsten Kellermann

Borussia Mönchengladbach ist rätselhaft. Nach dem tollen 3:1 bei 1899 Hoffenheim war man am Niederrhein mit der Hoffnung, sich mit einem Heimsieg endgültig oben festsetzen zu können, ins Treffen mit Mainz 05 gegangen. Doch gab es nur ein 1:1 und dabei kaum etwas von der sexy Hoffenheim-Borussia zu sehen, sondern einen biederen Abklatsch, insbesondere in der ersten Halbzeit. Der bessere zweite Teil des Spiels brachte den Ausgleich. Jannik Vestergaard erzielte das Tor nach einer Ecke von Thorgan Hazard.

Die Borussen haben weiterhin zwei Gesichter. Einmal das wunderschöne, das das Gefühl vermittelt, das fröhliche Lächeln eines Spitzenteams zu sehen. Aber es gibt eben auch das Gesicht ohne ausgereifte Konturen, es ist das Gesicht eines Teams, das auf der Suche nach dem Selbstbewusstsein ist. So schaffen es die Borussen nicht, die Versprechungen, die sie ihren Fans zwangsläufig durch tolle Auswärtsleistungen (drei Pflichtspielsiege in Serie, 6:1 Tore) machen, im eigenen Stadion einzulösen. Drei der zurückliegenden vier Halbzeiten im Borussia-Park waren mies (zweite Halbzeit Leverkusen), schlecht (die ersten 45 Minuten gegen Mainz) und bieder (zweite Halbzeit Mainz). Gut war nur der erste Abschnitt gegen Bayer. Nur einen Punkt gab es, und 2:6 Tore.

So bleibt die Saison ein Hin und Her, mental und sportlich. Zwar sind die Borussen mit 18 Punkten in dem Bereich unterwegs, der dem Saisonziel entspricht und Europa werden kann, doch wegen des Wankelmuts und der Janusköpfigkeit ist auf Borussia einfach kein Verlass. Das irritiert die Fans, das nervt sie, das macht sie unzufrieden. Darum gab es gegen Mainz Pfiffe.

Borussias Auf und Ab gleicht einer Tour-de-France-Etappe:

"Ich weiß, dass die Erwartungen hoch sind, wenn du in Hoffenheim so ein tolles Spiel machst. Dann denkt jeder, Mainz kommt und die schlagen wir mal eben. Das ist so, das brauchen wir auch nicht wegzureden, jeder hat das Gefühl, aber du musst es eben erstmal spielen", sagte Trainer Dieter Hecking. Er hatte Raffael wieder ins Team genommen, doch der hat eine Schaffenskrise. Er spielt kompliziert und gehemmt. Gegen Mainz gab er drei Torschüsse ab, im Normal-Modus wäre daraus etwas geworden. Er hat zweimal getroffen in dieser Saison, das brachte das 2:0 gegen Stuttgart. Die erhoffte Befreiung war es nicht.

In Hoffenheim, mit seinem Kronprinz Hazard im Zentrum, war mehr Zug zum Tor und in den Strafraum da, alles ging schneller. Steht eine Wachablösung an? Wird "Raffa" noch mal der Alte? Man traut ihm die Rückkehr zur bekannten Form zu, er hatte schon öfter Phasen der Zurückhaltung. Aktuell aber fehlt er zudem Lars Stindl als kongenialer Sturmpartner. Auch der Kapitän kann das Spiel derzeit nicht dominieren wie gewohnt. So fehlen den vielen jungen Kickern wichtige Anker. Spieler wie Stindl und Raffael können den Unterschied machen. Wenn sie es nicht tun, fehlt das entscheidende Quäntchen, gerade in engen Spielen wie gegen Mainz.

"Anscheinend ist es so, dass wir diese Entwicklungsphase durchlaufen müssen", sagte Hecking. Die Teamsoziologie ist im Wandel, sportlich suchen Team und Trainer die richtige Balance, Borussia ist noch nicht gefestigt genug, zu leicht lässt sich das Team beeindrucken im eigenen Stadion. Frankfurt und Mainz überraschten mit forschen Starts, führten früh, Borussia war ratlos und verkrampfte. "Um einen großen Schritt nach vorn zu machen, hätten wir gewinnen müssen. Aber das hätten wir nicht verdient gehabt", sagte Stindl. Verlass ist nur auf die Unbeständigkeit. Das verhindert ein Topteam-Dasein. Das ist ärgerlich, vor allem, weil auch die Borussen wissen, welches Potenzial sie haben.

 

 
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