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Borussia Mönchengladbach
Borussia steht sieben Plätze zu schlecht da

Die Chancenverwertung der Klubs
Die Chancenverwertung der Klubs FOTO: dpa, jg jhe
Mönchengladbach. Ergebniskrise statt Leistungskrise: André Schuberts Mannschaft macht mehr richtig, als der 13. Platz in der Bundesliga vermuten lässt. Beharrlichkeit und Geduld könnten sich am Ende der Saison auszahlen. Von Jannik Sorgatz

Die Fußball-Welt sucht den Heiligen Gral: Mit welchen Zahlen lässt sich am zuverlässigsten ermitteln, warum eine Mannschaft gewonnen hat? Der scheinbar zutreffendste Vorschlag kam im Sommer von der Satireseite "Der Postillon", die ein "revolutionäres Analyseverfahren" präsentierte: "Beim sogenannten Goaling wird gezählt, wie oft es einer Mannschaft gelingt, den Ball ins gegnerische Tor zu befördern."

Das war zwar eine witzige Note zum Statistikhype im modernen Fußball, aber natürlich nicht des Rätsels Lösung. Stefan Reinartz darf behaupten, ihr mit seiner Firma "Impect" etwas nähergekommen zu sein. Der ehemalige Bundesligaspieler, der im Mai seine Karriere beendet hat, beliefert die Deutsche Fußball-Liga (DFL) mit seinen "Packing"-Werten und arbeitet mit mehreren Erstligaklubs zusammen, darunter Borussia Mönchengladbach. Die "Packing"-Werte einer Mannschaft weisen aus, wie viele Gegner oder - noch wertvoller - gegnerische Verteidiger sie überspielt hat. Reinartz' "Packing"-Tabelle sieht der richtigen sehr ähnlich, nur ein Verein ist in Theorie und Praxis in völlig anderen Sphären unterwegs - und das ist Borussia.

Durchschnittlich 323 überspielte Gegner und 41 Verteidiger bedeuten den dritten und vierten Platz in der Bundesliga. Das ist ein eklatanter Unterschied zum wahren Geschehen. "Man kann natürlich nicht nur die überspielten gegnerischen Verteidiger bewerten, sondern auch schauen, wie häufig eine Mannschaft selber überspielt worden ist", sagt Reinartz. Das Verhältnis der überspielten Verteidiger sei ein sehr guter Indikator dafür, ob eine Mannschaft verdient gewonnen hat oder nicht. Bei Borussia kommt es in etwa hin mit der 90-prozentigen Zuverlässigkeit, die Reinartz angibt. In sieben der acht Spiele, die einen Sieger fanden, war es die laut "Packing" bessere Mannschaft. Nur das 1:2 gegen den 1. FC Köln am vergangenen Wochenende passte nicht in die Reihe. In der Theorie habe man aus den Zahlen auf einen Gladbacher Erfolg schließen müssen.

Mit fünf überspielten Verteidigern mehr pro Spiel als der Gegner steht Borussia virtuell auf dem sechsten statt dem 13. Platz. Besser sind Bayern, Leipzig, Hoffenheim, Dortmund und Köln. Vor dem heutigen Gegner, den noch ungeschlagenen Hoffenheimern, sollte Gladbach also gewarnt sein. Oder anders ausdrückt: Es dürfte ein hochinteressantes Spiel werden.

Dass sie derzeit nicht die Ergebnisse einfährt, die sie verdient hätte, ist abseits von Faktoren wie Verletzten, Schiedsrichterentscheidungen und Pech mit dem Aluminium natürlich immer noch Borussias Problem. Die Chancenverwertung ist, so darf man es ausdrücken, enorm den Bach runtergegangen. Da stößt auch das "Packing" an seine Grenzen, weil es die Spieler sozusagen nur bis vor das Tor begleitet. Dort benötigt Gladbach 10,7 Versuche für einen Treffer, vergangene Saison waren es nur 6,8. Reinartz macht Borussia Mut: Solche Ausreißer zwischen "Packing" und Realität werden im Laufe einer Saison meistens glattgebügelt. Geduld ist gefragt.

Bei der EM in Frankreich haben wir erklärt, wie Packing funktioniert. Hier geht es zum Text.

Quelle: RP
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