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Borussia Mönchengladbach
Borussia braucht wieder ihre alte Heimstärke

Borussia Mönchengladbach braucht alte Heimstärke
Die Fans standen auch in dieser Saison hinter ihrer Borussia - hier beim Halbfinale im DFB-Pokal gegen Eintracht Frankfurt, das im Elfmeterschießen verloren wurde. Das war eine der großen Chancen, die daheim verspielt wurden. FOTO: Andreas Krebs
Mönchengladbach. Nur dreimal seit dem Umzug in den Borussia-Park holte Gladbach im eigenen Stadion weniger Punkte als in der vergangenen Saison. Daheim wurden viele Chancen, etwa eine bessere Endplatzierung oder das DFB-Pokalfinale, verspielt. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Von Karsten Kellermann

Wenn Borussias Manager Max Eberl über die Atmosphäre im Borussia-Park redet, kommt er stets auf das Relegations-Heimspiel gegen den VfL Bochum vor sechs Jahren zu sprechen. "Die Fan-Gesänge ab der 65. Minute haben uns Kraft gegeben. Dieser Zusammenhalt hat uns in der Liga gehalten", sagte Eberl zuletzt noch einmal im Interview mit "mitgedacht-block.de". "Das, was gegen Bochum passiert ist, hat uns alles ermöglicht, was danach kam", mahnte Eberl.

Borussia tat sich schwer an jenem Abend, an dem es um alles ging, und Spaß hat den Fans das zähe Gekicke nicht gemacht. Doch irgendwann kam der Support mit großer Macht. Das weckte die Lebensgeister der Abstiegskämpfer. Als Igor de Camargo dann mit seinem seltsamen Kunstschuss traf, brach es heraus: Der Borussia-Park bebte, in diesem Moment war der Mythos wirklich und total angekommen im neuen Stadion. Es war die Initialzündung für den Aufschwung.

Der Borussia-Park war in den Jahren danach kein schöner Ort für Gäste-Teams. 34 Punkte holte Borussia in der Saison 2011/12, 29 im Jahr darauf, 36 in der Spielzeit 2013/2014, in der folgenden Saison 39 und dann sogar 40. Das war die Basis für den Aufschwung, für die fast ständige Präsenz in Europa seit 2012. Doch in der vergangenen Saison war das heimische Stadion keine Festung mehr. Nur 26 Punkte holte Gladbach im eigenen Wohnzimmer, so wenig wie seit der Relegationssaison 2010/2011 nicht mehr. Da waren es 18 Punkte, das ist der Negativwert seit dem Umzug in den Borussia-Park 2004. In der Abstiegssaison 2006/07 waren es 21 Zähler, in der Spielzeit nach dem Wiederaufstieg 19.

Borussia zeigte in der abgelaufenen Spielzeit zwei Gesichter in der Hin- und Rückrunde. Im ersten Saisonteil war die Bilanz der Dienstreisen miserabel, nur einen von 16 Punkten sammelte Borussia in den ersten 16 Spielen ein, nach dem Trainerwechsel fügte Dieter Hecking einen zweiten hinzu. Dann gab es die kopernikanische Wende in der Rückrunde: 17 Auswärtspunkte holte Gladbach, daheim gab es nur noch elf.

Auswärts gab es viele Highlights

Die tollsten Spiele gab es in der vergangenen Saison alle auswärts: Das 2:0 in der Champions League in Glasgow, das 4:2 in Florenz in der Europa League und die 3:2-Siege in Leverkusen und Köln. Im eigenen Stadion gab es indes die größten Enttäuschungen. Das Europa-League-Aus gegen Schalke, bei dem eine 2:0-Führung verspielt wurde. Und das Pokal-Aus im Elfmeterschießen gegen Frankfurt im Halbfinale. Die These sei erlaubt: Hätte Borussia im Pokal-Halbfinale ein Auswärtsspiel gehabt, wäre sie nach Berlin gefahren. In der Schlussphase der Bundesliga holte Borussia auswärts vier Punkte, aber nur zwei Zähler daheim waren zu wenig, um die letzte Europa-Chance zu nutzen. Das Mehr, das möglich war in der Saison, wurde wohl daheim verspielt.

Es gibt diverse Gründe für diese Heimschwäche. Die Konsequenz fehlte, hinten wie vorn. Es war in der Hinrunde stets Erfolgsdruck da, weil in der Fremde nicht gepunktet wurde. Dem hielten die Borussen ab dem 0:0 gegen den HSV mit den zwei verschossenen Elfmetern nicht mehr stand. Kurios war indes, dass die Gladbacher, als in der Rückrunde das Selbstvertrauen wieder da war, weiterhin daheim ihre Probleme hatten (allerdings kamen auch alle Top-Teams in den Borussia-Park: Leipzig, Bayern, BVB). Dafür war auch das Stimmungstief im Stadion mitverantwortlich, glaubt Eberl. Spiele werden auf dem Rasen verloren und nicht in der Kurve. Doch kann eine Wohlfühlatmosphäre helfen. Eberl sagt: "Natürlich bekommen die Jungs das mit. Die Mannschaft hat in letzter Zeit zu Hause schlechter gespielt als auswärts. Weil sie sich fragt: Moment, was ist denn hier gerade los? Warum rumort es? Das hat uns belastet."

Das soll in der neuen Saison anders werden. Heimspiele sollen nicht mehr Last, sondern wieder Lust sein. "Unsere große Stärke im Borussia-Park war immer die Geschlossenheit unserer Fanszene. Das war ein Bollwerk, das unsere Mannschaft getragen hat", sagte Geschäftsführer Stephan Schippers im Interview mit unserer Redaktion. Es gibt Gespräche mit der Fanszene, "um alle zusammen wieder auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen". Borussia hofft künftig auf ein Stimmungshoch.

Das Team muss mit engagierten Leistungen seinen Teil dazu beitragen. Natürlich hat der Erfolg die Ansprüche steigen lassen, natürlich spüren gerade die vielen jungen Spieler die Verantwortung, für einen Verein wie Gladbach zu spielen, mehr im eigenen Stadion als auswärts. Sie müssen lernen, damit umzugehen. Auch daran wird Trainer Dieter Hecking arbeiten. Sein Umschaltfußball passt sicherlich besser zu Auswärtsspielen, die Borussen müssen beim heimspieltypischen Ballbesitzspiel zielstrebiger und effektiver werden. Den positiven Trend in der Fremde, den es in der Rückrunde gab, bestätigen, und daheim wieder zu alter Stärke finden. Sich dort wieder pudelwohl zu fühlen - das wäre durchaus eine Basis für die Rückkehr nach Europa.

Quelle: RP
 
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