| 18.02 Uhr

Borussia Mönchengladbach
Borussias Lehren aus Hamburg

Borussia Mönchengladbach: Borussias Lehren aus Hamburg
Nico Elvedi im Zweikampf mit Matthias Ostrzolek. FOTO: dpa, dan hak
Hamburg. Raffael, Stindl, Hazard – einer sollte schnell wieder fit sein. Drmic fehlen Automatismen. Elvedi vergrößert die Optionen. Von Jannik Sorgatz

Von einem Schock zu sprechen, wäre wohl zu viel des Guten. Aber als eine Stunde vor dem Anpfiff Borussias Aufstellung bekanntgegeben wurde, durchzuckte es Borussias Fans in den sozialen Netzwerken: Ohne Raffael, ohne Lars Stindl – wie sollte das klappen? Tatsächlich hatte es schon zweimal geklappt, 2016 beim sportlich eher freundschaftlichen 2:0 in Darmstadt und auch beim 1:0 in Bremen unter hundertprozentig ernsthaften Bedingungen. Beide Male traf jedoch Thorgan Hazard, dessen Ausfall es in Hamburg auch noch zu kompensieren galt.

Vor der 1:2-Niederlage war das Trio lediglich an zehn von 55 Pflichtspieltoren weder als Schütze noch als Vorlagengeber beteiligt. Oscar Wendt und Andreas Christensen produzierten zwar den elften Treffer zum zwischenzeitlichen 1:0 in einem Spiel, das ähnlich lief wie zuletzt das gegen Bremen. Zu mehr reichte es aber nicht. Raffael, Stindl, Hazard – wenigstens einer sollte am Donnerstag gegen Schalke wieder fit sein. Am besten sieht es bei Raffael aus, der nach einem Infekt am Montag schon wieder trainierte. "Ich fühle mich gut und werde Donnerstag spielen", sagte Raffael. Bei Lars Stindl dürfte es indes eng werden für Donnerstag, aber noch ist offen, ob er spielen kann oder nicht.

Vollstreckerqualitäten fehlen noch

Josip Drmic stellte sich in Hamburg unter diesen Umständen fast von alleine auf. Beinahe hätte die Kombination Dahoud-Drmic Erfolg gehabt, dann kurz vor der Pause die Kombination Strobl-Herrmann. Aber frei vor HSV-Torwart René Adler fehlte es an echten Vollstreckerqualitäten. Ein etwas niedergeschlagener Drmic sprach später von "Automatismen", auf die es ankomme, und nannte einen Robert Lewandowski als Vorbild. Beim Wolfsburger Sieg in Leipzig traf einer von Lewandowskis Vorgängern beim FC Bayern, Mario Gomez, auf die banalste Mittelstürmer-Art per Abstauber, genau wie Schalkes Guido Burgstaller gegen Augsburg. Borussia muss bis zum Ende der Saison beobachten, ob bei Drmic der Knoten platzt, ob ihm allein aufgrund seiner langen Verletzung noch die Selbstverständlichkeit fehlt – oder ob im Sommer auf dem Transfermarkt gehandelt werden muss.

Deutlich besser aufgestellt scheint Borussia hinten rechts mit Tony Jantschke und Nico Elvedi zu sein. Während Jantschke mehr Robustheit und Erfahrung mitbringt, punktet Elvedi mit Technik und Dynamik am Ball. Bei den beiden Gegentoren in Hamburg kamen ausgerechnet die Mängel zum Tragen, die die Stärken des Konkurrenten sind. Jantschke fälschte ungelenk den Ball zu Bobby Wood ab, zuvor hatte Elvedi gegen Filip Kostic das Luftduell gescheut. Nach der Länderspielpause dürften beide wieder bei 100 Prozent sein, was Dieter Heckings Möglichkeiten vergrößert, falls die Wochen bis zum Saisonende sehr "englisch" bleiben.

Neun Punkte zwischen Platz sechs und 16

"Gegen Gladbach kann man mal verlier'n!", singen Borussias Fans seit Jahren lakonisch. Nun hätten die HSV-Fans genauso gut anstimmen können: "Gegen Hamburg kann man mal verlier'n!" An guten Tagen, die unter Trainer Markus Gisdol jetzt häufiger vorkommen, kann der HSV mit seinem unnachgiebigen Pressing besonders zu Hause eine gewisse Wucht entfalten. In der engsten Bundesligasaison der vergangenen 20 Jahre – nur neun Punkte trennen den Sechsten und den 16. – steht Hamburg am Ende dieses Pulks, Gladbach ist als Neunter eher oben dran als unten drin. Wenn Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten und Chancenverwertung stimmen, zählen beide Teams zur Jeder-kann-jeden-schlagen-Zone. Zwei von drei Faktoren stimmten bei Borussia in Hamburg nicht.

Hinzu kam am Ende die Müdigkeit. Von solchen Spielen wird Heckings Team mehr verlieren als gewinnen. In der ersten Aprilwoche werden gegen Frankfurt, Berlin und Köln elementare Weichen gestellt.

(jaso)
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